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Wo sind die Strandburgen geblieben?

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Sandiges Vergnügen - Wo sind die Strandburgen geblieben?

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Mit der Schaufel das Revier am Strand abstecken - in den 70ern und 80ern waren Strandburgen oft das erste Projekt nach der Ankunft. Was ist daraus geworden?

Strandburg
Der Wall um den Strandkorb: Die Strandburg.
Quelle: imago

Früher gehörte es zum Strandurlaub dazu wie Sonnenbrand und Sand im Eis: Kaum war die Strandkorbmiete bezahlt, griffen die Väter zur Schaufel. Die nächste Zeit waren sie damit beschäftigt, um das Stranddomizil auf Zeit einen Wall aufzuschütten.

Die jüngeren Kinder gingen auf die Suche nach Strandgut, um damit auf die Strandburg den Namen der Heimatstadt, Seestern- oder Seehundmotive zu legen. Die älteren halfen beim Schaufeln. Abgerundet wurde das Bauwerk oftmals mit einer Fahne des Lieblingsfußballvereins oder der Heimatstadt.

"Die Strandburg. Ein versandetes Freizeitvergnügen"

Und heute? "Vorbei die Zeiten, als ungebändigter Schaffensdrang ausgedehnte Strandabschnitte an Nord- und Ostsee in Kraterlandschaften ähnlich der Mondoberfläche verwandeln durfte." So schreibt es der Kunsthistoriker Harald Kimpel bereits 1995 in dem Buch "Die Strandburg. Ein versandetes Freizeitvergnügen", das er gemeinsam mit Johanna Werckmeister verfasst hat.

Das Aufkommen der Strandburgen erklärt der Leiter des Historischen Archivs zum Tourismus an der Technischen Universität Berlin, Hasso Spode, mit dem veränderten Badeverhalten Ende des 19. Jahrhunderts. Die bürgerliche Familie dominierte die Badeorte. "Das heißt, die Väter waren mit", sagt Spode. "Und denen war stinklangweilig." Eine Möglichkeit, dem Nichtstun zu entgehen, war das Burgenbauen. "Bis in die 1960er-Jahre hinein war es üblich, so einen Wall um seinen Strandkorb oder Liege zu ziehen", sagt Spode.

70er und 80er: Sandwälle als Sichtschutz

Doch auch wer in den 70er- und 80er-Jahren seinen Urlaub am Strand verbracht hat, hat oftmals noch zur Schaufel gegriffen und einen Wall gezogen - als Wind- und Sichtschutz und zum Abstecken des für die Zeit des Urlaubs beanspruchten Territoriums.

Das Bauen von Strandburgen, dieser Ringwälle, sei ein typisch deutsches Phänomen, sagt Kimpel. "Wenn man irgendwo auf der Welt eine Strandburg sieht, kann man sicher sein, Deutsche darin zu finden."

Mädchen baut eine Sandburg
Kreativ und nah am Ufer - die Sandburg.
Quelle: imago

Der Unterschied zwischen Sandburgen und Strandburgen

Anders verhält es sich mit Sandburgen und -figuren, die - von Kindern (und ihren Eltern) nahe am Wasser gebaut werden. Für Kimpel sind diese Sandburgen etwas ganz anderes als Strandburgen. Das kreative Bauen von Sandburgen sei eine natürliche Reaktion auf dieses formbare, knetbare Material. Da gebe es durchaus ernstzunehmende, künstlerische Ambitionen, sagt Kimpel. Das zeigen auch Sandskulpturenfestivals auf der ganzen Welt.

Sandburg am Strand
Sandburgen zeichnen sich durch ihre künstlerischen Details aus.
Quelle: imago

Dass das Strandburgenbauen "ein versandetes Freizeitvergnügen" sei, habe mit vielen Gründen zu tun, sagt der Kunsthistoriker. Auf Sylt sei es beispielsweise aus Küstenschutzgründen verboten. Auch kommerzielle Aspekte spielten bei Einschränkungen eine Rolle: "Weil dann die Strandbelegung vielleicht nicht mehr so dicht sein kann, wie man es aus wirtschaftlichen Gründen vielleicht gerne hätte." Vielleicht erlebt die Strandburg in diesem Corona-Sommer aber eine Mini-Renaissance: als sandiger Abstandshalter zum Nachbarn am Strand.

Streaming-Tipp: Lust auf Strandurlaub bekommen? Es muss nicht immer das Mittelmeer, die Nord- oder Ostsee sein. Regelrechtes Karibik-Feeling gibt es auch in der Lausitz:

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27 min
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