Schweizer Bundespolizei: Kyrill I. war KGB-Agent

    Schweizer Bundespolizei:Kyrill I. soll ein KGB-Spion gewesen sein

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    Der Moskauer Patriarch und Putin-Vertraute Kyrill I. soll laut Schweizer Bundespolizei im Kalten Krieg ein KGB-Agent gewesen sein. Es gebe Beweise für diese These.

    Patriarch Kirill
    Oberhaupt der russisch-orhodoxen Kirche: Patriarch Kyrill I.
    Quelle: epa

    Laut der Schweizer Bundespolizei ist der heutige Moskauer Patriarch Kyrill I. während des Kalten Kriegs in Genf als Agent des russischen Geheimdienstes (Komitee für Staatssicherheit, KGB) tätig gewesen.

    Dossiers im Berner Archiv belegen These

    Im Bundesarchiv in Bern liege ein Dossier über "Monsignor Kirill", berichtete die "SonntagsZeitung" in Zürich. Darin werde bestätigt, dass Kyrill dem KGB angehörte.
    37 Einträge lassen sich demnach zwischen Juli 1969 und Februar 1989 in Kyrills Akte finden. Die meisten bezögen sich "lediglich auf seine Visa-Anträge und Einreisen in die Schweiz", schreibt die Zeitung.
    Zweimal werde allerdings vermerkt, dass "der Priester in einem Verzeichnis von sowjetischen Funktionären stehe, gegen die Maßnahmen ergriffen wurden". Welche Maßnahmen das waren, wird nicht erläutert.
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    21.08.2018 | 44:29 min

    Genfer erinnert sich: Kyrill "suchte nach Informationen"

    Das Blatt zitiert einen Genfer Bürger, der sich an die Zeit des Kalten Krieges erinnert:

    Uns wurde gesagt: Vorsicht vor diesen Priestern, das sind KGB-Agenten.

    Genfer Bürger erinnert sich an die Zeit des Kalten Krieges

    Im Gespräch mit Kyrill habe er "immer das Gefühl" gehabt, "dass er nach Informationen sucht. Er war sehr freundlich, aber stellte viele Fragen über die Exilgemeinde und den Klerus".
    Laut dem deutschen evangelischen Theologen Gerhard Besier versuchte der KGB in den 70er und 80er Jahren, Einfluss auf den Weltkirchenrat zu nehmen. Dieser sollte "auf Kritik an der Einschränkung der Religionsfreiheit in der UdSSR" verzichten "und stattdessen die USA und deren Verbündete" kritisieren.
    Die orthodoxe Kirche im Ukraine Krieg:

    Kyrills Neffe: Onkel stand unter Kontrolle des KGB

    In Genf lebt ein Neffe Kyrills. Er sagt, sein Onkel sei damals wohl kein Agent gewesen, habe aber "unter strikter Kontrolle des KGB" gestanden. Das habe allerdings keineswegs "die Aufrichtigkeit seines Engagements für die ökumenische Arbeit mit anderen Kirchen beeinträchtigt", zitiert ihn das Blatt.
    Auch berichtet die "SonntagsZeitung" über finanzielle Interessen der russisch-orthodoxen Kirche in der Schweiz. Das Blatt zitiert einen ehemaligen Schweizer Bundespolizisten, wonach der damalige Patriarch Alexij II. in den 90er Jahren im Privatjet nach Genf geflogen sei, um die von der russischen Regierung zugeteilten Ölkontingente zu verkaufen.
    Zwar gebe es keine Belege dafür, dass der heutige Patriarch Kyrill in diese Genfer Ölgeschäfte verwickelt war. Allerdings, so die Zeitung, "war er von 1989 bis 2008 für die Außenbeziehungen der russisch-orthodoxen Kirche zuständig und stand dem Patriarchen Alexij II. sehr nahe".

    Kyrill gilt heute als enger Verbündeter Putins

    Im Mai 2006 erhielt Kyrill die von der Freiburger Theologin Barbara Hallensleben ins Leben gerufene und gestiftete Auszeichnung "Silberne Rose des heiligen Nikolaus". Damals hieß es, die "Silberne Rose" ehre "Menschen, die sich um die Einheit der Kirchen des Ostens und des Westens bemühen".
    Davon kann heute keine Rede mehr sein: Das Moskauer Kirchenoberhaupt gilt als wichtiger Verbündeter Wladimir Putins.

    Sanktionen vom Westen, Kritik vom Papst

    Kyrills Unterstützung für den russischen Einmarsch in die Ukraine sorgte wiederholt international für Empörung. Großbritannien, Litauen und Kanada belegten ihn mit Sanktionen. EU-weite Strafmaßnahmen gegen den Patriarchen scheiterten am Veto Ungarns. Papst Franziskus warnte Kyrill in einem Video-Gespräch davor, "Putins Messdiener" zu werden.
    Erst am Donnerstag lobte Kyrill den einstigen KGB-Funktionär Putin wieder: "Er ist orthodox - nicht, um sich beliebt zu machen, nicht, um gewählt zu werden, sondern ein echter Orthodoxer, der die heiligen christlichen Sakramente empfängt und ein kirchliches Leben lebt. Nicht immer waren die Zaren so orthodox wie jetzt unser Präsident", so Kyrill.

    Etwas außerhalb Moskaus, inmitten des militärischen Themenparks "Patriot", befindet sich eine Kathedrale, die allein den russischen Streitkräften gewidmet ist: In der "Hauptkirche der Streitkräfte Russlands" werden Soldaten getauft, hier wendet sich Patriarch Kirill, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, zu einfachen Soldaten und hochrangigen Militärs. Vor zwei Jahren wurde die Kirche, die an den Sieg der Sowjetarmee gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg erinnern soll, eröffnet. Die Idee dazu hatte der russische Verteidigungsminister.

    Auch Putin ist hier schon mit dem Patriarchen gemeinsam aufgetreten - ein wirkmächtiges Bild. Diese Kirche ist ein Symbol für die mächtige Allianz zwischen Politik, Militär und orthodoxem Glauben im modernen Russland. Putin braucht Kirill und Kirill braucht Putin: Im März 2022 rechtfertigte der Patriarch Putins Ukraine-Feldzug, indem er den Krieg als einen "metaphysischen Kampf" bezeichnete.

    Einer aktuellen Umfrage zufolge verstehen sich rund 63 Prozent der russischen Bevölkerung als orthodox - was deren Oberhaupt sagt, hat Gewicht. Welche Rolle spielt Kirill für Putins geopolitische Ambitionen? Inwiefern prägen und rechtfertigen religiöse Dogmen Putins Kurs? 3sat-Kulturzeit hat mit Thomas Bremer, Professor für Ökumenik, Ostkirchenkunde und Friedensforschung, dem Historiker und Theologen Gerhard Besier und der Religionssoziologin Kristina Stoeckl gesprochen.

    Sehen Sie den Beitrag "Wie die russisch-orthodoxe Kirche Putin stützt" an erster Stelle der Gesamtsendung "Kulturzeit".

    Quelle: Raphael Rauch, KNA