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Urlaub in Singapur : Kreuzfahrten ohne Ziel - trotz Corona

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Kreuzfahrten ins Nirgendwo: In Singapur können die Einwohner kurzzeitige Urlaube machen - trotz Pandemie und mit strengen Hygieneauflagen.

Der Luxusliner der US-Reederei Royal Caribbean, der auf der Meyer-Werft in Papenburg gebaut wurde, legt seit Dezember des vergangenen Jahres ab und fährt im Kreis.
Der Luxusliner der US-Reederei Royal Caribbean legt seit Dezember des vergangenen Jahres ab und fährt im Kreis. Maximal 2.000 Passagiere dürfen hier an Bord.
Quelle: André Groenewoud

Es fühlt sich an wie Urlaub. Endloser Blick aufs Wasser, das Rauschen der Wellen und der pfeifende Wind, während die "Quantum of the Seas" irgendwo im Südchinesischen Meer zwischen der malaiischen Halbinsel und Borneo fährt. Kein Land in Sicht. Und wenn, dann würde das Schiff nicht anlegen. Denn in Zeiten von Corona und internationalen Reisebeschränkungen fährt das Schiff von Singapur nach Singapur. Ohne Stopp.

Weder Hochhäuser noch Straßen - stattdessen Meer, so weit das Auge reicht. Der Blick aus einer Kabine.
Weder Hochhäuser noch Straßen - stattdessen Meer, so weit das Auge reicht. Der Blick aus einer Kabine.
Quelle: André Groenewoud

Strikte Corona-Regeln an Bord

Die Singapurer nennen diese drei- oder viertägigen Reisen "cruises to nowhere", Kreuzfahrten ins Nirgendwo. Es gibt kein Ziel - der Luxusliner der US-Reederei Royal Caribbean, der auf der Meyer-Werft in Papenburg gebaut wurde, legt seit Dezember 2020 ab und fährt im Kreis. Die Bilanz: 25 Fahrten, 35.000 Passagiere - und kein einziger Coronafall an Bord.

Die Hygiene-Regeln für Urlauber sind strikt. 72 Stunden vor Reisebeginn müssen sie sich in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt testen lassen. An Bord tragen sie ein Tracking-Armband ums Handgelenk. Zudem wird auf den Decks die Körpertemperatur der Passagiere gemessen. Maske tragen an Bord ist Pflicht, nur beim Essen, Trinken, Sport treiben und im Pool darf man sie ablegen.

Auf dem Deck der "Quantum of Seas" ist viel Platz. Das Schiff fährt mit maximal 50 Prozent Auslastung.
Viel Platz an Deck: Die "Quantum of the Seas" fährt mit maximal 50 Prozent Auslastung.
Quelle: André Groenewoud

Einschränkungen, die Sean Chi aus Singapur nicht stören. "Ich bin ja die Maske aus dem Alltag in Singapur gewöhnt", sagt der Weinhändler, der bereits zum zweiten Mal an Bord ist, dieses Mal mit mehreren Freunden.

Es ist einfach toll, dem Lagerkoller zu entfliehen.
Sean Chi

Für die vier Nächte an Bord in einer Außenkabine mit Balkon, inklusive Essen und Alkohol-Paket, hat der Unternehmer 850 Singapur-Dollar (knapp über 500 Euro) bezahlt - "besser und auch billiger, als in einem Hotel in der Stadt eine sogenannte 'Staycation' zu machen", sagt er.

Urlauber Sean Chi aus Singapur auf dem Balkon seiner Kabine.
Den Urlauber Sean Chi aus Singapur stören die Corona-Regeln nicht.
Quelle: André Groenewoud

Pilotprojekt Kreuzfahrt ins Nirgendwo ist ein Erfolg

Die Sehnsucht nach Urlaub und Reisen ist groß. In Europa sind zurzeit lediglich ein paar Kreuzfahrtschiffe unterwegs, größtenteils um die Kanaren. Weltweit planen Aida Cruises, Costa-Kreuzfahrten und Co. ihre Fahrten ab Mitte bis Ende März wieder aufzunehmen. Es heißt, US-Anbieter wollen eine Impfpflicht für Passagiere, andere Gesellschaften beharren auf einem negativen Test.

Die Kreuzfahrten in Singapur sind ein Erfolg - und eine Win-win-Situation. Die Passagiere haben Platz satt: Maximal 2.000 Urlauber dürfen an Bord, weniger als die Hälfte als zu normalen Zeiten. Während viele Einheimische im Spielcasino verschwinden, ist es an Deck komplett leer.

Wöchentliche Corona-Tests für Besatzungsmitglieder

Und die 1.300 Besatzungsmitglieder sind froh, einen Job zu haben. Sie arbeiten täglich, werden wöchentlich getestet und dürfen über Monate das Schiff nicht verlassen. Ein Inder aus Goa, der an der Poolbar arbeitet, sagt: "In normalen Zeiten arbeiten mehrere Zehntausend Servicekräfte allein für Royal Caribbean. Ich bin einer der glücklichen 1.300 mit einem Job."

Bleibt die Frage: Ist solch eine Kreuzfahrt ohne Ziel opportun in Zeiten von Klimaschutz? Die Fluggesellschaft Singapore Airlines hat ihre Flüge ins Nirgendwo nach Kritik wieder einkassiert, noch bevor der erste Flieger vom Flughafen Changi abhob. Im Gegensatz dazu hat Royal Caribbean kürzlich ihre Touren für weitere drei Monate bis Juni verlängert.

Erhöhte Nachfrage nach Urlaubsreisen

Angie Stephen, Asien-Chefin der Reederei, sagt: "Durch die internationalen Reisebeschränkungen wurden Urlaubspläne zweifellos gestört. Da die Welt weitgehend im Stillstand bleibt, sehen wir eine aufgestaute Nachfrage nach Reisen - deshalb haben wir dieses Pilotprojekt für die Einwohner Singapurs geschaffen."

Ein Projekt, von dem Sean Chi schwärmt. "Ich bin froh, mit dem Schiff einfach mal raus zu kommen", sagt der 30-Jährige und grinst: "Denn ich wohne noch bei meinen Eltern."

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