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Risiko Starkregen - Studie: Städte müssen zu "Schwämmen" werden

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Heftigen Starkregen gibt es immer häufiger. Das haben diese Woche gleich zwei Studien gezeigt. Für viele Städte zunehmend ein großes Problem, auf das sie sich einstellen müssen.

Nach einem starken Regenschauer quillt Wasser aus der Kanalisation auf der Friedrichstraße in Berlin-Mitte.
Starke Regenfälle überfordern häufig die Kanalisation in Städten.
Quelle: dpa

Wassermassen quellen aus dem Gully, Unterführungen laufen voll, Feuerwehrleute pumpen Keller leer. Gerade in den Städten ist der Schaden groß, wenn urplötzlich Regen in großen Mengen herabprasselt. Und das wird künftig immer häufiger und heftiger vorkommen, bestätigen Wissenschaftler.

Regenintensität gestiegen

Um drei bis 19 Prozent sei die Regenintensität durch den Klimawandel in Mitteleuropa schon gestiegen, teilte die World Weather Attribution-Initiative, ein internationales Wissenschafts-Team, erst am Dienstag mit. Der Grund: Je wärmer die Atmosphäre, desto mehr regnet es.

Hochwasserkatastrophen gibt es immer wieder – zuletzt im Ahrtal und an der Erft. Doch die Wahrscheinlichkeit für solche Naturkatstrophen steigt. Das liegt auch am Klimawandel.

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"Pro Grad Temperaturzunahme kann die Atmosphäre etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen", erklärt Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst (DWD). "Der Wasserdampf verdunstet, aber irgendwann fällt er als Regen wieder runter."

Dass das Folgen hat, zeigt auch eine heute vorgelegte Analyse des DWD zusammen mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dem Technischen Hilfswerk und des Bundesinstituts für Bau- Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das Kernergebnis: "Wir haben festgestellt, dass Starkregen überall auftreten kann", sagt Fuchs. "Das heißt: Keiner ist geschützt." Besonders kurzzeitige Extrem-Ereignisse hätten sich seit 2001 verstärkt und kommen häufiger vor. Dauerregen gibt es dagegen seltener. 

Verheerende Überschwemmungen zeigen, dass der Klimawandel auch in Deutschland Folgen hat. Die Extremwetterereignisse nehmen im Zuge der Klimakrise weiter zu.

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Versiegelung als Problem

Die Expertinnen und Experten haben solche Starkregenereignisse der letzten 20 Jahre in Verbindung mit Einsätzen von Feuerwehr und Co. ausgewertet. Dabei kam heraus, dass die größten Schäden an den Orten in einer Stadt entstehen, an denen besonders viel Beton oder Asphalt den Abfluss oder die Versickerung behindern, wo also der Boden versiegelt ist. Außerdem in Mulden, wo sich das Wasser gut sammeln kann, zum Beispiel in Unterführungen.

Daneben sei auch das Kanalsystem oft zu alt und für solche Wassermengen nicht ausgelegt, erklärt Prof. Roland Müller vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Zusammen mit der zunehmenden Versiegelung ein Problem. Für Müller könnten die Lösung so genannte "Schwammstädte" sein. In ihnen werde das Wasser nicht in Kanäle abgeleitet, sondern es wird gespeichert - eben wie in einem Schwamm.

Modellstadt Leipzig

Leipzig sei dafür eine Art "Modellstadt", so Müller. Dort wird gerade - mit Hilfe des UFZ - ein Wohnviertel konzipiert, in dem das Wasser etwa in grünen Innenhöfen, in Baumrigolen, über durchlässige Beläge oder auf bepflanzten Dächern versickert – und dabei teils auch in Speichersysteme läuft. Noch gibt es das Viertel nicht. Das Prinzip funktioniere aber natürlich auch bei bestehender Bebauung, erklärt der Experte.

Ich kann nur raten, schnell damit zu beginnen, denn es ist ja nicht von heute auf morgen bauseitig lösbar.
Prof. Roland Müller, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Natürliche Böden verschwinden, Straßen und Plätze werden betonier. ‎Unsere Großstädte haben ein Problem. Anders Leipzig: Hier wird ein neuer Stadtteil wird zur Schammstadt.

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Solche "Schwammstadt"-Lösungen schützen übrigens nicht nur bei Starkregen. Sie kühlen auch bei Hitze und außerdem kann mit dem gespeicherten Wasser gegossen werden. Dass sich in den Städten schnell etwas tun muss, empfiehlt auch die neue Analyse.

"Wir müssen das Stadtbild verändern, wir müssen Wasser frühzeitig auffangen", schlägt DWD-Experte Fuchs vor. Und Dr. Peter Jakubowski vom BBSR mahnt mit Blick auf künftige Bauprojekte zu dem Prinzip "mehr Wohnraum auf weniger Fläche." Der Boden dürfe nicht zu stark versiegelt werden. Dabei seien auch private Eigentümer und Bauherren in der Pflicht.

"Wir müssen mehr tun"

Die neue Analyse soll von jetzt an jährlich aktualisiert werden. Daten und Erkenntnisse, die "dem Bevölkerungsschutz und auch der Stadtentwicklung sehr wichtiges Material an die Hand geben, damit die sich noch besser vorbereiten können, als das jetzt schon der Fall ist", so Fuchs. Denn: "Wir müssen mehr tun, sowohl in Sachen Klimaschutz als auch in Sachen Klimaanpassung."

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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