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Jahrhundertflut überschwemmt den Sudan

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650.000 Menschen bedroht - Jahrhundertflut überschwemmt den Sudan

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Der Sudan kämpft mit heftigen Regenfällen und Überflutungen. Hunderttausende Menschen haben ihre Lebensgrundlage verloren. Doch die Flut ist nur eines von vielen Problemen im Land.

Ein Junge steht in einer überfluteten Straße am 10.09.2020 in Khartum (Sudan)
Besonders stark ist auch die Hauptstadt Khartum betroffen.
Quelle: dpa

Jedes Jahr tritt der Nil im Sudan über die Ufer und überflutet die umliegenden Gebiete. So auch in diesem Jahr. Doch dieses Mal ist die Lage dramatischer als in den vergangenen Jahren. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist passiert?

Heftige Regenfälle haben dafür gesorgt, dass der Nil über seine Ufer getreten ist und eine verheerende Flut ausgelöst hat. Überflutungen gab es zwar immer schon, in diesem Jahr ist es noch schlimmer als sonst ohnehin schon. Von 18 Bundesstaaten sind mindestens 17 von den Überschwemmungen betroffen. Besonders hart trifft es die Regionen Khartoum, Nord-Darfur und Sennar.

Nach Angaben der Vereinten Nationen bedrohen die Fluten 650.000 Menschen. Mehr als 110.000 Häuser sind beschädigt oder zerstört worden, ebenso 1.700 Hektar landwirtschaftliche Fläche und 5.500 Tiere. Die sudanesische Regierung hat den Notstand ausgerufen.

Wochenlanger Regen hat im Sudan zu heftigen Überschwemmungen geführt. Nun hat die Regierung einen dreimonatigen Notstand ausgerufen und das Land zum Katastrophengebiet erklärt.

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Wie ist die Lage der Menschen vor Ort?

Dramatisch. In den Medien wird die Flut als Jahrhundertflut bezeichnet. Das sei auch gerechtfertigt, sagt Marina Peter. "Selbst in den Gebieten, die sonst verschont geblieben sind, steht das Wasser", erklärt die Beraterin für das Horn von Afrika und Ostafrika von Brot für die Welt. "Die 650.000 Menschen, die jetzt von den Fluten betroffen sind, kommen noch on-top zu denen, die ohnehin schon von akutem Hunger bedroht waren".

Manche Regionen stehen komplett unter Wasser, "dort gibt es kein Vor und Zurück mehr. Das ist natürlich besonders dramatisch, weil keine Hilfe, also zum Beispiel Nahrungsmittel mehr ankommen", so Marina Peter. Auch Hygiene-, Sanitär- und Trinkwasserversorgung sind durch die Fluten bedroht.

Die meisten Menschen leben in einfachen Hütten aus Holz und Lehm, "die werden von den Fluten einfach weggewaschen". Damit wird den Menschen, die oftmals ohnehin am Existenzminimum leben, jegliche Lebensgrundlage genommen. Die Fluten verschlimmern die bestehenden Probleme: Der Sudan kämpft mit politisch instabilen Verhältnissen, massiven wirtschaftlichen Problemen und einer unsicheren Ernährungslage. Hinzu kommt die Corona-Pandemie.

Karte des Sudan mit der Hauptstadt Khartum
Der Sudan mit der Hauptstadt Khartum.
Quelle: ZDF

Woher kommt das?

Expertinnen und Experten machen vor allem einen Verantwortlichen aus: den Klimawandel. Das Wetter ist unberechenbarer geworden, die Temperaturen höher, im Sommer bis zu 50 Grad. "Früher konnte man sagen, Regenzeit ist von Juli bis Oktober, das hat sich verändert. Der Regen kommt früher und bleibt länger", so Peter von Brot für die Welt.

Das führt dazu, dass die Böden sehr ausgetrocknet sind und das Wasser nicht mehr einsickern kann. Die Wassermassen fluten die umliegenden Gebiete. Begünstigt wird das ganze durch die massive Abholzung im Land.

Wie wird geholfen?

Neben der schwierigen Infrastruktur mangele es vor allem an Geld und an Personal, erklärt Marina Peter. Der Sudan hat nach Jahren der Diktatur seit 2019 eine Übergangsregierung aus zivilen Kräften und Militärs. Beobachter werten das zwar als positives Signal. Doch seien viele Stellen in Ministerien, die jetzt helfen sollten, unbesetzt. Denn die neue Regierung habe viele Mitarbeitende aus der Vorgängerregierung entlassen, um einen Neuanfang zu machen.

Hinzu kommt, dass zwar auf einer Geberkonferenz im Juni Milliarden für den Sudan beschlossen wurden. Doch bisher sei kaum etwas davon im Land angekommen.

Welche Folgen hat das?

Das Wasser ist Brutstätte für Krankheitsüberträger wie die Malariamücke, "auch die Zahlen zu Krankheiten wie Typhus und Cholera werden steigen", vermutet Marina Peter. Corona-Fälle gibt es offiziell rund 13.500, Peter vermutet aber eine hohe Dunkelziffer. Die Stigmatisierung von Corona-Erkrankten sei enorm, weshalb die Krankheit oftmals nicht gemeldet werde und nicht in den Statistiken auftauche. Die verschlechterten hygienischen und sanitären Bedingungen begünstigen die weitere Übertragung des Virus.

Die verheerenden Fluten kommen zu einer Zeit, in der das Land in einer Art Findungsphase sei. "Nach dem Sturz von Diktator Omar al-Baschir im vergangenen Jahr ruht irre viel Hoffnung auf der neuen Regierung", sagt Marina Peter. Und die kämpft neben nach einer Heuschreckenplage nun gegen Corona und die Fluten - und gegen Misswirtschaft und Korruption. Die schwierige politische Lage versuchten nun militärische Kräfte für sich auszunutzen, die gerne die alleinige Herrschaft im Land hätten.

Vorausgesagt ist, dass der Regen noch bis September anhalten wird. Die Vereinten Nationen erwarten eine weitere Verschlechterung in den nächsten Wochen.

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