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Streit um Sonnenstudios - Solarien-Verbot wegen zu hoher Krebsgefahr?

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Sind Solarien so gefährlich, dass sie verboten werden müssen? Das fordert die Deutsche Krebshilfe. Die Sonnenstudio-Branche will sich mit juristischen Schritten wehren.

Ein Mann mit Kopfhörer auf einer Sonnenbank
Die Deutsche Krebshilfe fordert ein bundesweites Solarienverbot.
Quelle: imago images / Michael Kneffel

Besonders in der dunklen und kalten Jahreszeit motiviert der Wunsch nach Wärme und gebräunter Haut zu einem Besuch im Sonnenstudio. Doch die UV-Strahlen sind auch eine Gefahr, da sie Hautkrebs fördern. Diese Gefahr ist wissenschaftlich bewiesen und unbestritten. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft künstlich erzeugte UV-Strahlen in Solarien - genau wie natürliche - in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein.

Wie gefährlich der Besuch im Sonnenstudio ist, darüber ist nun eine Debatte entbrannt

  • Die Deutsche Krebshilfe fordert ein bundesweites Solarienverbot. Sie argumentiert mit der Gefahr von schwarzem Hautkrebs, an dem Menschen sterben können.
  • Die Sonnenstudio-Branche behauptet, dass eine "moderate Solariumsnutzung" nicht das Risiko an Hautkrebs zu erkranken steigern würde. Mit moderat sind nach Angaben des Bundesverbands Besonnung nicht mehr als 50 Sonnenstudio-Besuche im Jahr gemeint.

Gegen die Forderung der Krebshilfe will der Bundesverband, der nach eigenen Angaben rund 1.200 große Sonnenstudios in Deutschland vertritt, nun juristisch vorgehen. Sie stellt die wissenschaftliche Grundlage in Frage, auf der die Zahlen der Krebshilfe basieren und will die Organisation nun zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auffordern, wie Sprecher Holger Ziegert der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Studien belegen erhöhtes Krebsrisiko

Die Deutsche Krebshilfe begründet ihre Verbotsforderung damit, dass durch die Benutzung von Solarien europaweit bei knapp 3.400 Menschen der gefährliche schwarze Hautkrebs verursachen würde. In etwa 800 Fällen führt dies demnach zum Tod.

Archiv: Im Labor schaut eine Doktorandin am 22.10.2013 auf ein Monitorbild von Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs) an
Jedes Jahr erkranken nach Angabe der Krebshilfe etwa 37.000 Menschen an einem Melanom, dem schwarzen Hautkrebs.
Quelle: picture alliance / dpa

Die Zahlen, auf die sich die Deutsche Krebshilfe bezieht, sind Schätzungen und entstammen einer Erhebung aus dem Jahr 2008. Vergleichbare, aktuellere Studien gibt es nicht. Bisher ist es nicht gelungen, Krankheits- und Todesfälle eindeutig auf Solariengänge zurückzuführen. Dass die Einstufung von Solarien als krebserregend weiterhin plausibel ist, hat im Oktober 2019 auch das Bundesamt für Strahlenschutz in einer Stellungnahme bestätigt. Dort zitiert das Bundesamt aus einer Metaanalyse von 2018, derzufolge es eine statistisch signifikante Erhöhung des Melanom-Risikos im Vergleich zu Personen gibt, die nie ein Solarium genutzt haben:

  • Um 19 Prozent für Personen, die jemals ein Solarium genutzt hatten
  • Um 43 Prozent für Personen, die mehr als zehn Mal ein Solarium genutzt hatten
  • Um 59 Prozent für Personen, die bei der ersten Nutzung eines Solariums jünger als 25 Jahre waren.

Deshalb geht das Bundesamt für Strahlenschutz davon aus, "dass die Nutzung von Solarien das Hautkrebs-Risiko erhöht, insbesondere bei jungen Menschen, und dass das Risiko mit jedem Solarium-Besuch ansteigt".

SPD-Politiker Karl Lauterbach fordert schärfere Regeln für Sonnenstudios

Weil das Risiko besonders für junge Menschen hoch ist, dürfen Minderjährige seit 2009 keine Sonnenstudios mehr benutzen. Der SPD-Gesundheitspolitiker und Mediziner Karl Lauterbach fordert in dieser Hinsicht nun schärfere Regeln: Es habe sich gezeigt, dass Betreiber sich nicht an die Verbote für Kinder und Jugendliche hielten, sagte Lauterbach der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Krebshilfe-Chef Gerd Nettekoven geht davon aus, dass das Nutzungsverbot für Kinder und Jugendliche bisher völlig unzureichend eingehalten werde. Er stützt seine Aussage auf Zahlen des "Nationalen Krebshilfe-Monitorings zur Solariennutzung (NCAM)", wonach es 2018 schätzungsweise 140.000 Minderjährigen gelungen sei, Zugang zu Solarien zu erhalten.

Lauterbach schlug Testbesuche vor, um zu prüfen, ob Solarien rechtswidrig Minderjährige unter die künstliche Sonne lassen. "Wir müssen die dafür vorgesehenen Strafen deutlich erhöhen. Es handelt sich um eine Körperverletzung, die nach Jahren zu einer Krebserkrankung führen kann." Ein grundsätzliches Verbot für Erwachsene müsse überlegt werden, wenn es nicht gelinge, die Jugendlichen besser zu schützen.

Jährlich erkranken etwa 37.000 Menschen an Melanom

Jährlich erkranken nach Angaben der Krebshilfe etwa 37.000 Menschen in Deutschland an einem Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sowohl die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein.

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