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Digitale Verführer : Mit zehn Jahren in die Computerspielsucht

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Computerspiele können süchtig machen. Vor allem junge Menschen sind gefährdet. 700.000 Jugendliche haben 2020 pathologisch oder riskant Games gespielt.

Computerspiele können süchtig machen. Vor allem junge Menschen sind gefährdet. Laut DAK-Gesundheit ist das Gaming bei fast 700 000 Kindern und Jugendlichen riskant oder pathologisch.

Beitragslänge:
29 min
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Im Fall von Lenni (Name geändert), geht alles ganz schnell. Zum 10. Geburtstag bekommt er ein gebrauchtes Smartphone geschenkt. Er lädt sich das kostenlose Handy-Spiel Brawl Stars herunter, das in seiner Altersklasse sehr beliebt ist. Wenige Wochen später bemerkt seine Mutter, die Wissenschaftsjournalistin Ulrike Wolpers, dass er sich verändert:

Er ist uns fremd geworden. Er wurde schlecht gelaunt, wenn er nicht online war, ist ausgerastet.
Ulrike Wolpers, Wissenschaftsjournalistin und Mutter von Lenni

Ihre Versuche, sein Spielverhalten unter Kontrolle zu bringen, scheitern. Lenni findet immer neue Tricks, um weiter zocken zu können. Und er gibt Geld aus, um sich Vorteile im Spiel zu erkaufen. Über ein halbes Jahr kommen rund 800 Euro zusammen.

Kriterien für Computerspielsucht

Therapeuten haben mehrere Kriterien dafür, ob jemand süchtig nach Computerspielen ist: habe ich keine Kontrolle mehr über mein Spielverhalten? Rücken andere Lebensinhalte wie Schule, Hobbies oder Freunde in den Hintergrund? Spiele ich weiter, trotz negativer Konsequenzen?

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf werden Kinder und Jugendliche behandelt, die diese Fragen mit ja beantworten können. Der Kinder- und Jugendpsychiater Rainer Thomasius beobachtet, dass die Betroffenen immer jünger werden.

Vor zehn Jahren waren die Jugendlichen 16 bis 18, am Übergang zum Erwachsenenalter. Und wir kommen doch immer häufiger mit 12-, 13-Jährigen jetzt in therapeutische Kontakte.
Prof. Rainer Thomasius, Kinder- und Jugendpsychiater

Eltern digital nicht fit genug

Ulrike Wolpers ist überzeugt, dass sie zu wenig über Computerspiele wusste, als sie Lenni erlaubte, Brawl Stars herunterzuladen. Das Game mit seiner Cartoon-Optik habe auf sie harmlos und süß gewirkt. Ein Trugschluss. "Ich hätte gerne gewusst, dass das Spiel glücksspielähnliche und suchtmachende Mechanismen enthält."

Ihr Eindruck: viele Eltern sind digital nicht fit genug, um ihre Kinder schützen zu können.

Die Elternratgeber-Initiative "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht." will Familien bei der Medienerziehung helfen:

Vater mit seinen beiden Kindern

Service | SCHAU HIN! - SCHAU HIN! 

Der Medienratgeber für Familien hilft bei der Medienerziehung.

Geldrückerstattung nicht einfach

Brawl Stars wird vom finnischen Computerspiel-Giganten Supercell vertrieben. Von Supercell heißt es: "(…) wir möchten, dass alle unsere Spieler ein gesundes Verhältnis zu unseren Games haben. (…) deshalb legen wir unsere Spiele so an, dass sie davon abhalten, übermäßig lange zu spielen und dass sie keine Anreize schaffen, online zu bleiben."

Außerdem unterstütze man Eltern dabei, Geld, das ihre Kinder ohne ihr Einverständnis ausgegeben hätten, rückerstattet zu bekommen. Auch Ulrike Wolpers hat die rund 800 Euro, die Lenni ausgegeben hatte, zurückbekommen – allerdings erst nach einigem Hin und Her.

Gute Heilungschancen bei Therapie

Laut Fachleuten wie Thomasius schaffen es rund 70 Prozent der Betroffenen mit einer Therapie, ihre Sucht in den Griff zu bekommen. Auch Lenni ist das gelungen. Er ist heute 13 Jahre alt und hat gelernt, seinen Umgang mit Computerspielen zu kontrollieren.

Viele Jugendliche spielen regelmäßig Computerspiele

90 Prozent der männlichen Jugendlichen in Deutschland spielen regelmäßig Computerspiele, so das Ergebnis einer DAK-Studie von 2019. Die meisten kommen gut mit den Games zurecht. Aber eben nicht alle.

Um Kinder besser zu schützen, wird mehr Prävention benötigt und Mütter und Väter sollten besser informiert sein– davon jedenfalls ist Ulrike Wolpers überzeugt. Sie wünscht sich auch mehr Einmischung der Politik bei Computerspielen: "damit nicht die gesamte Verantwortung auf uns Eltern abgewälzt wird."

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