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Rot am See - 26-Jähriger erschießt sechs Verwandte

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Im baden-württembergischen Rot sind sechs Menschen erschossen worden. Der 26-jährige Schütze stellte sich der Polizei. Alle Opfer gehörten zu seiner Familie.

Polizei und Spurensicherung am Tatort in Rot am See.
Großeinsatz in Rot am See: Hundert Polizisten waren vor Ort, dazu etliche Rettungskräfte.
Quelle: DPA

Ein Sportschütze soll in Rot am See im Nordosten Baden-Württembergs seinen Vater, seine Mutter und vier weitere Verwandte erschossen haben. Der 26-Jährige habe die sechs Menschen mit einer Pistole getötet und sich dann selbst bei der Polizei gemeldet, teilten die Ermittler am Freitag mit. Polizisten konnten den Verdächtigen kurze Zeit später vor dem Tatort - einem Gebäude mit einer Gaststätte - festnehmen. Hinweise auf weitere Tatbeteiligte gebe es nicht.

Aalens Polizeipräsident Reiner Möller sagte bei einer Pressekonferenz: "Wir gehen von einem Familiendrama aus." Bei den Getöteten handelt es sich um den 65 Jahre alten Vater, die 56-jährige Mutter sowie zwei Männer im Alter von 36 und 69 Jahren und zwei Frauen im Alter von 36 und 62 Jahren. Alle Opfer seien mit dem Beschuldigten verwandt gewesen. Der 26 Jahre alte Deutsche habe einen Waffenschein besessen und selbst in dem Haus gelebt, in dem er die Tat verübt habe. Auch einige der Opfer hätten in dem Gebäude gelebt.

Zwei Menschen schwer verletzt

Karte: Baden-Württemberg, Rot am See
Die Gemeinde Rot am See hat knapp 5.400 Einwohner und liegt zwischen Crailsheim (Baden-Württemberg) und Rothenburg ob der Tauber (Bayern). Jährlich im Oktober findet dort die "Muswiese" statt, einer der ältesten und größten Jahrmärkte in Hohenlohe.
Quelle: ZDF

Bislang sei der 26-Jährige nicht strafrechtlich aufgefallen. Außerdem wurden ein Mann und eine Frau durch Schüsse schwer verletzt - eine dieser Personen schwebte am Abend in Lebensgefahr. In welchem Beziehungsverhältnis diese beiden auswärtigen Personen zum Tatverdächtigen stehen, sei noch Gegenstand der Ermittlungen. Zwei Jugendliche im Alter von 12 und 14 Jahren seien von dem mutmaßlichen Schützen bedroht worden - sei seien ebenfalls mit dem 26-Jährigen verwandt. Polizeipräsident Möller sagte, ein Kriseninterventionsteam betreue die beiden Jugendlichen und möglicherweise weitere unter dem Geschehen leidende Polizeibeamte oder Nachbarn. In welchem Verein der Sportschütze aktiv war, sei noch nicht ermittelt.

Das Motiv des Mannes blieb zunächst unklar - die Polizei machte dazu keine Angaben. Einen Grund für seine Tat habe der 26-Jährige nicht genannt, als er sich bei der Polizei gemeldet habe. Eine erste Befragung des Verdächtigen werde es geben, wenn sein Rechtsanwalt auf der Dienststelle sei. Man habe mit dem mutmaßlichen Schützen aber ein "geordnetes Gespräch führen" können. Am Samstag soll der Mann dem Haftrichter vorgeführt werden. Zwei der Opfer wurden in dem Gebäude entdeckt, vier weitere davor. Die Waffe wurde im Gebäude gefunden. Der Mann befinde sich derzeit bei der Polizei in Gewahrsam und mache keine Angaben.

"Furchtbares, belastendes Ereignis"

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach den Angehörigen der sechs Todesopfer sein Mitgefühl aus. Der Einsatz sei auch für die Beamten ein furchtbares, belastendes Ereignis gewesen, sagte Strobl am Rande einer CDU-Klausur in Schöntal. Daher seien die Gedanken auch bei den Polizisten, die am Tatort gewesen seien. Mehr als 100 Beamte waren im Einsatz. Die Beamten erklärten, der 26-Jährige habe sie gegen 12.45 Uhr telefonisch über die Schüsse informiert. Knapp zehn Minuten später sei man "mit starken Kräften" am Tatort gewesen. Nun werde die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernehmen und versuchen, die Hintergründe der Tat aufzuklären.

Die Gemeinde Rot am See hat knapp 5.400 Einwohner und liegt zwischen Crailsheim (Baden-Württemberg) und Rothenburg ob der Tauber (Bayern). Jährlich im Oktober findet dort die "Muswiese" statt, einer der ältesten und größten Jahrmärkte in Hohenlohe. Die Tat ereignete sich in der Bahnhofstraße des Ortes, in einem ruhig wirkenden Wohnviertel. Die Polizei hatte den Tatort am Nachmittag mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Mitarbeiter der Spurensicherung in weißen Anzügen gingen in das Gebäude.

"So etwas noch nie erlebt"

Vor dem Haus sprühten Beamte mit Dosen gelbe Streifen auf die Straße. "Ich wohne seit 50 Jahren in Rot am See und habe sowas noch nie erlebt", sagt eine ältere Frau, die 50 Meter vom Tatort entfernt steht. Mehrere Bekannte hätten sie teils aus Norddeutschland angerufen, um ihr von dem Verbrechen zu erzählen. "Jetzt wird Rot am See bekannt - aber auf scheußliche Art." Eine junge Frau aus dem Haus gegenüber von der Kneipe schiebt einen Kinderwagen aus der Garage. "Wir wollten einfach mal rausgehen, weil so viele Bekannte angerufen haben", sagt sie. Sie habe nichts von den Schüssen mitbekommen, sei aber dennoch schockiert, dass so etwas in ihrer Straße passiere.

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