Energiekrise: Städte halten an Weihnachtsmärkten fest

    Spardebatte in Energiekrise:Städte halten an Weihnachtsmärkten fest

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    Wenn es nach den deutschen Städten geht, kommt eine Absage von Weihnachtsmärkten derzeit nicht infrage. Energiesparauflagen, etwa ein Beleuchtungskonzept, soll es nicht geben.

    Trotz Energiekrise kommt eine Absage von Weihnachtsmärkten für deutsche Städte derzeit nicht infrage. Auch Energiesparauflagen, etwa mit Blick auf das Beleuchtungskonzept, sind nicht Teil der Planungen, so eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes unter 38 Städten im Bundesgebiet.
    Die wirtschaftlichen Folgen einer Absage wären nicht nur für Standbetreiber, sondern auch für die Tourismusbranche "verheerend", sagte eine Sprecherin der Stadt Lübeck. Viele Städte betonten zudem die soziale Bedeutung der Märkte. In der Bevölkerung gebe es einen hohen "Bedarf an Normalität", teilte die Stadt Worms mit.

    Einsparmaßnahmen: Bundeseinheitliche Regelung gefordert

    Die Kommunen hätten derzeit ohnehin keine Handhabe, privatwirtschaftlich organisierte Märkte abzusagen oder Auflagen zu erlassen. Eine entsprechende Ermächtigungsgrundlage existiere nicht, hieß es in Potsdam. Eine Sprecherin der Stadt Köln sagte:

    Sollte sich die Gasmangellage zuspitzen, erwarten wir eine bundeseinheitliche Regelung bezüglich weiterer Einsparmaßnahmen.

    Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) betont: "Die Abwägungsentscheidung zwischen der notwendigen Energieeinsparung auf der einen Seite und der Erhaltung der Innenstadtbeleuchtung oder der Durchführung von Weihnachtsmärkten auf der anderen Seite können die Städte und Gemeinden nur vor Ort treffen", so DStGB-Sprecher Alexander Handschuh.
    Indes begrüßte es der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) als "richtig und gut", dass die Bundesregierung Volksfeste bei der am 1. September in Kraft getretenen Energiesicherungsverordnung ausgenommen hat.

    Städte verweisen auf energieeffiziente LED-Technik

    Ohnehin scheint das Einsparpotenzial der Märkte gering. Fast alle Städte verwiesen darauf, dass die Weihnachtsbeleuchtung von Städten und Marktbetreibern längst auf energieeffiziente LED-Technik umgerüstet worden sei. Die Verdunklung der Städte sei schon aus Sicherheitsgründen keine Option, hieß es etwa in Leipzig.
    Mehrere Städte teilten jedoch mit, dass sie die Beleuchtungsdauer reduzieren wollen, in Dortmund etwa von den bisher üblichen 24 Stunden auf die Hälfte der Zeit. Beim Essener Weihnachtsmarkt soll gut 20 Prozent weniger Strom verbraucht werden.

    Umwelthilfe fordert Verzicht auf Weihnachtsbeleuchtung

    Hintergrund ist die Forderung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) angesichts der Energiekrise in diesem Jahr auf Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland:

    In diesem Winter sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sowohl auf die Weihnachtsbeleuchtung in Städten, wie auch die der Häuser und Wohnungen verzichtet wird.

    Laut dem Städte- und Gemeindebund gehe es sowohl um die Frage, wie hoch das zu erzielende Einsparpotenzial ist, als auch um die wirtschaftlichen Folgen des Verzichts etwa für den Einzelhandel. Der Vorschlag der Deutschen Umwelthilfe verkennt nach Ansicht des DStGB die jeweils unterschiedlichen Rahmenbedingungen und sei daher "in der Pauschalität nicht zielführend".
    Und wie reagieren die Kirchen in der für viele Gläubige bedeutungsvollen Weihnachtszeit? Um Energie zu sparen, verzichteten viele Kirchen seit einiger Zeit auf aufwendige Außenanstrahlungen, teilte ein Sprecher der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit. Die vorweihnachtlichen Lichter, die in den Kirchen die Geburt Jesu ankündigten, seien "keine grellen Gigawatt-Lichter, sondern flackernde Hoffnungszeichen".
    Quelle: epd, dpa

    Energiekrise in Deutschland