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Kunstranking "Power 100" - Black Lives Matter krempelt Kunstbetrieb um

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Die weltweite Protestbewegung hat das Kulturleben 2020 bestimmt. Das schlägt sich im einflussreichen Kunstranking "Power 100" nieder.

Archiv: louie wri, kuratiert vom farbeninstitut, malt ein wandbild auf die vernagelten fenster von st. Johns Kirche als Kunstwerk Aktivismus für Rassengerechtigkeit am Black Lives Matter Plaza in Washington, USA, 5. September 2020
Ein Künstler arbeitet an einem Wandgemälde auf vernagelten Fenstern der St. Johns Kirche in Washington, USA.
Quelle: Reuters

Erstmals steht eine Menschenrechtsbewegung auf Platz eins des globalen Kunstrankings "Power 100". Die internationale Bewegung Black Lives Matter führt im Corona-Jahr die vom britischen Kunstmagazin "ArtReview" veröffentlichte Liste der einflussreichsten Persönlichkeiten und Bewegungen der aktuellen Kunst an.

Corona erschüttert den Kunstbetrieb

Natürlich hätte es sich die 20-köpfige anonyme Jury auch einfach machen und Corona auf Platz eins hieven können. Denn das Virus, das weltweit mit tödlicher Kraft unterwegs ist, hat auch den Kunstbetrieb erschüttert: Museen sind im Shutdown geschlossen, fast alle Kunstmessen wurden abgesagt, Künstlerinnen und Künstler kämpfen um ihre Existenz, Galerien verlieren an Einfluss. Die Jury konstatiert: "Das Jahr 2020 hat uns gezeigt, wie machtlos wir alle sind."

Jeden Tag werden mehr Veranstaltungen abgesagt, das öffentliche Leben zieht sich zurück. Auch die Berliner Kultur- und Clubszene ist stark betroffen und macht sich Sorgen um ihre Zukunft.

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Doch mit Black Lives Matter auf Rang eins macht die Jury klar, dass es im Kunstbetrieb immer noch stärkere Einflüsse gibt als ein Virus. Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd im Mai durch brutale Polizeigewalt habe Proteste in der ganzen Welt ausgelöst, schreibt "ArtReview". Die Bewegung habe auf jeder Ebene den Wandel beschleunigt.

"Paradigmenwechsel in der aktuellen Kultur"

Denkmäler wurden gestürzt, Straßen wurden umbenannt. Zeitgenössische afrikanische Künstler werden sichtbarer. Galerien diversifizieren eilig ihr Programm. Auch in Museen, bei Ernennungen und Auszeichnungen ist nach Ansicht der Jury der Einfluss zu spüren. Black Lives Matter sei eine "globale Abrechnung" mit rassistisch motivierter Diskriminierung und habe zu einem "Paradigmenwechsel in der aktuellen Kultur" geführt.

Die Protestbewegung ist zwar nicht neu, gewinnt aber in den "Power 100" seit Längerem an Kraft. Inzwischen befinden sich in den Top Ten fünf afroamerikanische Frauen und Männer, die als Künstler, Denker, Literaten oder Museumsleiter diese Entwicklung personifizieren.

"Black lives matter" steht jetzt in großen Buchstaben auf der 16th Street in Washington. Ein Zeichen für Solidarität mit den Protesten, sagt Bürgermeisterin Muriel Bowser.

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"Mit Black Lives Matter auf Platz eins wird ein extrem amerikanisch besetztes Thema für die Kunstwelt allgemein gemacht", sagt der Berliner Galerist Thomas Schulte. Das Thema habe aber in Europa und auch Deutschland eine generelle Debatte über täglichen Rassismus ausgelöst.

Indonesisches Künstlerkollektiv ruangrupa auf Platz zwei

Nicht weniger interessant ist der Blick auf Platz zwei: Dorthin stieg das indonesische Künstlerkollektiv ruangrupa auf, das die Kasseler documenta im Jahr 2022 kuratiert. An ruangrupa werden aktuelle Trends deutlich: Der Blick der Kunst geht weg von Europa. Und der Teamgedanke wird immer wichtiger - weg vom einzelnen Künstler oder Kurator hin zu Kollektiven.

Europäische Künstlerinnen und Künstler kommen in den "Power 100" kaum vor. Aber unter ihnen sind immerhin gleich zwei Deutsche: die Medienkünstlerin Hito Steyerl auf Platz 18 - vor drei Jahren war sie sogar die Nummer eins - und der Fotokünstler Wolfgang Tillmans auf Rang 23.

Die große Überraschung aber ist die Medienkunstsammlerin Julia Stoschek: Sie schafft es erstmals in das Ranking und landet auf Platz 33. Ein Grund dürfte sein, dass sie den afroamerikanischen Videokünstler Arthur Jafa ausgestellt hat, der auf Platz sechs katapultiert wurde.

Drei People of Color erzählen von ihren Erfahrungen mit Rassismus. Gespräche werden verdreht oder sie werden stereotypisiert, Rassismus werde in der Öffentlichkeit direkter.

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