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Pilot erinnert sich - Winter '78/79: Der Retter aus der Luft

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Kein Vergleich zum aktuellen Winter: Vor 40 Jahren versank Norddeutschland im Schnee. Retter halfen aus der Luft. Ein Hubschrauberpilot erinnert sich.

Die sowjetische Armee hilft, die Landstraße bei Lebbin von Meterhohen Schneeverwehungen zu befreien am 03.01.1979. Archivbild.
Meterhohe Schneeverwehungen blockieren die Landstraße bei Lebbin im Winter 1978/79 (Archivbild).
Quelle: dpa/Benno Bartocha

Der Norden erlebt eisige Kälte und teilweise ungewöhnlich viel Schnee. Doch letztendlich ist der aktuelle Winter kaum vergleichbar mit der Schneekatastrophe vor 40 Jahren, die besonders den Norden Deutschlands hart traf.

Schneekatastrophe auch heute noch in den Köpfen der Menschen präsent

Durch haushohe Verwehungen waren im Winter 1978/79 viele Dörfer von der Umwelt abgeschnitten. In Schleswig-Holstein starben sechs Menschen, Hunderte Tiere verendeten. Die Erinnerung daran bleibt bis heute, sagt Miriam Hoffmann, Leiterin des Kreismuseums Itzehoe: "Die Schneekatastrophe hat sich in das kollektive Gedächtnis der Schleswig-Holsteiner eingebrannt".

Die Schneekatastrophe '78/79 - ein Rückblick:

Rügen wurde komplett eingeschneit.

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Daran erinnert sich auch der damalige Bundeswehrpilot Ulrich Cramer. In jenem Winter war der heute 75-Jährige mit seinem Hubschrauber vor allem im östlichen Schleswig-Holstein im Raum Angeln für die Eingeschneiten der Retter aus der Luft. "Wir sind relativ viele Einsätze geflogen", sagt er.

Damals gab es zu viel Schnee an zu vielen Stellen.
Ulrich Cramer, ehemaliger Bundeswehrpilot

Unpassierbare Straßen, Meterhohe Schneeverwehungen, abgeschnittene Dörfer

Von Hilfe konnten damals auf Rügen die Menschen, darunter rund 3.000 Urlauber, nur träumen. Eine Woche lang ruhte das öffentliche Leben.
Straßen waren unpassierbar, rund 40 Dörfer nicht mehr erreichbar, unter den Schneemassen brachen Telefon- und Stromleitungen zusammen. Schneeverwehungen erreichten Höhen von bis zu sieben Metern.

Hilfe kam erst spät: Es dauerte eine Woche, bis Panzer auf die Insel kamen und den Menschen in ihrer Not halfen.

Cramer gehörte von 1969 bis 1994 zum Marinefliegergeschwader 5 Kiel-Holtenau. "Wir hatten gerade die Sea-King-Hubschrauber bekommen: Für den Seenotrettungsbereich das Beste, was man damals haben konnte. Natürlich mit dem großen Nachteil, dass er sehr groß ist." Mit einer Länge von über 22 Metern und knapp 18 Metern Rotordurchmesser passte er nicht auf jeden Landeplatz.

Eisige Temperaturen herrschen in Deutschland. Obwohl im Hochwinter Kälte nichts ungewöhnliches sind, so sind die tiefen Temperaturen und die Schwankungen in diesem Februar doch ungewöhnlich. Forscher sehen einen Grund in der Verschiebung des Polarwirbels.

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Bundeswehrpilot Cramer versorgt Menschen aus der Luft

Die Größe sei aber bei den Einsätzen während der Schneekatastrophe vor 40 Jahren kein Problem gewesen. Die Bundeswehr-Hubschrauber warfen Futtersäcke über Bauernhöfen ab, brachten Windeln für Babys, Medikamente und Lebensmittel. Kranke, Schwangere, und Dialyse-Patienten wurden in Krankenhäuser geflogen.

Mit unserem Funk konnten wir auch die Meldungen der Feuerwehr und der Polizei hören.
Ulrich Cramer, ehemaliger Bundeswehrpilot

Weg zu Hubschraubern konnte nur mühsam freigeräumt werden

Wenn Schneewehen Straßen blockierten, kamen die Hubschrauber zum Einsatz. Cramers Einsatzgebiet war der Großraum Geltinger Bucht.

Die Ortsfeuerwehren mussten dann richtig hart arbeiten. Sie mussten den Weg zum Hubschrauber frei räumen und die Patienten an die Landeplätze bringen.
Ulrich Cramer, ehemaliger Bundeswehrpilot

"Manchmal kamen sie mit einem Trecker oder Tieflader, einmal hatten sie eine Schwangere auf einer Palette vorn drauf", beschreibt Cramer die Situation. "Zwei bis drei Frauen habe ich zur Entbindung geflogen." Wie vielen Menschen er damals geholfen hat, weiß er aber nicht mehr.

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