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Seilbahnunglück am Lago Maggiore - "Scoop": ZDF-Recherche sorgt für Schlagzeilen

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Wurde die Notbremse der Unglücks-Seilbahn schon länger manipuliert? ZDF-Recherchen sorgen für Schlagzeilen in Italien. Das Videomaterial könnte den Gang der Ermittlungen verändern.

Sicherheitsmängel lange vertuscht?

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ZDF-Recherchen über das Seilbahnunglück am Lago Maggiore haben in italienischen Medien für helle Aufregung gesorgt. Die großen Tageszeitungen wie "Corriere della Sera", "Repubblica" oder "La Stampa" berichteten auf ihrer Titelseite, ebenso die großen TV-Sender Rai, SkyTG24 und La7. 

Die Sendungen heute und Frontal 21 hatten am Dienstag Aufnahmen eines Schweizer Videofilmers aus den Jahren 2014, 2016 und 2018 gezeigt. Nach dem Seilbahnunglück hatte der Mann, der früher selbst in der Branche tätig war, sein Bildmaterial durchsucht und darauf die Gabeln entdeckt - jene Vorrichtung, mit der die Notbremse deaktiviert wird. Ein weiterer Experte hatte dies bestätigt.

24.05.2021, Stresa:  Retter arbeiten am Wrack einer abgestürzten Gondel, die in einem Waldstück liegt.
Exklusiv

Gondel-Absturz am Lago Maggiore - Unglücks-Seilbahn seit Jahren manipuliert? 

Schon Jahre vor dem Gondel-Unglück nahe des Lago Maggiore könnte die Seilbahn manipuliert worden sein. Darauf deuten Aufnahmen eines Schweizers Hobbyfilmers hin.

von Christoph Destairel

"Warum man über den ZDF-Bericht spricht"

"Warum man von einer ZDF-Reportage über das Massaker von Mottarone spricht", titelt die Tageszeitung "Il Post" - und antwortet gleich: "Der deutsche Sender zeigte einige Bilder, die zu beweisen scheinen, dass die sogenannten 'Gabeln' bereits 2014 mit der Seilbahn in Betrieb waren."

Bisher waren Medien und auch die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Verbania davon ausgegangen, dass die "Gabel" erst in den letzten Wochen eingesetzt worden war, weil die Notbremse immer wieder Störungen im Betriebsablauf verursachte. Als das Zugseil der Seilbahn vor einer Woche riss, raste daher die Gondel ungebremst talabwärts und stürzte in die Tiefe. 

Seilbahnunglueck, Stresa
Michael Meier zeigt in seinem Laptop ältere Aufnahmen der Unglücksseilbahn von Stresa - hier aus dem Jahr 2016, unmittelbar nach der Eröffnung der renovierten Bahn. Im roten Kreis erkennt man die "Gabeln".
Quelle: ZDF

Drei Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers waren deswegen nach dem Unglück festgenommen worden. Der Fahrdienstleiter gestand, die Notbremse der Seilbahn deaktiviert zu haben. Seine beiden Chefs wollen von der Manipulation nichts gewusst haben. Sie kamen auf freien Fuß – laut Gericht aus Mangel an Beweisen. Die Staatsanwaltschaft konnte die zuständige Richterin mit ihren bisherigen Ermittlungen nicht überzeugen. 

"Eröffnet neue Perspektive auf die tragischen Ereignisse"

Dass das vom ZDF gezeigte und in Italien bislang unbekannte Material das Vorhandensein einer "Gabel" im Vollbetrieb vor Jahren zeige, sei ein "Scoop", meint ein Redakteur des öffentlich-rechtlichen Radiosenders Radio Uno.   

Das Ganze werfe ein neues Licht auf die tragischen Ereignisse des 23. Mai, meint der Nachrichtensender RaiNews24: "...Es eröffnet eine neue Ansicht … Bisher dachte man, dass der Umfang der Untersuchung auf einen Monat begrenzt sei. Wenn nun aber aus dem Filmmaterial wirklich eine wichtige Neuigkeit hervorgeht, wäre es unerlässlich, die Geschichte der letzten sieben Jahre der Mottarone-Seilbahn so weit wie möglich zu rekonstruieren."

RaiNews24- Reporterin Laura Tangherlini, die die Ermittlungen von Anfang an verfolgt hat, erklärte heute Morgen aus Stresa:

Das neue Videomaterial könnte dazu beitragen, die Ermittlungen der Tragödie von Mottarone (Seilbahn) neu zu schreiben.
Laura Tangherlini, Reporterin bei RaiNews24

Auch Laura Pertici von der großen Tageszeitung "Repubblica" spricht davon, "…das Material kann den Gang der Ermittlungen verändern".    

Einzig "La Stampa" äußert Bedenken an dem gezeigten Material und zitiert einen ehemaligen Mitarbeiter des Seilbahnbetriebes: der habe nach Ansicht des Videomaterials erklärt, die "Gabel" läge obendrauf und würde die Notbremse nicht blockieren. 

Auf den Aufnahmen des Schweizers Michael Meier sind offenbar bereits 2014 Gabeln zu erkennen, die die Notbremsen an der Unglücks-Seilbahn außer Kraft setzen.

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Staatsanwaltschaft prüft Videomaterial

Das ZDF hatte die zuständige Staatsanwaltschaft in Verbania auf das Videomaterial aufmerksam gemacht. Gegenüber italienischen Nachrichtenagenturen wollte Olimpia Bossi, leitende Staatsanwältin, die Aufnahmen nicht bewerten. Sie bestätigte jedoch, dass man das Videomaterial prüft.

Auch die abgestürzte Kabine soll jetzt eingehend untersucht werden. Mit schnellen Ergebnissen rechnet man in Italien dieses Mal nicht.

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