Sie sind hier:
FAQ

Sturzfluten und Überschwemmung - Wie man sich vor Starkregen schützen kann

Datum:

Starkregen kann quasi jede Region in Deutschland treffen - und schwere Schäden anrichten. Wie kann man vorsorgen? So können Sie sich am besten gegen Wassermassen wappnen.

Durch Starkregen kam es zu einem Erdrutsch am 14.07.2021 in Altena
Wassermassen in der Stadt Altena, NRW, am Mittwoch
Quelle: dpa

Extreme Wetterereignisse gab es schon früher, jedoch nährt die aktuelle Hochwasser-Katastrophe Zweifel, ob öffentliche Strukturen und Bürger auf häufigere und heftigere Vorkommnisse in Folge des Klimawandels vorbereitet sind.

Was zählt als Starkregen?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht ab einer Niederschlagshöhe von zehn Millimetern in 60 Minuten oder 1,7 Millimetern in zehn Minuten von Starkregen. Ab 25 Millimeter Niederschlag wird eine Unwetterwarnung herausgegeben, ab 40 Millimetern gilt der Regen als "extremes Unwetter".

Ein Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter entspricht einem Liter Wasser. Für die aktuell besonders betroffenen Gebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen warnte der DWD zu Wochenbeginn vor bis zu 200 Litern Regen pro Quadratmeter in 48 Stunden.

Betroffene berichten von der Wucht des Hochwassers an der Ahr, von ihren zerstörten Häusern in Schuld im oberen Ahrtal. Sie sind oft ratlos – wissen nicht, wie es weitergeht. Reporter Bobby Cherian schildet von dort seine Eindrücke.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

"Solche Niederschläge sind so konzentriert, dass es bei dem vielen Wasser kaum zur Versickerung kommt, wie dies bei langandauernden normalen Regenfällen der Fall ist", sagt Boris Lehmann, Professor für Wasserbau und Hydraulik an der TU Darmstadt. Statdessen fließen sie, oft als reißende Sturzbäche, über Hänge, Straßen und kleinere Flüsse zu niedrig gelegenen Punkten. Auf diesem Weg kann das Wasser schwere Verwüstungen anrichten.

Wenn sich das Wasser dann an einem tiefen Punkt sammelt, können anhaltende Überschwemmungen die Folge sein. Starkregen birgt also zwei grundsätzlich verschiedene Bedrohungsszenarien und unterscheidet sich so auch von saisonal auftretenden Überflutungen.

Welche Gebiete sind besonders gefährdet?

Fast jeder Ort in Deutschland sei in den letzten zwei Jahrzehnten von Starkregen betroffen gewesen, betont Andreas Becker, Leiter des Weltniederschlagszentrums beim DWD.

Starkregen kann jeden treffen!
Dr. Andreas Becker, Deutscher Wetterdienst

Auch das Umweltbundesamt warnt, dass Starkregenereignisse auch "Städte, Gemeinden und Haushalte treffen, die möglicherweise aufgrund mangelnder Hochwassererfahrung nicht auf derartige Ereignisse vorbereitet sind."

Dauerregen von mehr als 12 Stunden trete besonders häufig in den Mittelgebirgen und dem Alpenvorland auf. "Schäden entstehen vor allem durch kurze, kaum vorhersehbare Extremregen [mit] bis zu neun Stunden Dauer", erklärt Becker. "Auch in heißen, trockenen Jahren gibt es viele Starkregen."

Aufteilung der einwohnerstärksten Städte Deutschlands in Starkregengefährdungsklassen

Kann man sich gegen Schäden versichern?

Um Risiken besser einschätzen zu können, bestimmen Versicherungen Gefährdungsklassen für Immobilien. Danach richten sich die Versicherungstarife. Auch die zuständigen Landesämter erstellen solche Gefährdungskarten für Hochwasser und Starkregen - teils sind sie online einsehbar, teils müssen sie gegen eine Gebühr beantragt werden.

Viele Gebäude- und Hausratversicherungen verlangen je nach Schadensursache Zusatzversicherungen, etwa gegen Elementarschäden. Weitere Informationen rund ums Thema Versicherungen finden Sie in diesem Artikel:

Verbraucher | Volle Kanne - Wer zahlt bei Unwetterschäden? 

Welche Versicherung im Schadensfall greift.

Videolänge
8 min

Wie kann man sich langfristig gut vorbereiten?

Auf der Webseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt es Checklisten und andere Handreichungen für den Katastrophenfall. Auf dem BBK-YouTube-Kanal finden Sie auch praktische Anleitungen, wie Sie Häuser und Wohnungen wetterfest machen können.

Katastrophenschützer empfehlen, Vorräte an Wasser, Lebensmitteln und einen medizinischen Notfallkoffer anzulegen. Wichtige Dokumente sollten nicht erst mühsam herausgesucht werden müssen. Auch ein Stromaggregat kann Leben retten. Besprechen Sie zentrale Informationen mit den Menschen in Ihrem Haushalt. Bereits sich mit diesen Themen vorab einmal beschäftigt zu haben, kann im Notfall einen Unterschied machen.

Wer sein gesamtes Umfeld langfristig schützen möchte, kann sich auch bei Feuerwehr, Technischem Hilfswerk oder in der Lokalpolitik engagieren und dort auf Schutzmaßnehmen hinwirken.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Eine Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2019 nennt zahlreiche städtebauliche Maßnahmen, mit denen die zerstörerische Kraft von Starkregen begrenzt werden könnte: Begrünung von Flächen, Renaturierung von Flüssen oder reformierte Bebauungspläne.

"Wir müssen die gebaute Umwelt klimawandelresilienter hinbekommen. Neben dem Klimaschutz muss die Politik die Klimaanpassung endlich zur nationalen Aufgabe erheben", sagt Lamia Messari-Becker, Professorin für Gebäudetechnologie an der Universität Siegen. DWD-Experte Becker merkt jedoch auch an, dass solche Maßnahmen zur "Klimaanpassung" teurer seien als Klimaschutz.

Unsere ZDF-Reporterin Dorthe Ferber berichtet aus Erftstadt. Hier brechen noch immer Erdteile des Kraters ab, der sich durch das Hochwasser gebildet hat.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Wie kann man sich kurzfristig schützen?

Auch wer nur wenig vorgesorgt hat, kann bei einer akuten Bedrohung Schritte unternehmen, um mögliche Schäden zu begrenzen. Hier einige exemplarische Beispiele:

  • Über die Bundes-Warn-App Nina, die Social-Media-Seiten von DWD und BBK oder Medienberichte kann man sich informieren. Das ist notwendig, da sich eine Bedrohungslage mitunter innerhalb von Minuten ändern.
  • Bedenken Sie, dass auch Ihre örtliche Verwaltung unter Umständen nur verzögert warnen kann, falls ihre Kommunikationswege beeinträchtigt sind. Womöglich sind Webseiten nicht erreichbar, Telefonleitungen gestört oder zuständige Mitarbeiter selbst mit Rettungsmaßnahmen gebunden.
  • Selbst schwache Strömungen können Menschen mitreißen, treibende Gegenstände oder herabstürzende Trümmer oder Äste sind eine Gefahr.
  • Sollten Sie ihre eigenen vier Wände verlassen müssen, seien Sie vorsichtig. Die Wassermassen lassen oft keine klare Sicht zu und sind wegen Chemikalien oder Abwasser gesundheitsschädlich. Überprüfen Sie die Wassertiefe, suchen Sie höhergelegene Orte auf, haben Sie Erdrutsche und Unterspülungen im Blick.
  • Strom- und Gasleitungen können eine Gefahr sein. Kurzschlüsse können Brände auslösen. Erkundigen Sie sich, wie Sie Sicherungen entfernen. Sollten Sie dafür bei steigendem Wasser den Keller aufsuchen, seien Sie besonders vorsichtig.

Weitere Hinweise finden Sie auf den Informationsseiten von Rettungsorganisationen und zuständigen Ämtern. Aktuelle Entwicklungen zur Hochwasser-Katastrophe können Sie in unserem Liveblog verfolgen.

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Liveblog

Tote, Verletzte, Vermisste - Unwetter-Katastrophe in Deutschland  

Deutschland kämpft mit den Folgen der schweren Regenfälle in einigen Teilen Westdeutschlands. Hier die Ereignisse zum Nachlesen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.