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FAQ

Die Ordnung Gottes - Was ist die Scharia?

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In ersten Stellungnahmen sagten die Taliban, Frauen dürften am öffentlichen Leben teilnehmen. Sie schränkten aber ein, das müsse im Einklang mit der Scharia sein. Was heißt das?

Ein Mann hält den aufgeschlagenen Koran in den Händen.
Die Scharia basiert in erster Linie auf dem Koran.
Quelle: Reuters

Was bedeutet Scharia wortwörtlich?

Mit "Scharia" wird das islamische Rechtssystem bezeichnet, das die Beziehung zu Gott und den Menschen untereinander regelt. Wörtlich übersetzt bedeutet Scharia "Weg zur Wasserquelle". Im übertragenen Sinn hat es die Bedeutung "religiöses Gesetz".

Die Scharia versucht, was Gott in seiner verklausulierten Sprache versucht hat, den Menschen zu sagen. Es gibt nicht "die" Scharia. Daher kann man eigentlich alles mit der Scharia begründen. Mittlerweile hat sich jedoch eine Mehrheitsmeinung etabliert.

Ist die Scharia mit dem deutschen Rechtssystem vergleichbar?

Die Scharia selbst ist keine Gesetzessammlung im Sinne eines Kodexes für gesetzliche Normen. Sie ist als Rahmen für die Rechtsschöpfung zu verstehen. Als komplexes Rechtssystem mit Vorschriften und Traditionen entwickelt es sich laufend weiter.

Basis für diese Weiterentwicklung sind unter anderem der Konsens, der unter Gelehrten gefunden wird, der Analogieschluss und andere Methoden. Die Rechtswissenschaft, die sich mit der Scharia befasst, wird im Arabischen mit "Figh" bezeichnet.

Worauf bezieht sich die Scharia?

In erster Linie basiert die Scharia auf dem Koran. In diesem hat Gott sein Gesetz offenbart. In zweiter Linie wird auch auf die "Sunna" zurückgegriffen. Darunter sind Bräuche und überlieferte Normen zu verstehen. Die Überlieferungen gehen auf den islamischen Propheten Mohammed zurück. Sie sind in den "Hadithen" gesammelt. Diese beiden Quellen bilden die wichtigsten Richtlinien für die islamische Rechtswissenschaft und Rechtsgebung.

Die Taliban haben die Macht übernommen - Afghaninnen fürchten sich nun um ihr Leben. ZDF-Reporterin Julia Held, die Frauen in Afghanistan begleitet hat, zur Situation vor Ort.

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2 min
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Gibt es einen Leitgedanken?

In vielen Rechtsfragen lassen die islamischen Rechtsquellen den Rechtsgelehrten recht viel Spielraum für Interpretation. Oft ist im Einzelfall die Gesetzeslage unklar. Für eine Klärung kann sich der Gläubige oder der Jurist an Rechtsgelehrte - sogenannte Muftis - wenden, die ein Rechtsgutachten, eine sogenannte "Fatwa" aussprechen. Das Gutachten wird auf Basis der Rechtsquellen, die in der jeweiligen Rechtsschule Geltung haben, erstellt.

Im sunnitischen Mehrheitsislam ist die Fatwa beispielsweise nicht verbindlich. Nur bei den Schiiten gilt diese als unbedingt bindend – man kann jedoch wählen, welchem Rechtsgelehrten man folgt. Dessen Urteile sind dann bindend. Ein Wechsel ist aber möglich. Heutzutage kann man seine Fragen auch bei zahlreichen Online-Fatwa-Services stellen. Aufgrund der unterschiedlichen Zugänge der verschiedenen Rechtsschulen können sich Fatwas zu ein und derselben Frage im Extremfall auch widersprechen.

Die Rechtsschulen

Es haben sich bei den Sunniten vier orthodoxe Rechtsschulen - Madhahib genannt - im Laufe der islamischen Geschichte herausgebildet. Sie unterscheiden sich im Verfahren zur Rechtsfindung sowie darin, welche Rechtsquellen sie als zulässig ansehen. Die vier sunnitischen Rechtsschulen erkennen sich gegenseitig an.

Die wichtigste schiitische Rechtsschule heißt Dschafariya. Sie geht auf Abu Abd Allah Dschafar, einen direkten Nachfahren des islamischen Propheten, (gestorben 765 n. Chr.) zurück.

Gibt es wirklich die drakonische Strafen und sind diese durch den Koran gedeckt?

Die Härte der Strafen kommt über die Auslegung. Je nach Rechtsschule und Rechtsauslegung variiert diese. Der Koran selbst kennt nur fünf Strafen (Hadd Strafen). So steht auf Raub der Tod, bei Diebstahl kann die Hand abhackt werden und Unzucht kann mit Peitschenhieben oder Steinigung bestraft werden. Verleumdung wegen Unzucht und Weinkonsum werden ebenfalls mit Stockschlägen oder Peitschenhieben bestraft. Alle weiteren Strafen leiten sich aus den Hadithen oder der Rechtstradition ab und sind daher Auslegungssache.

Die Mehrheit der islamischen Länder verhängt die genannten drakonischen Strafen aber nicht. Strafrechtlich hat die Scharia dort keine Relevanz. Ausnahme ist beispielsweise Saudi-Arabien. In vielen islamischen Ländern ist die Scharia die Grundlage für das Familien- und Erbrecht, so z.B. in Ägypten.

Die Taliban sind selbsternannte Gotteskrieger, die eine religiös motivierte Form des politischen Extremismus verfolgen. In Afghanistan verbreiten sie Angst.

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