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Kritik an Plänen von Ministerin - Welche Folgen die Wolfsjagd haben könnte

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Landwirtschaftsministerin Klöckner fordert, härter gegen Wölfe vorzugehen. Wildtierforscher halten das für keine gute Idee. Sie warnen vor den Folgen für den Bestand der Tiere.

Wann wurde aus dem Wolf der beste Freund des Menschen?
Abschuss oder Schonung? Um die Wolfsjagd streiten Politiker, Landwirte und Naturschützer.
Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Für Ministerin Julia Klöckner (CDU) gibt es keine Alternative: Dem Wolf müsse stärker auf den Pelz gerückt werden. 2019 hätte er fast 3.000 Nutztiere getötet oder verletzt. "Wo soll das enden, wenn man es einfach ließe?", fragte sie in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ihre Partei trete deshalb für ein "regionales Bestandsmanagement" ein. Heißt: für gezielte Abschüsse in Gebieten mit hohen Populationen.

Forscherin: Abschuss-Legalisierung senkt Hemmschwelle

Aus Sicht von Prof. Stephanie Kramer-Schadt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) wäre das gefährlich. "Der Eindruck, der durch die momentane Besiedelungsdynamik entsteht, bedeutet nicht im Umkehrschluss, dass sich die Population in einem 'stabilen' Zustand befindet."

Wolfsabschüsse teilweise zu legalisieren, senke auch die Hemmschwelle für illegale Tötungen - wie das zum Beispiel in Schweden zu beobachten sei. So könne der Bestand schnell wieder dramatisch zurückgehen. 

Bauern: Weidetiere im "Hochsicherheitstrakt"

Mit ihrer Forderung ist Klöckner allerdings nicht allein. Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) will die Bestände von Wölfen "reguliert" sehen. "Der immer geforderte Erhaltungszustand des Wolfes ist längst erreicht", sagte im April DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Nun breite er sich zu stark aus - mit Folgen für die Weidetierhalter, von denen viele bald das Handtuch werfen müssten. Den Weidegang werde es "nur noch in aufwendigen Hochsicherheitstrakten geben".     

Dass Schutzmaßnahmen finanziell und personell oft nicht stemmbar seien, glaubt auch Kramer-Schadt. "Da müsste mehr Unterstützung geboten werden." Dennoch: Auch ohne den Abschuss von Wölfen sei Herdenschutz "effektiv möglich", sagt sie. Er müsse einheitlich und präventiv durchgeführt werden.

Problematisch ist, dass viele Übergriffe passieren, wo die Schutzmaßnahmen nicht eingeführt waren oder der Zaun löchrig, lückenhaft oder sonst wie unsachgemäß aufgestellt war.
Prof. Stephanie Kramer-Schadt

Wolf breitet sich aus

Richtig ist, dass sich der Wolf in Deutschland zunehmend heimisch fühlt. Nach hundertfünfzig Jahren Pause tauchten im Jahr 2000 in Sachsen wieder zwei Rudel auf, eingewandert aus Osteuropa. 2020 waren es laut dem Monitoring-Bericht "Wölfe in Deutschland" schon 128 Rudel, 35 territoriale Paare und zehn Einzeltiere.

Bisher ist der Wolf streng geschützt und darf nur in Ausnahmefällen mit behördlicher Genehmigung gejagt oder gefangen werden - etwa, weil er wiederholt Nutztiere reißt. Im Zeitraum Mai 2019 und April 2020 ist allerdings nur ein einziges Tier erschossen worden. Weitaus häufiger werden die Tiere von Autos "erlegt" - im selben Zeitraum starben so 98 Wölfe.

Mensch nicht auf dem Speiseplan

Ministerin Klöckner äußerte nebenbei auch Verständnis für Eltern, die um ihre Kinder wegen der Wölfe besorgt seien. Stephanie Kramer-Schadt versteht solche Äußerungen dagegen nicht. Wölfe hätten gegenüber Menschen eine natürliche Scheu. Sie sagt:

In Europa gibt es nachweislich keine Wolfsangriffe auf Menschen ohne eine Vorgeschichte.

Mit Vorgeschichte meint sie falsches Verhalten wie Anfütterung oder die Verteidigung von Nutztieren. Aber auch bei solchen Vorfällen sei noch niemand ums Leben gekommen. Kramer-Schadt: "Im Vergleich: Jährlich sterben mindestens drei Menschen durch Hundeattacken, die Zahl der Angriffe beläuft sich auf mehrere Zehntausende."

Wolf bei Deutschen beliebt

Ob Klöckner mit der Forderung nach einer schärferen Gangart im Wahljahr auf viel Verständnis stößt, ist fraglich. Eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des NABU zeigte Ende April, dass die Unterstützung für den Rückkehrer groß ist. Gut drei Viertel der Befragten gaben an, dass Wölfe selbst dann in Deutschland leben sollen, wenn es zu Problemen kommt.

"Wölfe gehören als heimische Tiere in unsere Landschaft", sagt dazu Marie Neuwald vom NABU.

Von der Politik erwarten wir, dass sie - anstatt sich um Obergrenzen und Bejagung zu streiten - sich der Unterstützung der Weidetierhaltung und des Herdenschutzes widmet.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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