Sie sind hier:

Studie zu Verkehr in Deutschland - Wo Pendler dreieinhalb Tage im Stau stehen

Datum:

Fast zwei Tage lang stehen Pendler in Deutschland durchschnittlich pro Jahr im Stau - im internationalen Vergleich nicht viel. In manchen Ländern ist es vier Mal so lang.

Berufspendler stehen im Stau. Archivbild
Wer in Deutschland Auto fährt, braucht oft gute Nerven.
Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Stau auf dem Hinweg, Stau auf dem Rückweg: Pendler in großen deutschen Städten leiden unter dem dichten Verkehr. Am schlimmsten trifft es sie einer Studie zufolge in München. Wer dort mit dem Auto zum Job fährt, verlor vergangenes Jahr 87 Stunden, wie aus einer am Montag veröffentlichten Analyse hervorgeht.

Ausgerechnet in der Stadt, die künftig die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) ausrichtet, kosten Stau und zähflüssiger Verkehr die Pendler also mehr als dreieinhalb Tage pro Jahr. Dahinter folgen Berlin mit 66 Stunden und Düsseldorf mit 50 Stunden. Der Zeitverlust wurde jeweils im Vergleich zur Fahrtdauer bei freier Straße ermittelt.

Grafik: Die staureichsten Städte 2019
Grafik: Die staureichsten Städte 2019
Quelle: INRIX Global Traffic Scorecard, März 2020 - Foto: dpa

Wie lange die Deutschen im Stau stehen

Im Durchschnitt ergab sich laut Erhebung ein Zeitverlust von 46 Stunden für die Pendler in den 74 untersuchten deutschen Städten. Weitere stark betroffene Orte in Deutschland sind unter anderem Hamburg mit 48 Stunden Zeitverlust, Stuttgart und Nürnberg mit je 42, Köln mit 41, Hannover mit 40 sowie Bremen mit 37 und Frankfurt am Main mit 36 Stunden.

Im internationalen Vergleich kommen die deutschen Pendler dabei noch vergleichsweise gut davon: Im kolumbianischen Bogota und im brasilianischen Rio de Janeiro summiert sich der Zeitverlust auf 191 beziehungsweise 190 Stunden. Die Städte mit dem höchsten Zeitverlust in Europa sind Rom und Paris mit 166 beziehungsweise 165 Stunden pro Jahr.

Wie ADAC oder TomTom die Pendlerströme messen

Die aktuellen Staudaten weichen nach einer Umstellung der Methodik teilweise massiv von denen ab, die der Verkehrsdatenanbieter Inrix noch vergangenes Jahr gemeldet hatte.

Nachdem jetzt auch viel befahrene Pendlerstrecken zu Zielen außerhalb der Stadtzentren herangezogen werden, sinken die Zeiten beispielsweise für Berlin um mehr als die Hälfte. Die alte Methodik ergab dort 154 Stunden für 2018, für 2019 wurden jetzt nach dem neuen System nur noch 66 Stunden ermittelt.

Zudem kommen andere Studien zu anderen Ergebnissen. So sieht der Navigationsgerätehersteller TomTom München nur auf dem vierten Platz der am stärksten von Stau betroffenen deutschen Städte hinter Hamburg, Berlin und Wiesbaden. Weltweit sieht diese Liste Bangalore in Indien und Manila auf den Philippinen als die am stärksten belasteten Städte.

Der ADAC wiederum sieht sich regelmäßig an, in welchen Bundesländern es am meisten Staus auf den Autobahnen gibt. 2019 lag dabei erneut Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland vorne. Dahinter folgten Bayern und Baden-Württemberg.

Experte: Kritik an Stau-Rankings

Justin Geistefeldt, Professor für Verkehrswesen an der Ruhr-Universität Bochum, findet die gängigen Stau-Rankings grundsätzlich "ein Stück weit problematisch", weil sie Besonderheiten der einzelnen Städte nicht ausreichend berücksichtigten. "Was da verglichen wird, ist oft nicht gut vergleichbar", sagt er. Dennoch lieferten die Studien aber gewisse Hinweise. "Es gibt kaum eine bessere Datengrundlage, um das Staugeschehen zu bewerten."

Inrix verkauft Verkehrsanalysen und Dienstleistungen für vernetzte Autos an Verwaltungen und Unternehmen. Je größer die Stau-Probleme erscheinen, desto besser sind die Geschäftsaussichten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.