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Qual für Tiere, Gefahr für Menschen

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Putenmast im Fokus - Qual für Tiere, Gefahr für Menschen

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Seit Jahren sinkt der Fleischkonsum in Deutschland. Doch bei der preiswerten Pute greifen viele gerne zu. Oft ist das keine gute Entscheidung, weder für Tiere noch für Verbraucher.

Seit einigen Jahren sinkt in Deutschland insgesamt der Fleischkonsum. Einzig der Absatz von Putenfleisch steigt weiter an. ZDFzoom fragt, ob das gute Image des Produkts gerechtfertigt ist.

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Im Schnitt isst ein Deutscher sechs Kilo Pute im Jahr, weltweit konsumieren nur die US-Amerikaner und Franzosen noch mehr. Dazu trägt vor allem der niedrige Preis bei. Putenfleisch ist billig, weil das Geflügel in drastischer Weise für die modernen Konsumbedürfnisse zurechtgezüchtet worden ist.

In kurzer Zeit viel Fleisch angesetzt

In 22 Wochen Lebenszeit schafft es eine männliche Pute, die in einem konventionellem Betrieb gemästet wurde, auf ein Schlachtgewicht von 24 Kilogramm. Etwa fünf große Tiere teilen sich dabei zwei Quadratmeter Stallfläche.

Die Tiere leiden oft unter kupierten Schnäbeln und Fehlstellungen der Beine. Eigentlich ist das Kürzen der Schnäbel im Tierschutzgesetz als Amputation verboten. Allerdings werden Sondergenehmigungen routinemäßig erteilt, damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen.

Veterinärin Miriam Goldschalt vom Deutschen Tierschutzbund sieht den Gesetzgeber in der Pflicht: "Es gibt keine rechtlich bindenden, gesetzlichen Vorschriften für die spezielle Putenhaltung. Das Einzige, was existiert, ist eine freiwillige Vereinbarung, die sogenannten bundeseinheitlichen Eckwerte für die konventionelle Putenhaltung. (…) Wir würden uns wünschen, dass man nicht die Tiere an das Haltungssystem anpasst, sondern das System an die Bedürfnisse der Puten."

Antibiotikaresistente Keime im Putenfleisch

Dieses System verursacht Probleme – auch für den Verbraucher: In einer Stichprobe von ZDFzoom waren in deutschen Supermärkten und Discountern Anfang 2020 fast zwei Drittel der konventionellen und immerhin noch ein Viertel der Bio-Putenfleischproben mit antibiotika-resistenten Keimen belastet.

Im Video: Wie Tiermast die Medizin beeinflusst

Pest und Cholera haben einst ganze Landstriche verwüstet. Heute halten Antibiotika gefährliche Keime in Schach. Doch gegen immer mehr Krankheitserreger sind Medikamente machtlos.

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Professorin Katarina Schaufler von der Uni Greifswald hat 63 Putenfleischproben auf resistente Keime untersucht. Erschreckend auch in diesem Fall: Mehr als ein Drittel aller Proben war mit Keimen belastet, die auch gegen sogenannte Reserveantibiotika resistent sind – Medikamente, die eigentlich schwerstkranken Menschen vorbehalten sein sollten.

Gefahr für Covid19-Patienten

Gerade in der Corona-Krise eine bedrohliche Situation: Denn fast alle Covid19-Patienten in Krankenhäusern leiden an bakteriellen Superinfektionen und werden mit Antibiotika behandelt. Sie sind darauf angewiesen, dass Antibiotika ihnen helfen. Für Intensivpatienten sind resistente Keime immer eine große Gefahr – in der Corona-Pandemie gilt das besonders.

Im Video: Welche Ansätze die Medizin gegen das Corona-Virus verfolgt

In den USA, China und Deutschland sind erste klinische Tests von Impfstoff-Kandidaten gegen das neuartige Coronavirus angelaufen. Es gibt mehrere Methoden, solche Impfstoffe zu entwickeln. Ein Grafikvideo zu den verschiedenen Ansätzen.

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Laut Monitoring der Bundesregierung werden in der Putenmast besonders großflächig Antibiotika eingesetzt: Die hochgezüchteten Fleischlieferanten neigen zu Darmproblemen und Durchfall. "Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ist definitiv ein wichtiger Grund für die Entstehung von antibiotikaresistenten Keimen. Wahrscheinlich einer der Hauptgründe", erklärt die Mikrobiologin Katarina Schaufler dazu.

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