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Jan Wörner - Esa-Abschied "fühlt sich nicht gut an"

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Jan Wörner stand seit 2015 an der Spitze der Weltraumorganisation Esa in Paris. Jetzt räumt er den Chefsessel. Wörner habe viel bewegt, sagt der deutsche Astronaut Alexander Gerst.

Archiv: Der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Johann-Dietrich Wörner, spricht während eines Briefings auf der 53. internationalen Paris Air Show.
Jan Wörner trat seinen Posten als Generaldirektor der Esa 2015 an.
Quelle: imago

Von Paris aus managt der Chef der europäischen Weltraumorganisation Esa Raketenprogramme oder Satellitenmissionen. Und diesen Job hat Jan Wörner wirklich gerne gemacht. An diesem Sonntag räumt er seinen Posten, aber das fällt ihm nicht leicht. "Es fühlt sich nicht gut an", sagt Wörner. Den Ruhestand ersehne er sich noch lange nicht.

Wörners großes Vermächtnis: "Moon Village"

Sein wohl wichtigstes Vermächtnis ist das "Moon Village". Wörner hatte mit der Vision einer Art gemeinsamen Basis auf dem Mond international geworben. Und dieser dauerhafte Außenposten ist mit dem US-Artemis-Mondprogramm, an dem die Europäer beteiligt sind, keine bloße Vision mehr.

Bisher gab es noch keine deutsche Astronautin. Sie will die erste werden, allerdings mit einer privaten Initiative statt mit der ESA: Astrophysikerin Dr. Suzanna Randall.

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"Ich bin zur Esa gekommen, mit dem Gefühl, jetzt kann ich mal was für Europa tun", resümiert der Bauingenieur Wörner, der acht Jahre lang das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Köln geleitet hat. Ausgerechnet Europa bereitet ihm aber bei seinem Abschied die größten Bauchschmerzen.

Abschied des Esa-Chefs wirkt unfreiwillig

Der Abschied zum jetzigen Zeitpunkt wirkt auch etwas unfreiwillig. Wörner trat zwar nicht noch einmal für den Chef-Posten an, doch als die Wahl im Dezember auf den Österreicher Josef Aschbacher fiel, erklärte Wörner, er werde seine reguläre Amtszeit bis zum Sommer voll ausfüllen.

Dann machte er einen Rückzieher - Abgang doch schon Ende Februar. Aschbacher, der aktuell noch Esa-Direktor für Erdbeobachtung ist, sei bei allen internen Sitzungen dabei, so Wörner. Diese für alle nicht ganz einfache Situation habe er abkürzen wollen.

Zum Abschied kommt aber noch ein großes Lob des Astronauten Alexander Gerst: Wörner sei ein "sehr inspirierender Mensch" - er habe "vieles neu aufgerollt und damit bewegt, auch bei der Esa".

Ich habe es als sehr angenehm empfunden, mit ihm zu arbeiten und großen Respekt für das, was er für die europäische, aber auch für die deutsche Raumfahrt erreicht hat.
Alexander Gerst, Astronaut

Wörner über nationale Tendenzen in Europa besorgt

Wörner betrachtet mit Sorge nationale Tendenzen in Europa. Es gebe ein "Kräftemessen" - die Esa dürfe auf keinen Fall den europäischen Zusammenhalt verlieren, mahnt er.

480 Millionen Kilometer und fast sechs Monate später startete der Rover seine Forschungsmission auf dem Mars. Bilder von großer Bedeutung für die Raumfahrt.

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Europa ist auch ein Thema, dass sich der 58-jährige Aschbacher vornehmen möchte. Wie kann sich Europa besser mit anderen Ländern oder Kontinenten in den Wettbewerb stellen? Diese Debatte sei zu führen, sagt er. Europa investiere im Verhältnis zu seiner politischen und wirtschaftlichen Position sehr viel weniger in die Raumfahrt als etwa die USA.

Privatfirmen machen Europas Raumfahrt Konkurrenz

Vor allem private US-Unternehmen wie SpaceX des Milliardärs Elon Musk machen der europäischen Raumfahrt massive Konkurrenz. Europa sei gerade im Raketenbereich ins "Hintertreffen" geraten. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa habe private Unternehmen sehr gefördert. Anders in Europa - zumindest nicht in dem Ausmaß.

Und der Druck, im Bereich des "New Space" schneller zu sein, ist groß. Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU) sagt:

Ich glaube, dass die europäische Raumfahrt jetzt an einem Scheidepunkt ist, weil die Raumfahrt insgesamt dabei ist, sich komplett neu zu erfinden.
Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Raumfahrt

Früher sei die Raumfahrt eher Manufakturarbeit gewesen. "Jetzt ist die Raumfahrt dabei, eine echte Industrie zu werden."

Wer schon immer mal ins All wollte, kann sich bei der europäischen Raumfahrtagentur bewerben. Denn zum ersten Mal seit elf Jahren sucht die ESA neue Astronautinnen und Astronauten.

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Jarzombek fordert eine "hemdsärmeligere Mentalität". Entscheidend sei etwa, dass Privatfirmen auch staatliche Aufträge bekämen - mit fairen Bedingungen. Die Esa dürfe die Dinos der Branche nicht einseitig schützen, sagt Jarzombek mit Blick auf das Sorgenkind Ariane 6. Nicht alle seien davon überzeugt, dass der mehrfach verschobene Start nur an Corona liege.

Wie geht es weiter mit den Ariane-Raketen?

Die Ariane 6 sei zwar um einiges günstiger als ihr Vorgängermodell, die Ariane 5, sagt Aschbacher. Sie könne aber trotzdem nicht die gleichen Preise anbieten wie etwa eine Falcon 9 von SpaceX. Aus technologischer Sicht sei sie aber einwandfrei. Die Rakete wird ihn in seiner Amtszeit sehr beschäftigen. Zum einen muss sie endlich abheben - der Start ist nun für 2022 geplant. Doch was passiert nach Ariane 6?

Für den Leiter des Instituts für Raumfahrtsysteme in Stuttgart, Stefanos Fasoulas, ist die Ariane 6 weiter wichtig. "Das Hauptargument der Ariane-Raketen ist Europas autonomer Zugang zum Weltraum."

Archiv: Johann-Dietrich Wörner am 22.12.2018 in Köln

Esa-Chef Wörner tritt ab - "Es gäbe noch viel zu tun"  

Johann-Dietrich Wörner gibt seinen Chef-Posten bei der Europäischen Weltraumorganisation ab. In den Jahren bei der Esa musste er immer wieder gegen nationale Interessen ankämpfen.

von Anna Kleiser und Susanne Gindorf-Litz
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