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60. Jahrestag : Anwerbeabkommen: Steinmeier dankt Türken

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Deutschland verdanke den sogenannten Gastarbeitern, ihren Kindern und Enkeln viel, sagte der Bundespräsident. Er krisierte aber auch die mangelhafte Integrationspolitik.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wies bei seiner Rede zum 60. Jarestag auf die immernoch bestehende Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund hin.
Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa/Archiv

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Aufbauleistung von Türken, Italienern und Menschen aus vielen anderen Staaten in Deutschland gewürdigt und sich bei ihnen dafür bedankt.

Steinmeier prangert Diskriminierung an

Zugleich prangerte er am Freitag in Berlin die noch immer bestehende Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund an. Er rief sie dazu auf, die Gesellschaft in Deutschland mitzugestalten. Steinmeier sagte bei einer Gesprächsrunde im Schloss Bellevue zum 60. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei:

Nehmen Sie sich den Platz, der Ihnen zusteht, den Platz in der Mitte, und füllen Sie ihn aus.
Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

Er betonte, Deutschland verdanke den sogenannten Gastarbeitern, ihren Kindern und Enkeln viel. "Nicht nur das deutsche Wirtschaftswunder, nein, die Entwicklung dieser deutschen Gesellschaft war und ist maßgeblich getragen von Italienern, von Griechen, von Spaniern und Türken", sagte der Bundespräsident laut Redemanuskript. Er würdigte ausdrücklich auch die "Lebensleistung der Menschen aus den sogenannten Bruderstaaten der DDR" wie Kuba, Vietnam und Mosambik.

Kritik an Integrationspolitik

"Sie alle haben viel dazu beigetragen, dass Deutschland heute gesellschaftlich offener und vielfältiger, wirtschaftlich stärker und wohlhabender ist." Zugleich wies Steinmeier auf die unwürdige Behandlung der damals nach Deutschland geholten Menschen hin, etwa "erniedrigende Leibesvisitationen bei Einstellungsuntersuchungen".

Und: "Es gab keine Sprachkurse, keine Unterstützung, keine Integrationspolitik, und zwar aus dem einfachen Grund, dass Integration schlicht nicht gewünscht war."

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Steinmeier: Immernoch Ausgrenzung und Vorurteile

Steinmeier kritisierte, dass sich die Chancen auf Bildung und sozialen Aufstieg für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund noch immer um Welten unterschieden. Bis heute gebe es zudem Ausgrenzung und Vorurteile im Alltag. Das zeige sich, wenn bei der Jobbewerbung aussortiert und die Wohnungssuche zum Spießrutenlauf werde. "Ist das nicht eine ähnliche Geisteshaltung, die da zum Vorschein kommt, ein ähnliches Menschenbild wie vor 60 Jahren, als man keinen Anstoß daran nahm, Menschen wie Arbeitsmaschinen zu behandeln?"

Der Bundespräsident kritisierte zudem, dass das Bild des Islams hierzulande von Stereotypen und Vorurteilen geprägt sei. Er plädierte für die Ausbildung von Imamen in Deutschland und islamischen Religionsunterricht an den Schulen. "Musliminnen, Muslime sollen ihren Glauben in all seiner Vielfalt im Herzen unserer Gesellschaft leben können - mit und nicht gegen unsere Demokratie", betonte Steinmeier.

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