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Kohlrabi statt Papaya

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Regional Einkaufen - Kohlrabi statt Papaya

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69 Prozent der Verbraucher in Deutschland wünschen sich mehr regional erzeugte Lebensmittel. Und Corona hat den Run auf heimische Produkte noch beschleunigt.

Plan B: Kohlrabi statt Papaya
Plan B: Kohlrabi statt Papaya
Quelle: ZDF/Utta Seidenspinner

Milchbauer Hans Möller kam durch seine Kunden ins Grübeln: "Die Leute haben immer gesagt, dass ihnen diese industrielle Tierhaltung nicht gefällt." Er stellte um auf Bio. Seither dürfen seine Kälber drei Monate lang bei ihren Müttern aufwachsen – und in dieser Zeit so viel Milch trinken, wie sie wollen. Milch, die Möller dann nicht verkaufen kann.

Mit privatem Engagement im alltäglichen Verhalten das Klimaziel zu erreichen?

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Großmolkereien und Supermarktketten drücken die Preise

Weniger Milch, besseres Futter, größerer Auslauf: Der Milchbauer kam bald buchstäblich nicht mehr auf seine Kosten. Nicht bei den niedrigen Weltmarktpreisen jedenfalls, auf die Großmolkereien und Supermarktketten die Bauern drücken.

"Es gibt ein paar große Player, die der Landwirtschaft vor- und nachgelagert sind. Die werden immer größer und reicher", sagt Hans Möller. Weil man sie einfach gewähren lasse.

Da müssen wir als Gesellschaft eingreifen und sagen: Diese Wirtschaftsform ist nicht mehr ok.
Hans Möller, Gründer Regionalwert AG Hamburg

Das Geld bleibt in der Region

Im Internet stieß er auf eine Idee aus Freiburg: Die sogenannte Regionalwert AG, die dort bereits 2006 gegründet wurde. Mithilfe von Bürgerkapital, Netzwerkarbeit und Know-how baut sie regionale Wertschöpfungsketten auf und sorgt dafür, dass das Geld in der Region bleibt – beim Anbau, bei der Verarbeitung und beim Verkauf. Motto: vom Acker bis zum Teller.

Möller gründete die Regionalwert AG Hamburg. Zunächst kaufte er mit gleichgesinnten Milchbauern eine kleine Molkerei. Seither entscheiden sie selber über die Preise für Milch, Joghurt und Butter und können von ihrer Arbeit leben.

Das Netzwerk in Hamburg hat 50 Partnerbetriebe

Inzwischen besteht das Netzwerk aus rund 50 Partnerbetrieben rund um Hamburg – darunter sind neben Bauern auch Gastronomen, Lebensmittelhändler, einem Packbetrieb, Fahrrad-Auslieferern, einem Nudelproduzenten, einer Brauerei und einer Fleischerei.

Sie nehmen sich gegenseitig ihre Erzeugnisse ab und verarbeiten sie weiter. Das macht sie unabhängiger von den Dumpingpreisen des Marktes.

Bürger sind Aktionäre

Stille Teilhaber sind die Bürger. Sie können sich über Aktien beteiligen, zu 500 Euro das Stück. Ulf Schönheim, Vorstand der Regionalwert AG Hamburg, erklärt das Geschäftsmodell so: "Wir sind nicht börsennotiert, wir geben sogenannte Namensaktien aus. Und die Aktien sind auch nicht frei weiterverkaufbar."

Das Geld werde dann in selbstständige Betriebe investiert. So würden die Aktionäre Miteigentümer des gesamten Netzwerks.

Für Fleisch werden viele Treibhausgase ausgestoßen.

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Jungen und innovativen Unternehmern, die bei den Banken keine Chance hätten, wird Startkapital gewährt. Inzwischen verfügt die Bürger-Aktiengesellschaft über 2,9 Millionen Euro Kapital.

Die Corona-Krise hat das System weiterentwickelt

Als Corona zuschlug, zeigte sich schnell der Vorteil regionaler Zusammenarbeit. Über Jahre gewachsenes Vertrauen führte schnell zu neuen Geschäftsideen. Als Milchbauer Hans Möller Großkunden wie Kindergärten und Kantinen wegbrachen, erfand er mit Partnern in der Regionalwert AG Lebensmittel-Abokisten.

Diese werden an die Haustür der Kunden geliefert. Enthalten sind auch Suppen, Gemüse, Nudeln oder Wurst. Allers wird individuell gepackt: für Single- oder Familienkisten, vegan, vegetarisch oder flexitarisch. Die Preise liegen zwischen 39 und 122 Euro. Aktionär Christian Oeser hat für seine junge Familie so eine Kiste abonniert.

Es geht nicht darum, alles schlecht zu machen, die Globalisierung zum Beispiel.
Christian Oeser, Aktionär Regionalwert AG Hamburg

Es gehe darum, "bei gewissen Produkten, gerade bei der Ernährung, auch darauf zu achten, dass man die Natur respektiert, dass man die Tierwelt respektiert, weil es für uns ein Ganzes ist." Das sei ein Nachhaltigkeitsgedanke, der seine Familie seit langem beschäftige. Durch die Krise sei er noch verstärkt worden.

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