Presse zum Tod der Queen: Briten verlieren "einende Kraft"

    Internationale Pressestimmen :Großbritannien verliert "einende Kraft"

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    Überall wird um Elizabeth II. getrauert, zugleich schaut die Welt gespannt auf den neuen König Charles III. und die Zukunft Großbritanniens. Ein Blick in die internationale Presse.

    Zeitungstitel der britischen Presse zum Tod von Queen Elizabeth II.
    Der Tod von Queen Elizabeth II. bewegt die Welt.
    Quelle: ap

    Nach über 70 Jahren auf dem britischen Thron ist Queen Elizabeth II. im Alter von 96 Jahren gestorben. Die Anteilnahme weltweit ist groß. Aber auch die Neugierde: Wie geht es mit dem britischen Königshaus weiter? Viele sehen eine schwierige Zeit auf die Monarchie und das Land zukommen.

    "The Telegraph": Eine ganze Nation trauert

    Die britische Zeitung "The Telegraph" schreibt über den Tod der Queen:

    Der Einfluss, den sie in ihrem ererbten Amt als Staatsoberhaupt ausübte, beruhte auf einer tief verwurzelten Zuneigung des Volkes, von der ein Politiker nur träumen kann.

    "The Telegraph"

    "Wir sollten auch nicht vergessen, dass nicht nur das Vereinigte Königreich eine Monarchin verloren hat", so die Zeitung. "Sondern auch Australien, Kanada, Neuseeland und elf weitere überseeische Gebiete, die die Königin als Staatsoberhaupt behalten haben."

    Werden sie ohne sie dem Druck widerstehen können, Republiken zu werden?

    "The Telegraph"

    Das Leben der Königin sei nicht ohne Wechselfälle gewesen. Sie habe sich mit Schwierigkeiten konfrontiert gesehen, die alle Familien heimsuchten, heißt es im "The Telegraph". "Trotz der Erhabenheit ihrer Position war sie den enttäuschenden Aspekten des Lebens genauso ausgesetzt wie wir alle."

    Als Nation trauern wir alle gemeinsam um sie. Das zweite Zeitalter einer Königin Elizabeth ist zu Ende. Lang lebe König Charles III.

    "The Telegraph"

    "Washington Post": Königin war einende Kraft

    Über die Rolle und Bedeutung von Elizabeth II. schreibt die "Washington Post":

    Stetig wie ihr allgegenwärtiges Profil auf Briefmarken und Münzen verkörperte die Königin die britische Selbstbeherrschung.

    "Washington Post"

    Während andere in der königlichen Familie sich lautstark zu ihren Privatleben und Meinungen geäußert hätten - auch zu Regierungsangelegenheiten - habe die Queen immer der Pflicht den Vorrang vor persönlichen und familiären Interessen gegeben, schreibt die Zeitung weiter.

    Ihr Engagement für den Dienst am Volk war lobenswert - umso mehr für die Dauer ihrer Regentschaft und die Führung, die sie in spaltenden Zeiten anbot.

    "Washington Post"

    "Die Beliebtheit und Langlebigkeit der Queen haben als einende Kraft gewirkt, selbst nachdem der Brexit Großbritanniens Bindung an Europa gelöst hat und sich auch die Bande gelockert haben, die die einzelnen Länder des Vereinigten Königreichs zusammenhalten." Die Monarchie und Großbritannien könnten sich ohne die Queen dramatisch verändern, schreibt die "Washington Post".

    "Sydney Morning Herald": Hammerschlag für britische Psyche

    Es sei der Tag gewesen, vor dem sich die Briten so lange gefürchtet hatten, schreibt die australische Zeitung "Sydney Morning Herald".

    Die Nation hat ihre größte Stärke verloren - den Kitt, der die Union so lange zusammengehalten hat - während diese versucht, ihren Platz in der Welt für die kommenden Jahrzehnte zu definieren.

    "Sydney Morning Herald"

    Die Queen sei die "die größte Vertreterin von Soft Power" gewesen, so die australische Zeitung. Für viele sei die Monarchin und die Monarchie unteilbar geworden. "Es ist ein Hammerschlag für die britische Psyche", heißt es weiter. "Die Nation in ihrem gegenwärtigen Zustand wird große Probleme haben, um ihren Verlust zu verkraften."

    "La Repubblica": Queen-Tod könnte Monarchie schwächen

    In Rom schreibt "La Repubblica" über die Zukunft des britischen Königshauses: "Theoretisch wird ein neuer König das Volk anführen, eine alte, barsche und leidenschaftslose Gestalt, die - und das ist wichtig - von einer neuen Königin, der Ex-Konkubine Camilla, begleitet wird, deren Beförderung von einem Volk, das so sehr Diana an der Seite von Charles bevorzugt hätte, nicht allumfassend akzeptiert wurde."

    Die Monarchie wird vielleicht den Tod Elizabeths überleben, aber in einer anderen und mit ziemlicher Sicherheit geschwächten Form, nämlich wegen der Unzulänglichkeit Charles'.

    "La Repubblica"

    "Aber auch aufgrund der Tatsache, dass der Tod seiner Mutter vielen die Daseinsberechtigung der Institution entziehen wird."

    "El Mundo": Charles muss Queen-Beispiel folgen

    Die spanische Zeitung "El Mundo" schreibt über Charles:

    Hoffen wir, dass das Beispiel seiner Mutter ihm dabei helfen wird, das Vereinigte Königreich in diesem stürmischen 21. Jahrhundert mit der gleichen Gewissheit und Sicherheit zu führen.

    "El Mundo"

    "Schließlich ist das die Aufgabe der Monarchie in unserer Zeit: Sie soll eine institutionelle Sicherheit bieten, die vom ungewissen Auf und Ab der Geschichte unberührt bleibt."

    "De Standaart": Trauer weltweit groß

    "Queen Elizabeth wurde Königin, als Winston Churchill, Harry Truman und Josph Stalin die Welt regierten und ihr Land noch ein globales Imperium war, das große Teile Afrikas beherrschte", würdigt die belgische Zeitung "De Standaart" die verstorbene britische Königin.

    Auch viele Nicht-Briten werden zugeben, dass sie sich regelmäßig von der Aura einer Königin mitreißen ließen, die selbst von Netflix als ein Weltstar betrachtet wurde.

    "De Standaart"

    Quelle: dpa

    Queen Elizabeth II. ist tot