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Ehemalige KZ-Sekretärin - NS-Prozess: Flüchtige 96-Jährige gefasst

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Einer 96-jährigen ehemaligen KZ-Sekretärin wird Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen vorgeworfen. Der Prozess konnte vorerst nicht starten - sie war flüchtig.

Archiv: Besucher am 19.10.2015 im ehemaligen Konzentrationslager Stutthof.
Das Konzentrationslager Stutthof brachte etwa 65.000 Menschen den Tod
Quelle: dpa

76 Jahre nach Kriegsende sollte sich das Landgericht Itzehoe ab heute mit den Nazi-Verbrechen im KZ Stutthof befassen. Angeklagt ist eine ehemalige Sekretärin wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen. Doch der Prozess musste auf den 19. Oktober vertagt werden - die 96-jährige Irmgard F. war zwischenzeitlich flüchtig.

Am Mittag bestätigte eine Sprecherin des Itzehoer Landgerichts, dass die Angeklagte inzwischen gefasst sei. Die Polizei führe die 96-Jährige dem Gericht vor. Die Angeklagte sollte im Tagesverlauf der Strafkammer vorgeführt werden. Ein Arzt sollte die Hafttauglichkeit der Frau prüfen. Danach wollte die Kammer entscheiden, ob die Haft vollstreckt oder die 96-Jährige verschont wird.

Vor Prozessbeginn per Taxi das Altenheim verlassen

Die Angeklagte hatte sehr früh morgens mit einem Taxi das Altenheim in Quickborn verlassen, wie das Gericht kurz nach dem geplanten Verhandlungsbeginn mitteilte. Es wurde Haftbefehl erlassen. Fahrziel sei eine U-Bahn-Station in Norderstedt am Hamburger Stadtrand gewesen, so die Sprecherin. Wo die Frau dann gefasst wurde, ist nicht bekannt.

Das Internationale Auschwitz-Komitee äußerte sich empört:

Darin zeigt sich eine unglaubliche Verachtung des Rechtsstaats und auch der Überlebenden.
Christoph Heubner, Internationales Auschwitz-Komitee

Das Komitee vertritt KZ-Überlebende und deren Angehörige.

Irmgard F. arbeitete von Juni 1943 bis April 1945 in der Kommandantur des deutschen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig. Ihr wird zur Last gelegt, als Stenotypistin und Schreibkraft den Verantwortlichen des Lagers bei der systematischen Tötung von Gefangenen Hilfe geleistet zu haben.

Stutthof-Wachmann zu Bewährungsstrafe verurteilt

Im KZ Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen zu Kriegsende starben nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralstelle in Ludwigsburg etwa 65.000 Menschen.

Im Juli 2020 hatte das Landgericht Hamburg einen ehemaligen Wachmann in Stutthof zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sprach den 93-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen schuldig - mindestens so viele Gefangene wurden nach Überzeugung der Strafkammer während der Dienstzeit des Angeklagten 1944/45 in Stutthof ermordet.

Sie überlebte den Holocaust und setzte sich mit aller Kraft gegen Antisemitismus ein. Esther Bejarano war ein Geschenk. Für alle, die sie kennenlernen durften. Ein Nachruf.

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96-Jährige soll vor Jugendkammer

Die meisten Opfer starben in Folge der lebensfeindlichen Bedingungen im sogenannten Judenlager von Stutthof. Mindestens 200 wurden in der Gaskammer und einem verschlossenen Eisenbahnwaggon mit Zyklon B umgebracht. 30 wurden in einer geheimen Genickschussanlage im Krematorium des Lagers getötet.

"Sie haben diesem Sterben zugesehen damals und es bewacht", hatte die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring in der Urteilsbegründung gesagt. Der Angeklagte Bruno D. hatte nach eigenen Angaben mit einem Gewehr auf den Wachtürmen Dienst geleistet.

Wie der Prozess gegen D. soll auch das Verfahren gegen F. vor einer Jugendkammer stattfinden, weil die Angeklagte zur Tatzeit erst 18 beziehungsweise 19 Jahre alt war. Die Strafkammer hat insgesamt 27 Verhandlungstermine bis Anfang Juni nächsten Jahres angesetzt.

Der Zeuge Peter Loth aus Florida.

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