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Tag der Muttersprache - KI soll Sprachensterben in Afrika verhindern

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Weil ein Bremer Student seine afrikanische Mutter kaum versteht, erfindet er eine Übersetzungs-App für Regionalsprachen. Sie könnte Afrika vor dem Sprachensterben retten.

Bonaventure Dossou hat zusammen mit einem nigerianischen Freund ein Programm für Sprachübersetzung entwickelt.
Rettet seine Muttersprache Fon mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz: der Student Bonaventure Dossou.
Quelle: El Damerdash, Sara

In Afrika werden über 2.000 verschiedene Sprachen gesprochen, doch Internet-Riesen wie Google bieten gerade einmal für 15 von ihnen eine Übersetzung an. Überhaupt ist der Großteil aller Webseiten auf Englisch und Französisch verfasst. Indigene Sprachen werden dadurch zunehmend verdrängt.

Eine Entwicklung, die der Bremer Student Bonaventure Dossou nicht weiter hinnehmen will. Denn wer im Internet sprachlich nicht vertreten ist, sei vom kulturellen Aussterben bedroht. Dossou studiert Dateningenieurswesen in Bremen. Die Programmiersprache beherrscht er einwandfrei, seine Muttersprache Fon hingegen kaum.

"Wer Fon sprach, wurde bestraft"

Es ist eine der 50 Sprachen und Dialekte, die im westafrikanischen Benin gesprochen werden. In diesem schmalen Landstreifen zwischen Togo und Nigeria ist Dossou aufgewachsen. Obwohl dort nur 8,8 Prozent der Bevölkerung französisch sprechen, ist die ehemalige Kolonialsprache weiterhin offizielle Amtssprache. Wer in der Schule Fon sprach, wurde sogar bestraft, erinnert sich Bonaventure. "Dann gab es zwei Wochen Schulverbot und extra Hausaufgaben."

[Beispiel für einen deutschen Dialekt, der von Generation zu Generation weitergegeben wird, ist Plattdeutsch]

Wenn der 23-Jährige heute mit seiner Mutter telefoniert, hat er ein Problem: Er versteht sie nicht. Weil es keine Sprachkurse und Übersetzungsprogramme für indigene Sprachen gibt, entwickelt er die Software einfach selbst. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) kreiert er - zusammen mit seinem Freund Chris aus Nigeria - eine App, die seine Muttersprache Fon ins Französische übersetzt. Bonaventure sagt:

Wenn wir (Afrikaner) es nicht selbst tun, wird es keiner für uns tun.
Bonaventure Dossou, Student

Stefan Kettemann, Professor für Komplexe Systeme und Computerwissenschaften an der Jacobs University in Bremen, ist begeistert von dem Programm, spricht von einer Pionierleistung für Afrika - einem sprachlich vergessenen Kontinent. "Es gibt wohl keine bessere Motivation als seine eigene Mutter verstehen zu wollen." Das Programm ist bislang nur in Fon geschult, kann aber nun für jede beliebige Sprache sensibilisiert werden.

Alle zwei Wochen geht eine Sprache verloren

"Im Schnitt geht alle zwei Wochen eine Sprache verloren", sagt die Deutsche Unesco-Kommission. Weltweit gibt es rund 6.700 anerkannte Sprachen, doch einer Studie der Universität Amsterdam zufolge, ist die Hälfte vom Aussterben bedroht. Um Minderheitensprachen zu schützen und kulturelle Vielfalt zu sichern, hat die Unesco im Jahr 2000 den 21. Februar zum internationalen Gedenktag für Muttersprachen erklärt.

[Wie es um Sprachen in Deutschland bestellt ist, zeigt diese kleine Geschichte des Dialekts von Terra X]

Denn vor allem kleine Völker haben Probleme, ihre Sprache zu bewahren. Oft besitzen sie gar keine Schrift für die eigenen Laute, um Wörter und Grammatik festzuhalten. Wenn die Sprache dann keiner mehr spricht, ist sie einfach verschwunden. Auch für den Bremer Studenten war die Programmierung einer Sprache, die er nicht spricht, kein leichtes Unterfangen.

Sprachbaukasten übersetzt selbst Redewendungen

Über Social Media schrieb Bonaventure Menschen in seiner Heimat an und bat sie um gängige Sätze in ihrer Regionalsprache. Die Software baute daraus einen ganzen Sprachbaukasten, der mit hoher Präzision selbst Redewendungen übersetzt. Noch ist das Programm nicht auf dem Markt, denn Bonaventure will, dass es weiterhin kostenfrei zugänglich bleibt. Die Freischaltung auf einem Server ist der nächste Schritt.

Einige Sprachen werden wohl verschwunden sein, bevor sie überhaupt erforscht oder in Bonaventures Sprach-App dokumentiert sind. Dennoch bietet sie eine erste Lösung zum Erhalt von kultureller Identität und hilft dem Bremer Studenten mit seiner Mutter in Benin zu skypen - wenn denn die Internetverbindung steht.

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