Sie sind hier:

Bündnis für faires Spielzeug - Warum faires Spielzeug noch kein Siegel hat

Datum:

Seit einem Jahr nimmt die "Fair Toys Organisation" Kurs Richtung fair produziertes Spielzeug. Was aber immer noch fehlt: Ein passendes Siegel.

In einem großen Raum liegen kleine Teddies auf dem Boden. Rechts hinten in der Ecke sitzt eine Frau auf einem Stuhl und arbeitet.
Noch immer gibt es kein Siegel für fair hergestelltes Spielzeug.
Quelle: Reuters/ Edgard Garrido

Sie bringen Kinderaugen zum Strahlen. Doch bei denen, die sie herstellen, sorgen die Puppen oder Superhelden oft für Leid. Der jährlich erscheinende "Toys Report" zu Arbeitsbedingungen in der Spielzeugproduktion deckte zuletzt Ende 2020 zahlreiche Verstöße zweier chinesischer Spielzeugfabriken auf, die unter anderem auch für Mattel und Fisher Price produzierten.

Siegel soll für faires Spielzeug bürgen

Unbezahlte Überstunden, Hungerlöhne, unzureichender Arbeitsschutz: Die Liste der Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen ist lang. Das will die "Fair Toys Organisation", kurz FTO, ändern.

Vor einem Jahr in Nürnberg gegründet, hat die vom Bundesentwicklungsministerium geförderte Initiative ein ambitioniertes Ziel: Sie möchte ein unabhängiges Siegel einführen, das für eingehaltene Arbeitnehmerrechte und Sozialstandards in der Spielzeugproduktion steht. Bis das Siegel erstmals verliehen werden kann, wird es aber noch dauern.

Man kann Unternehmen mit verzweigten internationalen Lieferketten nicht in einem Jahr seriös zertifizieren. Diese Prozesse können mehrere Jahre dauern.
Maik Pflaum, Vorstandsmitglied der FTO

Dem gegenüber steht der Erwartungsdruck vieler Spielzeughersteller, die das Siegel lieber heute als morgen auf ihren Produkten haben möchten, um damit werben zu können.

Keine übereilte Zertifizierung

Auf dieser Gratwanderung bewegt sich die FTO mit ihren aktuell 26 Mitgliedern. Neben zivilgesellschaftlichen Organisationen gehören ihr 15 der mehr als 600 deutschen Spielzeugunternehmen an. Doch von ihrem Weg abbringen will sich die Initiative von der Zurückhaltung der Branche nicht.

Eine übereilte Zertifizierung kommt für Maik Pflaum nicht infrage: "Schlechte Siegel, die mehr Schein als Sein sind und teilweise auf nur einer sogar vorangekündigten Fabrikkontrolle basieren, gibt es zuhauf."

Mehrere Maßnahmen für bessere Standards

Die FTO setzt darauf, dass Verantwortung und menschenrechtliche Sorgfalt im gesamten Unternehmen verankert werden. "Das fängt mit Schulungen der eigenen Mitarbeiter und dem Aufbau eines Beschwerdesystems an den Produktionsstandorten an. Fabrikkontrollen runden diese Werkzeuge lediglich ab", betont der FTO-Mitinitiator und Referent für Arbeitsrechte bei der Christlichen Initiative Romero.

Auch beim FTO-Mitglied, dem Puppenhersteller Zapf Creation, ist man überzeugt, dass es für Unternehmen zunehmend schwieriger werden wird, zu erklären, wenn ihr Spielzeug nicht das FTO-Siegel trägt.

Aus Alt mach Neu - ein soziales Projekt repariert altes Spielzeug und gibt es an einkommensschwache Familien weiter.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Imagepflege der Hersteller und Orientierung für Kunden

"Gesellschaftliche Verantwortung sichtbar zu machen, ist ja nicht nur eine Frage der Kommunikation. Sondern oft eine Frage von Zertifikaten und Siegeln, die besondere Leistungen bestätigen und Orientierung bieten, besonders beim Konsumenten", betont Thomas Eichhorn, Vorstandschef des Puppenherstellers und FTO-Vorstandsmitglied.

"Aus meiner Sicht bietet dieser Ansatz nach der Verabschiedung des Lieferkettengesetzes zudem den Vorteil, dass Spielwarenhersteller mit Hilfe der FTO Lösungsstrategien entwickeln und umsetzen können, um fit für die Lieferkette zu werden."

Ergänzung zum Lieferkettengesetz

Nicht nur für Eichhorn schließt die FTO eine Lücke in der Spielwarenbranche. Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller sieht in der FTO eine sinnvolle Ergänzung zum Lieferkettengesetz: "Wir brauchen beides: Zum einen Mindeststandards. Diese werden vom Lieferkettengesetz festgelegt. Zum anderen Vorreiterinitiativen, wie die Fair Toys Organisation. Sie sind wichtig, weil sie darüber hinausgehen."

Der CSU-Politiker weiter:

Es kann nicht länger sein, dass noch immer Kinder für unser Spielzeug arbeiten müssen.

"Oder die Arbeiterin in Asien 14 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, für einen Stundenlohn von weniger als 40 Cent schuftet."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.