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Universität Augsburg - Festnahme wegen Spionage für Russland

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Ein Mitarbeiter des Instituts für Materialforschung der Uni Augsburg wurde festgenommen. Er soll für den russischen Geheimdienst spioniert haben.

Bayern, Augsburg: Der Campus der Universität ist an seinem zentralen Platz bei der Mensa menschenleer. Archivbild
Es könnte sich beim Fall an der Uni Augsburg um Industriespionage handeln.
Quelle: dpa

Am Freitag hat der Generalbundesanwalt einen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität Augsburg festnehmen lassen. Der russische Staatsbürger Ilnur N. soll für den russischen Geheimdienst spioniert haben. N. arbeitete am Institut für Materialforschung der Universität Augsburg (Institut für Materials Resource Management) in der Abteilung AG Werkstoffe und Mechanik.

Forschungsschwerpunkte sind die Untersuchung von hybriden Werkstoffen, also Materialien, die aus mehreren Einzelkomponenten hergestellt werden.

Geht es um Militärtechnik?

Typischer Anwendungsfall dieser Forschung ist zum Beispiel Flugzeug- oder Fahrzeugbau, etwa mit dem Ziel leichte, aber dennoch stabile Materialien zu entwickeln. Was genau Forschungsschwerpunkt der entsprechenden Abteilung ist, wollte die Pressestelle der Universität Augsburg nicht verraten. Auch die Frage, ob die Abteilung sich mit Wehr- oder Militärtechnik beschäftigt, blieb unbeantwortet.

Die Universität bestätigt allein, dass ein Mitarbeiter unter Tatverdacht steht und es an der Universität eine Durchsuchung gegeben hat.

Bei zwei Treffen Infos der Uni weitergegeben

Laut Bundesanwaltschaft wurde auch die Wohnung des Beschuldigten durchsucht. Dieser sei dringend verdächtig, sich zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 mindestens dreimal mit einem Angehörigen eines russischen Auslandsgeheimdienstes getroffen zu haben. Bei mindestens zwei dieser Treffen gab er Forschungsinformationen der Universität weiter. Im Gegenzug hierfür soll er Bargeld erhalten haben.

Nach ZDF-Informationen sollen die Bargeldzahlungen eher niedrigschwellig sein. Von Zahlungen im unteren dreistelligen Bereich ist die Rede. Die von Ilnar N. weitgegebenen Informationen seien zwar nicht als geheim eingestuft, jedoch unveröffentlicht gewesen. Möglicherweise befand sich der russische Geheimdienst und Ilnar N. noch in der erweiterten Anbahnungsphase der Spionagetätigkeit, in der auch für weniger relevante Informationen bereits niedrige Geldbeträge zur Vertrauensbildung gezahlt werden.

Nicht unwahrscheinlich ist also, dass der russische Geheimdienst darauf setzte, in Zukunft von Ilnar N. sicherheitsrelevantes Forschungsmaterial zu erhalten, auch Industriespionage könnte hinter der mutmaßlichen Spionagetätigkeit stecken.

Spionage vermutlich kein Einzelfall

Der Fall Ilnar N. könnte nur die Spitze des Eisbergs sein. Die verhältnismäßig geringe Summe, die Ilnar N. erhalten haben soll sowie dessen Stellung als bloßer wissenschaftlicher Mitarbeiter deuten darauf hin, dass der russische Geheimdienst in die Breite in Deutschland Spionage betreibt. Wenn selbst wissenschaftliche Mitarbeiter für Russland von Interesse sind, dürfte zudem die Bestrebungen auch darauf gerichtet sein, Informationen von Topwissenschaftlern zu erhalten.

Ilnar N. wurde am vergangenen Samstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der den Haftbefehl eröffnet hat. Er sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Auf Spionagetätigkeit steht in Deutschland eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe (§ 99 StGB).

Dem Autor auf Twitter folgen: @fewizi.

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von Oliver Klein
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