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Wenn es hier taut, ist das Weltklima in Gefahr

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Permafrost in Sibirien - Wenn es hier taut, ist das Weltklima in Gefahr

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Der Permafrostboden speichert gewaltige Mengen an Treibhausgasen. Wegen des Klimawandels taut er immer schneller - und setzt immer mehr Gase frei. Ein Teufelskreis.

Zwei Wissenschaftler in Schutzkleidung stehen in einer sibirischen Höhle voller Eis
Wissenschaftler sammeln Daten zum Permafrost in einer sibirischen Höhle.
Quelle: dpa

Wenn der Klimawandel sich in Sibirien verstärkt auswirkt, ist davon nicht nur Russland betroffen. In weiten Landstrichen ist der Boden dort ganzjährig bis in große Tiefen gefroren. Mit steigenden Temperaturen taut er immer rasanter - es ist eine der sichtbarsten Folgen der Erderwärmung.

"Derzeit beobachten wir vor allem einen sehr schnellen Ablauf bestimmter Tauprozesse", sagt Mathias Ulrich, Geograf an der Universität Leipzig. Das könnte sich weltweit aufs Klima auswirken - und auf die Menschen in Sibirien.

Putin warnt: "Alles tun, um Klimawandel zu stoppen"

Dort haben sie erst im vergangenen Jahr die Naturgewalten vor der eigenen Haustür zu spüren bekommen. Monatelang brannte die für das Weltklima wichtige Taiga. Nur ein paar Autostunden vom Baikalsee entfernt gab es schlimme Überflutungen. Kremlchef Wladimir Putin wandte sich kurz vor Weihnachten mit deutlichen Worten an seine Landsleute:

Wir müssen alles tun, was wir können, um den Klimawandel zu stoppen.
Wladimir Putin

Fast zwei Drittel der Bodenfläche in Russland sind dauerhaft gefroren. Permafrost wird das Phänomen genannt. In dieser riesigen Tiefkühltruhe liegen immense Mengen an Überbleibseln von Pflanzen und Tieren, die noch nicht von Mikroben zersetzt wurden. Aktiv werden diese erst, wenn die Temperaturen steigen und der Boden aufweicht.

Zu finden sind solche uralten Dauerfrostböden vor allem in Alaska, Kanada sowie im Osten und Norden Sibiriens - vom Nordpolarmeer bis teilweise zum Ural und im Süden bis Kasachstan. Der Frost kann bis in eine Tiefe von einem Kilometer und mehr reichen. Da die arktischen Winter wärmer und die Sommer länger werden, tauen inzwischen aber immer tiefere Erdschichten auf.

Permafrost speichert große Mengen Kohlenstoff

"Wir wissen heute, dass im dauergefrorenen Boden große Mengen an Kohlenstoff gebunden sind, wahrscheinlich etwa doppelt so viel wie derzeit in der Atmosphäre vorhanden sind", sagt Permafrost-Experte Ulrich. Wenn der Boden großflächig taue, öffne sich dieser Speicher.
"Es würde zu enormen Treibhausgas-Emissionen kommen, die wiederum die derzeitige Klimaerwärmung noch verstärken würden."

In Sibirien brennen die Wälder. Die größte Gefahr schlummert dabei im Boden: Durch das Auftauen des Permafrostes entweichen große Mengen Methan - ein Brandbeschleuniger des Klimawandels.

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Wie groß die Auswirkungen letztlich werden, hängt davon ab, wie viel menschengemachtes Kohlendioxid (CO2) und Methan in die Atmosphäre gelangen. "Die existierenden Permafrostmodelle sind derzeit in vielen Belangen langsamer in ihrer Reaktion auf Erwärmung als die Wirklichkeit der Beobachtungen uns zeigt", gibt Guido Grosse vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam zu bedenken.

Mehr Treibhausgase - schnellere Erderwärmung

Sollten große Mengen Treibhausgase freigesetzt werden, wäre das Ziel, die weltweite Erderhitzung auf ein verträgliches Maß zu begrenzen, noch schwerer zu erreichen, prognostiziert der Professor für Permafrostforschung. Genaue Vorhersagen sind auch deshalb schwierig, weil der Mensch den Ausstoß etwa von Kohlendioxid in Industrie oder Verkehr steuern kann. Eine Reduzierung würde nach Ansicht von Grosse dabei helfen, "dass der Permafrost weniger taut und dort weniger zusätzliche Emissionen zu erwarten sind".

Der Ausstoß dort wiederum könne angesichts der großen Flächen gefrorenen Bodens nicht kontrolliert werden, so Grosse. Vor einem möglichen Dominoeffekt warnt auch das UN-Umweltprogramm Unep. Wissenschaftler der russischen Universität Tomsk haben zusammen mit ihren Kollegen aus anderen Ländern erst im Januar ermittelt, dass die durchschnittliche Jahrestemperatur in Sibirien in den vergangenen 50 Jahren um fast vier Grad stieg.

Russlands Kühltruhe wird demnach weiter auftauen. Jelena Parfjonowa vom Forstinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften in Krasnojarsk schätzt, dass die Permafrostfläche bis zum Jahr 2080 um 25 Prozent schrumpfen könnte, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht verringert werde.

Wenn die Arktis schmilzt, könnte der Permafrost noch schneller tauen

Dass der Permafrost empfindlich ist, zeigten Wissenschaftler der Universität Oxford kürzlich einmal mehr in einer Studie. Sie sehen einen Zusammenhang zwischen dem Schmelzen des Arktis-Eises und dem Aufweichen dieses Bodens. "Ein solcher Verlust von Meereis führt wahrscheinlich zu einer Beschleunigung des Auftauens von Permafrost in Sibirien", erläutern sie in der Fachzeitschrift "Nature".

Wenn das Meer eisfrei ist, so die Wissenschaftler, könne die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen und Sibirien Schnee im Herbst bringen. Dadurch könne extremer Frost nicht mehr so tief in den Boden dringen.

Ganze Landstriche in Sibirien könnten sich verändern, wenn der Boden auftaut und dabei absackt oder Berghänge abrutschen. "Mit dem Abtauen von eisreichem Permafrost wird lokal jedwede Infrastruktur - Gebäude, Straßen, Landebahnen und Pipelines - beschädigt oder in der Erhaltung massiv teurer", sagt Grosse. Auch der Kreml warnte unlängst, mit der Erderwärmung drohten in einigen Regionen Russlands mehr Naturkatastrophen wie das Jahrhundert-Hochwasser im vorigen Jahr.

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