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UV-Filter und Nano-Partikel : Wie Sonnencreme Meeresbewohnern schadet

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Sommer, Strand und Meer, da darf die Sonnencreme nicht fehlen. Doch mit den Badenden landen auch zig Tonnen Sonnencreme in Gewässern - das hat Folgen für die Lebewesen dort.

Eine junge Frau wird bei hochsommerlichen Temperaturen am Strand von ihrer Freundin mit Sonnencreme eingerieben
Jedes Jahr landen bis zu 14.000 Tonnen Sonnencreme im Meer.
Quelle: dpa

Sommer, Sonne, Badezeit: Die wärmeren Temperaturen locken an die Strände und ins Wasser. Mit den Badenden gelangen große Mengen Sonnenschutzmittel in Gewässer - und die UV-Filter und Nanopartikel aus Cremes, Lotionen und Sprays können Korallen und anderen Wasserbewohnern schaden. Immer mehr Studien zeigen solche Effekte. Ersatzlösungen sind in Arbeit - bis dahin aber ist der Nutzer selbst gefragt.

Jedes Jahr landen bis zu 14.000 Tonnen Sonnencreme im Meer, davon 4.000 bis 6.000 Tonnen an Korallenriffen, wie Forscher der US-Meeresbehörde NOAA berechneten. Wie sich das auf die maritime Umwelt auswirkt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Defekte bei Muscheln, Stress bei Korallen

Vor allem die enthaltenen UV-Filter scheinen aber Anlass zu Sorge zu geben. So listet die NOAA auf, dass die Stoffe das Wachstum von Grünalgen beeinträchtigen, bei Muscheln zu Defekten der Jungtiere führen sowie das Immun- und Fortpflanzungssystem von Seeigeln schädigen könnten.

Bei Delfinen könnten sich die Substanzen im Zellgewebe ansammeln und auf die Jungtiere übertragen werden, während bei Fischen die Fruchtbarkeit reduziert und Veränderungen im Erbgut ausgelöst werden könnten.Vor allem aber stellen UV-Filter demnach - neben Stressoren wie der steigenden Meerestemperatur - eine Gefahr für Korallen dar.

Buntes Korallenriff
Sonnenmilch im Meerwasser kann Korallen schwere Schäden zufügen.
Quelle: imago

Hawaii verbietet Sonnencremes mit Oxybenzon

Insbesondere der chemisch-organische Filter Oxybenzon könnte das Erbgut der empfindlichen Nesseltiere schädigen und dazu führen, dass sich deren Larven in ihrem Skelett einkapseln und sterben, wie eine US-Untersuchung 2016 nahelegt.

Studienergebnisse wie dieses veranlassten den US-Bundesstaat Hawaii, ein Gesetz zu beschließen, das den Verkauf von Sonnencremes mit Oxybenzon und Octinoxat seit 2021 verbietet. Ähnliche Reglungen gelten auch in anderen Regionen.

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Neben Oxybenzon steht mit Octocrylen ein weiterer chemisch-organischer Filter in der Diskussion. Er soll Studien zufolge Wasserflöhen, Wimperntierchen und Zebrafischen zusetzen, indem er sich unter anderem auf deren Hormonhaushalt auswirkt.

UV-Filter auch in der Ostsee

Zudem wird der wasserunlösliche Stoff nur schwer abgebaut und könnte sich deshalb in Organismen anreichern.Verschiedenen Untersuchungen zufolge finden sich UV-Filter mittlerweile sowohl in tropischen Korallenriffen wie auch im Arktischen Ozean - und auch in der Ostsee:

Kathrin Fisch vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde führte 2016 Messungen an der deutschen Ostseeküste durch und wies hier 30 Nanogramm UV-Filter pro Liter Ostseewasser nach; in den Flüssen, die in die Ostsee münden, waren es zum Teil bis zu 836 Nanogramm pro Liter. Das seien zwar geringe Mengen, die sich aber langfristig auf Meeresorganismen auswirken könnten.

Ein flächendeckendes Monitoring zur Belastung von Gewässern durch UV-Filter gibt es in Deutschland nicht, ebenso wenig existieren definierte Obergrenzen für deren Mengen.

Hersteller bieten "rifffreundliche" Sonnenschutzmittel an

Als Reaktion auf die möglichen Umweltrisiken chemischer UV-Filter bieten immer mehr Hersteller "korallensichere" oder "rifffreundliche" mineralische Sonnenschutzmittel an. Diese enthalten Zink- oder Titandioxid - auf der Haut wirken die Partikel wie kleine Spiegel, die das UV-Licht reflektieren. Um das störende "Weißeln" vieler dieser Produkte zu minimieren, versuchen einige Hersteller, die mineralischen Pigmente zu verkleinern und setzen auf Partikel in Nanogröße.

Wie spanische Forscher aber 2014 zeigten, führen diese Nanopartikel als Katalysatoren dazu, dass Sonnenlicht aus Wasser das hochreaktive Wasserstoffperoxid erzeugt. Dieses könne Kleinstlebewesen schädigen.

Mittlerweile wird an Alternativen geforscht, bei denen Verbindungen aus Algen, Seetang und anderen Meerestieren als UV-Filter fungieren.

Bis diese marktreif sind, ist der ökologisch beste Schutz vor der Sonne wohl einer, der auf weniger Eincremen setzt, ohne - mit Blick auf das Hautkrebsrisiko - ganz darauf zu verzichten.

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