Synodaler Weg: Kann die katholische Kirche Reform?

    Synodaler Weg:Kann die katholische Kirche Reform?

    Jürgen Erbacher
    von Jürgen Erbacher
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    Laien und Bischöfe diskutieren bis Samstag über Änderungen etwa beim Zölibat und der Sexualmoral. Nach drei Jahren Debatte stehen beim Synodalen Weg wichtige Entscheidungen an.

    "Synodaler Weg" steht während eines Pressestatements zu Beginn der Dritten Synodalversammlung der deutschen Katholiken hinter Franz-Josef Bode, Vizepräsident des Synodalen Weges und Bischof des Bistums Osnabrück.
    Synodalversammlung der deutschen Katholiken
    Quelle: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

    Die katholische Weltkirche blickt in den nächsten Tagen nach Frankfurt. Sehr genau wird an vielen Orten beobachtet, was bei den Beratungen des Synodalen Wegs passiert. Kritiker sehen in dem Reformdialog den Anfang einer neuen Reformation, die schließlich zu einer Kirchenspaltung führen wird. Solche Stimmen sind auch hinter den Mauern des Vatikans zu vernehmen.
    Entsprechend mahnte die politische Schaltzentrale des Papstes, das Vatikanische Staatssekretariat, in einer Erklärung Mitte Juli, der Synodale Weg sei "nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten". Man befürchte eine mögliche "Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und Bedrohung der Einheit der Kirche".

    Nicht nur Kritik aus dem Vatikan

    Dass nicht alle im Vatikan so denken, machte vor wenigen Tagen Kurienkardinal Mario Grech deutlich. Er organisiert für Papst Franziskus aktuell auf Weltebene einen Prozess, bei dem es um Strukturfragen einer synodaleren Kirche geht. Grech äußerte in einem Interview zwar Kritik an der Kommunikation zwischen der Kirche in Deutschland und dem Vatikan. Zugleich betonte er aber, er vertraue den Bischöfen, "dass sie wissen, was sie tun".
    Grech sammelte im vergangenen Jahr für seinen globalen Prozess weltweit Stimmen zu den aktuellen Herausforderungen der Kirche. Dabei wurde deutlich, dass der Ruf nach Reformen kein deutscher Sonderweg ist. In vielen Ländern wünschen sich die Gläubigen etwa mehr Rechte für Frauen bis hin zum Priestertum, Änderungen bei der Sexualmoral und mehr Mitbestimmung bei Entscheidungen.

    Deutsche katholische Kirche will Zölibat abschaffen

    Die Ergebnisse dieser weltweiten Befragung wurden in den vergangenen Wochen bekannt und geben dem deutschen Prozess Rückenwind. Dennoch ist die Lage vor der vierten Vollversammlung des Synodalen Wegs angespannt. Es ist das vorletzte Treffen, der Prozess kommt auf die Zielgerade. Erst nach einer zweiten Lesung bekommen Texte einen verbindlichen Charakter. Außerdem braucht es neben der Zustimmung von zwei Drittel aller Teilnehmenden zusätzlich eine Zweidrittelmehrheit der Bischöfe. Nur dann gilt ein Text als verabschiedet.
    Bei der aktuellen Versammlung stehen acht Texte zur zweiten Lesung an. Dazu gehören die Forderung nach einer Abschaffung des Pflichtzölibats, dem Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der Kirche, auch dem Weiheamt, sowie die "Lehramtliche Neubewertung der Homosexualität". Offen ist, was passiert, wenn einzelne Texte die notwendige Zweidrittelmehrheit der Bischöfe nicht erhalten. Es könnte sein, dass die Laien dann aus dem Prozess aussteigen.

    Bätzing: Synodaler Weg "keine billige Zeitgeistigkeit"

    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, machte jüngst deutlich, dass für ihn kein Weg an Reformen vorbeiführt. Sie seien "keine billige Zeitgeistigkeit", erklärte Bätzing bei einem Gottesdienst am vergangenen Sonntag mit Blick auf die Kritik aus konservativen Kreisen. Die Kirche habe sich seit ihren Anfängen beständig verändert.

    Wer sich heute dem Dialog mit der Gegenwart entzieht, ja, ihn programmatisch zurückweist, der verliert jegliche Möglichkeit, die Gegenwartskultur auch kritisch verändernd zu durchdringen und Menschen von heute für das Evangelium Jesu Christi zu gewinnen.

    Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

    Der Augsburger Bischof Bertram Maier wie auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki mahnten eine stärkere Rückbindung des Prozesses an die Weltkirche an.
    In Frankfurt wird sich zeigen, ob die katholische Kirche in Deutschland zu Reformen fähig ist. Die Mehrheit der Gläubigen steht hinter den Veränderungen. Alle Augen sind nun auf die Bischöfe gerichtet, wie sie an den entscheidenden Stellen abstimmen werden. Hitzige Debatten in der Frankfurter Messehalle sind vorprogrammiert.

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