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Der Informant, der auspackte

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Terrorpläne der "Gruppe S." - Der Informant, der auspackte

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Die Polizei konnte die mutmaßliche rechte Terrorgruppe rechtzeitig stoppen, weil ein Polizeiinformant aus dem Inneren der Gruppe über die Anschlagspläne berichtete.

Die Terrorverdächtigen Werner S. ("Teutonico") und Tony E. planten "bürgerkriegsähnliche Zustände". Mehr im Video.

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5 min
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Im Oktober 2019 kontrolliert die Polizei im Heidelberger Bahnhof einen untersetzen Mann. Er führt eine schussbereite Gaspistole samt Munition mit sich, für die er keine Waffenerlaubnis vorweisen kann. Der Mann, der in diesem Artikel nur "der Informant" genannt wird, muss die Waffe abgeben und kann nach Berlin weiterreisen.

Terroranschläge gegen Muslime geplant

Dort trifft er am nächsten Tag eine Gruppe von Rechtsextremisten, mit denen er Terroranschläge gegen Muslime planen soll - so steht es in den Ermittlungsakten: "Durch die Angriffe auf besetzte muslimische Gotteshäuser versprechen sich die Beschuldigten, bürgerkriegsähnliche Zustände in der Bundesrepublik Deutschland herbeizuführen".

Screenshot aus Video: Die Terrorverdächtigen Werner S. („Teutonico“) und Tony E. bei einem Treffen des „Freikorps Heimatschutz“
Planten "bürgerkriegsähnliche Zustände": Die Terrorverdächtigen Werner S. („Teutonico“) und Tony E. bei einem Treffen des „Freikorps Heimatschutz“ (Screenshot aus Video).
Quelle: privat

Mehr zu der mutmaßlich rechten Terrorzelle im Video:

Nach den Razzien haben Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehle gegen zwölf Mitglieder und Unterstützer der mutmaßlichen rechten Terrorzelle erlassen. "Es wurden umfangreiche Waffenbeständen beschlagnahmt", so Felix Zimmermann (ZDF-Redaktion …

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2 min
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Was die rechten Verschwörer nicht ahnen: Der Mann mit der Gaspistole hat sich im Herbst 2019 der Polizei anvertraut und berichtet dem baden-württembergischen Landeskriminalamt über die Umsturzpläne der "Gruppe S."

Sollte weitere Rechtsextremisten rekrutieren

Wenige Tage zuvor, am 28. und 29. September,  hatten sich die Männer im baden-württembergischen Alfdorf getroffen. Der Informant posierte bei der Zusammenkunft an der alten Sägemühle mit einem langen Messer, wie die Ermittler später schreiben. Er soll den Auftrag bekommen haben, weitere Rechtsextremisten für die Terrorpläne zu rekrutieren.

Der Mann hat bereits Kontakte zu einer "Bruderschaft Deutschland", einer gewaltbereiten Hooligangruppe. Dort wirbt er mit der Radikalität des Anführers seiner Terrortruppe. Werner S. sei "der mit der Sprengweste", soll der Informant laut Ermittlungsakten am Telefon gesagt haben.

Screenshot aus Video: Polizei-Informant in der mutmaßlichen Terrorgruppe
Er verriet die "Umsturzpläne": Der Polizei-Informant in der mutmaßlichen Terrorgruppe (Screenshot aus Video).
Quelle: WDR

Der Informant hat vor seiner Zeit in der "Gruppe S." lange in Gefängnissen und im Maßregelvollzug verbracht – über 20 Jahre hinter Gittern. Als junger Mann wurde er wegen räuberischer Erpressung und der Geiselnahme eines Polizisten zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

"Zack ins Lager! Und Tschüss!"

Auch im Gefängnis fiel er als gewalttätig auf. Nachdem er im Alter von 45 Jahren im Frühjahr 2017 endlich freikam, muss er sich radikalisiert und Sympathien für rechtsextremes Gedankengut entwickelt haben.

Ende Oktober 2019 schreibt der Informant in einem Chat mit Mitgliedern der mutmaßlichen Terrorgruppe: "Ich kann nicht jeden Nigger killen, den ich seh! Würde es gern, aber das kommt noch." Über Muslime, die potenziellen Mordopfer der "Gruppe S." schreibt er: "Zack ins Lager! Und Tschüss!"

Mehr zu rechtem Terror in Deutschland im Video:

Der Schock sitzt tief. Die Sicherheitsbehörden haben eine mutmaßlich rechte Terrorzelle aufgedeckt. Zwölf Mitglieder und Unterstützer sitzen in Haft. Ihr Plan: Anschläge auf Muslime, Flüchtlinge und Politiker. Ihr Ziel: Bürgerkrieg in …

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45 min
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Doch während er sich mit den anderen mutmaßlichen Rechtsterroristen trifft, hält er zugleich zu einem LKA-Beamten Kontakt und informiert die Polizei über das Vorgehen der rechten Truppe. Sie sammeln Geld für Waffen, Anführer S. will Selbstbauwaffen, so genannte Slam Guns, beschafft haben und bietet sie am Telefon den Gruppenmitgliedern an.

Großes Netzwerk der Rechtsextremen

Das Bild, das der Informant den Ermittlern von der "Gruppe S." vermittelt, ist beunruhigend: Die Männer stammen aus unterschiedlichen rechten Milieus und vernetzen sich über große Entfernungen - von Baden-Württemberg über Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen bis nach Sachsen-Anhalt. Es sind Restauratoren, Handwerker, Lageristen und Pflegdienstmitarbeiter im Alter zwischen 31 und 60 Jahren.

Einer von ihnen, der 50-jährige Thorsten W., ist Beamter bei der Polizei in Hamm und verfügt über einen Waffenschein, obwohl er sich seit Jahren auffällig verhält: er hisste Reichskriegsflaggen auf dem Balkon und trug zum Entsetzen seiner Kollegen Kleidung, wie sie auch Neonazis bevorzugen.

Mehr zu den Razzien in sechs Bundesländern im Video:

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3 min
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Obwohl der Informant für die Ermittler als fünftes Mitglied zum inneren Kreises der Terrorgruppe gehören soll, wird er als Einziger der Verdächtigen im Februar 2020 nicht festgenommen. Acht mutmaßliche Unterstützer müssen hingegen in Haft.

Überwachung der Gruppenmitglieder

Die Bundesanwaltschaft wirft den zwölf Inhaftierten vor, die "Gruppe S." gebildet zu haben, um die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung durch Anschläge gegen Politiker, Asylsuchende und Muslime zu erschüttern und zu überwinden.

Dank des Informanten konnten die Behörden die Gruppenmitglieder identifizieren, überwachen, Beweise über die geplanten Taten sammeln und sie rechtzeitig festnehmen. Unklar ist bislang, ob sich der vorbestrafte Mann den Behörden als Informant anbot oder ob er als Mitglied des inneren Kreises der "Gruppe S." angeworben wurde. Die Bundesanwaltschaft will sich zu Detailfragen zur "Gruppe S." nicht äußern.

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