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Risikofaktor Sitzen - Immer mehr "Dauersitzer"

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Mehr als viereinhalb Stunden sitzen viele Arbeitnehmer - jeden Tag. Warum das ein Risikofaktor für chronische Krankheiten ist und wie man dem entgegensteuern kann.

Archiv: Eine Sekretärin sitzt am 25.04.2012 in Berlin an einem Schreibtisch.
Langes Sitzen ist ein Risikofaktor für chronische Krankheiten.
Quelle: dpa

Immer mehr Menschen sitzen in Deutschland trotz Fitness-Boom jeden Tag viel zu lange auf dem Sofa, auf dem Bürostuhl oder im Auto - und gefährden dadurch ihre Gesundheit.

Der Anteil jener, die nach eigenen Angaben täglich mehr als viereinhalb Stunden im Sitzen verbringen, kletterte zwischen 2002 und 2017 um 7,4 Prozent, wie Forscher der spanischen Universidad Rey Juan Carlos (URJC) in Madrid im Fachblatt "BMC Public Health" schreiben.

Nach dieser Studie gehörten in Deutschland zuletzt 57,2 Prozent der Männer und 50,2 Prozent der Frauen zu den "Dauersitzern".

Ich finde diese Zahlen sehr alarmierend
Klaus Völker, Sportmediziner Uniklinik Münster

"Homeoffice nagelt Leute am Schreibtisch fest"

Man habe inzwischen "quasi eine Extremform der körperlichen Inaktivität erreicht, die besorgniserregend ist". Der Forscher der Uniklinik Münster befürchtet, dass das Homeoffice in den Corona-Zeiten die Lage in den vergangenen Monaten zusätzlich verschlimmert habe:

Ich glaube, dass Homeoffice die Leute am Schreibtisch festnagelt.
Klaus Völker, Sportmediziner Uniklinik Münster

Viereinhalb Stunden als Schwelle für Gesundheitsrisiken

Nicht nur in Deutschland wächst die Zahl der Vielsitzer. Die URJC-Forscher analysierten die Ergebnisse von vier europäischen Umfragen mit mehr als 96.000 Teilnehmern in allen Ländern der Europäischen Union (EU). Demnach nimmt die körperliche Passivität überall zu.

Zuletzt hatten 54,3 Prozent der Befragten eingeräumt, täglich länger als viereinhalb Stunden zu sitzen. In Deutschland waren es 53,7 Prozent. Die Forscher betrachten viereinhalb Stunden als Schwellenwert, ab dem bestimmte Gesundheitsrisiken steigen.

Sitzen als Risikofaktor für chronische Krankheiten

Der Hauptautor der Studie, Xián Mayo, glaubt, dass "die Menschen bei der Arbeit und auch in der Freizeit immer mehr mit Technologien wie Smartphones und Streamingdiensten interagieren".

Das viele Sitzen sei ein Hauptrisikofaktor für die Entwicklung vieler chronischer Krankheiten wie Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Krebs, schreiben die Forscher und sprechen von einer großen Gesundheitsbedrohung für die moderne Gesellschaft.

Doch warum ist Vielsitzen gefährlich? Da ist einerseits der niedrige Kalorienverbrauch. "Der Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem laufen auf Sparflamme", sagt Völker. Dadurch steige das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen wie Diabetes. Zudem belaste langes Sitzen unter anderem auch Beinvenen, Muskeln und die Haltung.

Auch wenn mittlerweile Fitnessstudios und Turnhallen wieder geöffnet sind, haben viele Geschmack am Training unter freiem Himmel gefunden.

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4 min
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Mediziner: auch kurzes Aufstehen bringt etwas

Völker betont, dass die negativen Auswirkungen des zu langen Sitzens nicht durch Sport am Abend völlig kompensiert würden. Er empfiehlt deshalb, die Sitzposition häufig zu ändern und immer mal wieder kurz aufzustehen. Studien hätten gezeigt, dass schon kurzes Aufstehen positive Effekte habe.

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