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Reptilienschmuggel - Exoten für das heimische Wohnzimmer

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Echsen oder Bartagame gefällig? In über 800.000 Haushalten Deutschlands sollen Reptilien leben. Doch der Handel mit den Exoten gefährdet Arten und endet für die Tiere oft tödlich.

Spornschildkröte trägt Jungtier auf dem Kopf
Die Spornschildkröte ist durch ein Abkommen besonders geschützt und darf nur als Nachzucht verkauft werden - nicht als Wildfang.
Quelle: dpa

Im Jahr 2020 wurden über 350.000 Reptilien nach Deutschland importiert. Ein Spitzenplatz innerhalb der EU - die Schwarzmarktverkäufe nicht mitgerechnet. Das Geschäft läuft oft über Online-Plattformen und Messenger-Dienste.

Sterberaten von exotischen Tieren sind einkalkuliert

Bis die Tiere aus den fernen Ländern ankommen, verenden viele qualvoll - Sterberaten von bis zu 70 Prozent sind vom Handel bereits einkalkuliert. Grundsätzlich gilt: Der Handel mit Exoten ist nicht verboten - aber streng reguliert.

Doch Fänger und Verkäufer aus Herkunftsländern wie zum Beispiel in Afrika wissen, was sie tun müssen, um einen "Wildfang", der eigentlich nicht exportiert werden darf, doch in die EU zu kriegen.

Die biologische Vielfalt auf der Erde ist in Gefahr: Rund eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Immer mehr Wildtiere und Insekten werden in den nächsten Jahren für immer verschwinden.

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30 min
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Geckos ab einem Dollar zu kaufen

Wir kommen in Kontakt mit einem Händler in Togo in Westafrika. Auf seiner Seite sind zahlreiche Fotos von Reptilien zu sehen, die Tiere zusammengepfercht in engen Behältnissen und kleinen Käfigen. Wir kontaktieren den Händler und geben uns als interessierte Käufer aus Deutschland aus. Er schickt uns seine Preisliste: Pythons ab acht Dollar das Stück, Chamäleons ab sieben Dollar, Geckos ab einem Dollar.

Spottpreise für Arten, von denen viele durch das sogenannte CITES-Abkommen geschützt sind - eine internationale Konvention, die einen nachhaltigen Handel mit Tieren und Pflanzen gewährleisten soll, die in den Anhängen aufgelistet werden.

Exporte von verbotenen Wildfängen?

Auch die Spornschildkröte findet sich in der Preisliste, auch sie ist in CITES gelistet - und für sie gilt zusätzlich eine sogenannte "Nullquote" für kommerzielle Exporte von Wildfängen. Das bedeutet, der Händler aus Togo dürfte eigentlich nur Nachzuchten verkaufen.

Eine Tierschützerin bezweifelt, dass die angebotenen Tiere tatsächlich Nachzuchten sind: "Bei den angebotenen jüngeren und kleineren Tieren mag dies zutreffen, aber bei den größeren Tieren auf der Liste sind Zweifel mehr als angebracht. Die Tiere zu dieser Größe aufzupäppeln, kostet so viel Zeit und Ressourcen, dass sich das Geschäft nicht lohnen würde …". Also doch verbotene Wildfänge?

Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht – und als Folge davon auch unsere Ernährung, sauberes Wasser und der Sauerstoff zum Atmen. Was tun, damit die biologische Vielfalt neu auflebt?

Beitragslänge:
29 min
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Artbestände werden drastisch minimiert

In Togo soll das sogenannte "Ranching-System" dafür sorgen, dass die Artenvielfalt erhalten bleibt. Die Idee: Schwangere Muttertiere werden im Rahmen einer gewissen Quote gefangen, Jungtiere wachsen auf Ranchen auf und dürfen in gewisser Stückzahl weiterverkauft werden. Das Muttertier aber muss wieder ausgewildert werden.

Doch der deutsche Biologe Mark Auliya vom Helmholtz-Institut für Umweltforschung in Leipzig stellte fest, dass Händler oft die wahre Herkunft kaschieren. So findet ein grenzüberschreitender Schmuggel bevorzugt trächtiger Weibchen und Jungtiere zum Beispiel von Benin nach Togo statt, von wo aus die Tiere dann als angebliche "Farmtiere" oder "aus Ranching" exportiert werden.

Die Folge: Artbestände werden drastisch minimiert. Und auch Arten, die bisher nicht als vom Aussterben bedroht galten, werden in ihrer Population nachhaltig geschädigt.

Rabatte für tote Tiere

Wir fragen den togolesischen Händler explizit nach einer in CITES gelisteten Art. Er bietet uns an, mit auf die Jagd zu gehen. Weil deutsche Behörden sehr streng seien, müsse er vor dem Export der Tiere erst Papiere aus Benin beschaffen. Und er rät dazu, die Tiere nicht über Deutschland einzuführen, sondern über benachbarte EU-Staaten. Da sei der Zoll oft nachlässiger.

Er schickt uns ein Rechnungsformular, das auch regelt, was zu tun ist, wenn Tiere auf dem Transport sterben. Der Händler erklärt dazu, mit dem Tod der Tiere müsse man immer rechnen. Deshalb sollen wir lieber ein paar mehr Exemplare ordern. Manchmal seien sogar mehr tot als lebendig, aber dann bekämen wir Rabatt: Wir sollen einfach Fotos der toten Tiere senden, sobald diese in Deutschland ankommen, das werde dann vom Endpreis abgezogen. Ein perfides Geschäftsmodell, millionenschwer - auf Kosten der Artenvielfalt.

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