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Singapur - spätes Opfer der Corona-Krise

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Lockdown für vier Wochen - Singapur - spätes Opfer der Corona-Krise

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Nun hat das Coronavirus auch Singapur erwischt. Die Regierung ordnet einen Lockdown an. Die als obrigkeitshörig geltenden Singapurer begehren auf - ein bisschen.

Wegen Lockdown sind in Singapur die Staßen leer
Die Corona-Krise hat jetzt auch Singapur erfasst.
Quelle: André Groenewoud/ZDF

Der südostasiatische Stadtstaat galt bislang als vorbildlich im Kampf gegen das Coronavirus. Wochenlang gab es nur eine Handvoll Infizierter pro Tag, die Schulen blieben geöffnet, die Einheimischen gingen zur Arbeit und saßen in Kneipen und Restaurants.

Bilder, die in Europa fast ungläubig wahrgenommen wurden, während Staatschefs in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien Ausgangsbeschränkungen verkündeten.

Singapur stößt an die Grenzen

Doch nun ist klar: Auch das reiche Singapur stößt an seine Grenzen; seit Dienstag gilt ein landesweiter Lockdown, den man hier beschönigend "Circuit Breaker", also Kreislaufbrecher nennt.

Nun sieht man auch aus Singapur Bilder, die denen anderer großen Städte weltweit ähneln: Die Luxusshoppingmeile Orchard Road - verwaist. Der Vergnügungspark Universal Studios auf der vorgelagerten Insel Sentosa - geschlossen.  Auf dem Straßenmarkt Maxwell - die Stühle hochgeklappt.

Drastische Maßnahmen: Landesweiter Lockdown

Singapur: Verwaiste Shoppingmall an der Orchard Road
Verwaiste Shoppingmall an der Orchard Road in Singapur
Quelle: ZDF

So hat man Singapur noch nie gesehen. Und die Einwohner haben es auch lange nicht für möglich gehalten, dass die Regierung zu solch drastischen Maßnahmen greifen könnte. Denn die insgesamt knapp 2.000 Corona-Fälle und sechs Toten klingen bei fast sechs Millionen Einwohnern relativ überschaubar.

Doch wie konnte es soweit kommen? Anfang Februar hatte Singapur außerhalb von China zwar die meisten Infektionen, aber die täglichen Covid-19-Fälle lagen im stabilen einstelligen Bereich.

Strikte Kontrollen von möglichen Virusträgern

Schon frühzeitig schloss Singapur die Grenzen, das Aufspüren von möglichen Trägern des Virus, das sogenannte "Tracing", gilt als erfolgreich, die Quarantäne als strikt, die zudem scharf kontrolliert wird.

Unten im Bild ist eine anonyme Menschenmenge von hinten zu sehen. Darüber befindet sich ein buntes Liniendiagramm ohne Annotationen.

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Es begann mit ein paar Fällen in Wuhan Ende Dezember, mittlerweile sind mehr als 1,5 Millionen Menschen an Covid-19 erkrankt.

"Singapur hat bei Weitem einen der besten Ansätze verfolgt", sagt der Infektiologe Michael Osterholm der Nachrichtenagentur "Reuters". Doch nun zeige sich, so der Experte der University of Minnesota, wie schwer es doch sei, das Virus einzudämmen.

Rückkehrer importieren Coronavirus

Denn mit den Schreckensbildern aus Norditalien und New York kamen peu à peu immer mehr im Ausland lebende (vor allem in Großbritannien und in den USA) Singapurer zurück in ihre Heimat - und brachten das Virus gleich mit.

Plötzlich stiegen die Zahlen, und man konnte schon eine Vorahnung haben, dass es auch Singapur hart treffen könnte. Als in der vergangenen Woche die täglichen Infektionsfälle im dreistelligen Bereich lagen und der Premierminister eine Rede an die Nation hielt, da wussten die Singapurer: Jetzt wird es ernst.

Singapur droht mit sechs Monaten Haft und umgerechnet knapp 7.000 Euro Strafe

Für vier Wochen steht nun das Leben in der Stadt still, die Schulen und Geschäfte sind zu. Alle nicht wichtigen Betriebe wurden geschlossen. Man darf nur noch mit denjenigen Personen in die Öffentlichkeit, mit denen man zusammenlebt. Wenn die Freundin oder der Freund woanders wohnt - Pech gehabt.

Eine Frau blickt auf ein Smartphone.

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Der Stadtstaat, für seine drakonischen Strafen bekannt, droht bei Missachtung mit sechs Monaten Haft und umgerechnet knapp 7.000 Euro Strafe. Premierminister Lee Hsien Loong appellierte über Facebook an seine Landsleute, die Maßnahmen "sehr strikt "zu nehmen.

Neuer Höchstwert an Covid-19-Infektionen erreicht

Die behördlichen Anordnungen sind für die Einheimischen schon schlimm genug, da brachen weitere niederschmetternde Nachrichten über sie hinein. Am vergangenen Donnerstag meldete Singapur mit 287 Covid-19-Infektionen einen neuen Höchstwert.

Dabei kristallieren sich zunehmend die Wohnquartiere der ausländischen Arbeiter, vor allem aus Indien und Bangladesch, als Brennpunkt heraus; in den beengten Zimmern mit bis zu 20 Betten grassiert das Virus.

20.000 Arbeiter unter Quarantäne

Sogar die staatsnahe Tageszeitung "Straits Times" berichtete über überlaufende Toiletten, Kakerlaken und schlechten Waschmöglichkeiten. Die Regierung hat nun 20.000 Arbeiter unter Quarantäne gestellt.

Die Singapurer gelten eigentlich als obrigkeitshörig. Doch es regt sich Widerspruch, zwar leise, dennoch deutlich vernehmbar. Calvin Cheng, ehemaliges Parlamentsmitglied, nennt die Anordnungen "sehr drakonisch".

SARS-CoV-2 breitet sich in Wohnquartieren von Arbeitern aus

Und Tommy Koh, Diplomat und Regierungsberater, bezeichnet den Standard der Unterbringung der ausländischen Arbeiter "nicht als erste, sondern als dritte Welt". Die Arbeiter seien wie Sardinen untergebracht, kritisiert Tommy Koh.

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Doch wie geht es nun weiter? Droht gar eine Verlängerung des Lockdowns? "Alles ist möglich im Interesse der öffentlichen Gesundheit", sagt Walter Theseira, Professor und Mitglied des Parlaments, zum ZDF. "Die Ausbreitung in den Wohnquartieren der ausländischen Arbeiter ist nun unser Hauptproblem. Alle anderen Ansteckungen sind zwar nicht unter Kontrolle, aber berechenbar."

Wegen Covid-19 werden Sportler mit Drohnen überwacht

Und die Singapurer? Sie dürfen im Park Sport machen. Damit aber nicht zu viele Menschen gleichzeitig frische Luft schnappen, setzt die Regierung Drohnen ein, um den Zugang zu steuern. Auch der Friseurbesuch ist noch gestattet, allerdings nur noch ein Trockenhaarschnitt. Waschen und Färben sind verboten. Singapur kennt da kein Pardon.

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