Vier Femizide in 24 Stunden: "Macho-Terrorismus" in Spanien

    Gewalt gegen Frauen in Spanien:Innenminister: "Macho-Terrorismus"

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    Nach vier Femiziden binnen eines Tages spricht Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska von "Macho-Terrorismus". Der Staat werde entschlossen gegen die Verbrechen vorgehen.

    Polizisten in Madrid
    Vier Frauen wurden innerhalb 24 Stunden in Spanien umgebracht.
    Quelle: picture alliance / AA

    Angesichts von vier Frauen, die in Spanien binnen 24 Stunden Opfer partnerschaftlicher Tötungsdelikte wurden, hat Innenminister Fernando Grande-Marlaska männliche Gewalt gegen Frauen als "Macho-Terrorismus" verurteilt. Der Staat werde alles unternehmen, diese Verbrechen zu beenden, sagte Grande-Marlaska nach einer Krisensitzung in Madrid. Alle Polizeidienststellen des Landes seien aufgerufen worden, den Schutz von Frauen und Kindern zu verstärken.
    In Spanien wird der Kampf gegen häusliche Gewalt sehr ernst genommen. Die Gerichte urteilen streng und die Medien berichten ausführlich. In Spanien gibt es auch Sonderstaatsanwaltschaften und spezielle Gerichte für diese Form der Kriminalität.

    Bei akuten gewalttätigen Übergriffen durch den Partner sollten Sie, wenn möglich, die Notruf-Nummer 110 wählen. Frauen finden beim „Hilfetelefon – Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 08000 116 016 oder per Online-Beratung unter www.hilfetelefon.de rund um die Uhr, kostenfrei und anonym Unterstützung. Es werden Personen mit und ohne Behinderung beraten, ein Beratungsgespräch kann auch in vielen verschiedene Sprachen geführt werden. Das Angebot für Männer ist unter der Nummer 0800 1239 900 oder online unter www.maennerhilfetelefon.de zu erreichen.

    Auch wenn Sie ein Angehöriger, Freundin oder Freund einer betroffenen Person sind, können Sie sich bei den genannten Stellen beraten lassen. Bevor Sie als Bezugsperson Ratschläge geben, informieren Sie sich vorher bei den genannten Stellen über die richtige Vorgehensweise.

    Spanien: 44 Frauen durch Männer getötet

    Am Mittwoch hatte ein 52-Jähriger bei Toledo seine 32-jährige Frau umgebracht, die im neunten Monat von einem anderen Mann schwanger war, wie der staatliche TV-Sender RTVE unter Berufung auf die Polizei berichtete. Ebenfalls am Mittwoch erstach nach Polizeiangaben in Madrid ein Mann die 20-jährige Tochter seiner früheren Partnerin.
    In Bilbao wurde eine weitere Frau von ihrem Ex-Freund erstochen. Und in Benidorm stürzte an diesem Donnerstag eine 22-Jährige aus dem sechsten Stock in den Tod - ihr gleichaltriger Freund wurde festgenommen. Damit sei die Zahl dieser Verbrechen im Dezember auf insgesamt zehn gestiegen, berichtete die Zeitung "La Vanguardia". In drei weiteren Fällen bestehe ein entsprechender Verdacht.
    Im vergangenen Jahr starben nach offiziellen Angaben in dem Land mit 47 Millionen Einwohnern 44 Frauen durch gewalttätige Angriffe ihrer männlichen Partner oder Ex-Partner. In Deutschland wurden 2021 insgesamt 109 Frauen Opfer von Mord und Totschlag in Partnerschaften.
    In Deutschland nimmt häusliche Gewalt seit Jahren zu:

    Hilfsorganisation Weißer Ring
    :Zunahme häuslicher Gewalt verzeichnet

    Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt steigen auch in diesem Jahr weiter an, wie die Hilfsorganisation Weißer Ring mitteilt. Betroffene sind vor allem Frauen.
    Es gibt eine neue Kriminalstatistik der Polizei zu häuslicher Gewalt.
    Quelle: dpa

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