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Umstrittenes Starlink-Projekt - Bald doppelt so viele "Sterne" am Himmel

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Während Corona die Welt in Atem hält, erobert eine private Firma das All: Sie verändert das Aussehen des Himmels grundlegend - und alle schauen zu. Was geht da vor?

Elon Musks Firma SpaceX schickt hunderte Satelliten ins All, um besseres Internet auch in entlegene Regionen zu bringen. Das ist umstritten.

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Es ist ein Projekt der Superlative: 42.000 Satelliten will Elon Musk mit seiner Firma SpaceX ins All schicken. Die Umsetzung hat längst begonnen, viele haben es nicht mal mitbekommen. Dabei verändert "Starlink" den gesamten Nachthimmel: Bald wird es so aussehen, als gäbe es doppelt so viele Sterne am Himmel, prognostizieren Forscher.

Bei den vermeintlichen Sternen handelt es sich um Satelliten-Ketten, die den Himmel "schmücken". Sie sind mit bloßem Auge sichtbar - für alle Menschen, überall auf der Welt. Hinter dem Projekt steht das private US-Unternehmen, das weltweit schnelleres Internet verspricht: SpaceX.

Darf ein privates Unternehmen das?

Die Antwort darauf ist so simpel wie umstritten: Ja. "Private Unternehmen dürfen mit staatlicher Genehmigung frei im All agieren - so steht es im internationalen Weltraumvertrag", erklärt Professor Stephan Hobe, Direktor des Instituts für Weltraumrecht der Universität Köln. "Details werden nirgends reguliert, schon gar nicht international."

Tausende Satelliten, ohne die Genehmigung anderer Länder, ohne Qualitätskontrolle: Das ist legal, weil SpaceX mit der US-Raumfahrtbehörde NASA zusammenarbeitet. Gründer Elon Musk sicherte sich das Projekt bereits in Zeiten von Ex-US-Präsident Barack Obama. Damals standen die hohen Finanzierungskosten der NASA für Raketenstarts in der Kritik. Musk und sein Raumfahrt-Unternehmen nutzten die Gunst der Stunde.

Experte: "Ein Aufschrei wäre notwendig"

Der führende Weltraumrechts-Experte Hobe übt scharfe Kritik an der liberalen Gesetzgebung im All: "Ein Aufschrei wäre notwendig. Viele sind im Rausch der neuartigen Möglichkeiten und sehen die Risiken nicht", so Hobe im Interview mit ZDFheute. "Ja, wir wollen schnelleres Internet und verbesserte Technologien. Aber das dürfen wir nicht übers Knie brechen, sonst entstehen Kollateralschäden."

Denn die Starlink-Satelliten verändern den Nachthimmel nicht nur optisch. International schrecken Forscher und Astronomen auf, sie sehen ihre Langzeitmessungen im All gefährdet. Kritik übt unter anderem die International Astronomical Union (IAU). Sie fürchtet um ihre Forschungsergebnisse sowie die Auswirkungen der "Fremdkörper" für Mensch und Tier.

Kritik an "Starlink" berechtigt - aber lösbar

Starlink-Satelliten erschweren die optische Auswertung astronomischer Daten bereits heute - dabei befindet sich erst ein Bruchteil der geplanten Satelliten im All. Sie hinterlassen "Leuchtspuren" in den Teleskop-Bildern mit Langzeitbelichtung, erklärt Hans-Walter Rix, Direktor am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Dennoch gibt er Entwarnung: "Es ist ein mathematisch lösbares Problem", so Rix. Es gebe Software-Möglichkeiten, um jene Leuchtspuren aus den Aufnahmen zu eliminieren. Am Ende sei es eine Frage der richtigen Bildbearbeitungsprogramme und Speicherkapazitäten.

Elon Musk setzt auf Zusammenarbeit

Musk präsentiert sich indes kooperativ mit der Wissenschafts-Community, berichtet Rix aus internen Kreisen. Neben Software-Lösungen verspricht SpaceX, mittels modernster Technik Weltraumschrott zu vermeiden und möglichst unsichtbare Satelliten zu entwickeln.

Eine Einhaltung dieser Versprechen wird jedoch niemand überprüfen, befürchtet Rechtsexperte Hobe. Er fordert deshalb eine neue Nutzungsordnung, die das vermehrt aufkommende private Agieren im All reguliert. Dafür bräuchte es allerdings eine Staatengemeinschaft, die ihre Verantwortung auch im All wahrnehme.

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