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"Klima der Angst" : SOS-Kinderdorf: Übergriffe auf Schützlinge?

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In einem bayerischen SOS-Kinderdorf soll es zu schweren Übergriffen auf Kinder gekommen sein. Das legt eine aktuelle Studie nahe.

Der Schriftzug „SOS Kinderdörfer - Weltweit“ steht an einem Fenster.
Der Schriftzug „SOS Kinderdörfer - Weltweit“ steht an einem Fenster.
Quelle: picture alliance/dpa/Peter Kneffel

Ein fünf Jahre altes Mädchen allein in einen dunklen Keller gesperrt. Ein Junge, der in Hausschuhen schlafen muss, weil seine Dorfmutter sie ihm mit Sekundenkleber an den Füßen befestigt hat. Kinder, die sich nackt begutachten lassen müssen, die mit einer erwachsenen Frau duschen und sie eincremen müssen.

Kindesmissbrauch ist eines der schlimmsten Verbrechen, vor allem wenn die Täter zum engsten Umfeld gehören.

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89 min
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Verdacht gegen zwei Dorfmütter

Eine Studie über Übergriffe auf Kinder hat erschreckende Vorwürfe gegen zwei Dorfmütter eines SOS-Kinderdorfes in Bayern zu Tage gefördert.

"Es geht vor allem um das, was man 'schwarze Pädagogik' nennt und wie sie eher in den 1960er Jahren verbreitet war als Anfang der 2000er Jahre", sagt der Psychologe und Missbrauchsexperte Heiner Keupp der Deutschen Presse-Agentur in München. Denn die Vorwürfe beziehen sich nicht etwa auf die dunkle Vergangenheit, sondern auf die jüngere: auf die Jahre 2000 bis 2015.

Keupp, der auch schon den Missbrauchsskandal im katholischen Kloster Ettal wissenschaftlich aufgearbeitet hat, hat die Studie im Auftrag des Kinderdorfvereins erstellt. Er hat mit Betroffenen gesprochen - und auch mit einer der beschuldigten Frauen.

"Klima der Angst" verbreitet

Am Freitag wurde eine Zusammenfassung der Studie auf der Website von SOS Kinderdorf veröffentlicht. Von einem "Klima der Angst" ist darin die Rede und von einer eingeforderten "Unterwerfungsbereitschaft" der Kinder.

Wenn sie verbotenerweise heimlich beim Essen tranken, so heißt es in dem Bericht, habe die Dorfmutter sie an den Haaren gepackt und ihre Köpfe zusammengeschlagen. Bei kleinen Regelverstößen sei ihnen die Matratze weggenommen worden - so dass sie auf dem Lattenrost schlafen mussten. Und wenn sie morgens nicht sofort aufstanden, sollen sie kaltes Wasser ins Gesicht bekommen haben. Die Kinder durften demnach morgens auch nicht aufs Klo gehen, weil die Toilette neben dem Zimmer der Dorfmutter lag und sie nicht gestört werden wollte. Sie haben dann Bettflaschen bekommen.

Sexuelle Übergriffe auf die Kinder

Von "kindeswohlgefährdenden Grenzüberschreitungen" ist in einer Mitteilung des SOS-Kinderdorfes die Rede. Keupp spricht im Fall der einen Beschuldigten deutlicher von Missbrauch: "Die Kinder mussten an den Wochenenden mit ihr gemeinsam duschen, jeweils zwei Jungen und dann zwei Mädchen nackt in einer engen Duschkabine und danach mussten sie die nackte Kinderdorfmutter eincremen", sagt Keupp.

"Morgens - wenn sie noch im Bett lag - mussten die Kinder nackt an ihr vorbeidefilieren, damit sie sehen konnte, ob sie sich auch gut gewaschen haben. Die Schambereiche wurden besonders kontrolliert. Einem Mädchen soll sie dabei in die Brustwarzen gezwickt haben. Das sind sexuelle Übergriffe gegen die Kinder."

Die Organisation SOS-Kinderdorf, die sich zu einem großen Teil aus Spenden finanziert, will nach eigenen Angaben vor allem Kindern helfen, deren Eltern wegen Armut nicht für sie sorgen können oder die familiäre Gewalt erleben.

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Bildabgleich mit neuem Update - Apple geht gegen Kindesmissbrauch vor 

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Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat nach einer Strafanzeige inzwischen Ermittlungen aufgenommen, wie ein Sprecher der Behörde sagte. Eine Sprecherin von SOS-Kinderdorf erklärte, die Organisation wisse von dieser Anzeige und sei im Austausch mit dem Betroffenen, der sich zuvor an eine extra bei den SOS-Kinderdörfern eingerichtete Anlaufstelle gewandt habe und dort beraten worden sei.

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