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Schwelende Flözbrände - Inferno in der Unterwelt

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Millionen Tonnen Kohle verbrennen weltweit nutzlos in der Erde. Qualm und Gase verschmutzen nicht nur die Luft mit Schadstoffen, sie gefährden auch unsere Gesundheit.

Millionen Tonnen Kohle verbrennen weltweit nutzlos in der Erde. Qualm und Gase verschmutzen nicht nur die Luft mit Schadstoffen, sie gefährden auch unsere Gesundheit.

Beitragslänge:
28 min
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"Wir hörten von einem brennenden Berge, und rüsteten uns, dieses Wunder zu beschauen. Wir traten in eine Klamme und ein starker Schwefelgeruch umzog uns; ein dicker Dampf stieg aus den Klunsen hervor und man fühlte die Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen." So beschreibt Johann Wolfgang von Goethe seinen Ausflug in ein Flözbrandgebiet bei Dudweiler im Saarland 1770.

Diese unterirdischen Kohlefeuer sind die ältesten, von denen man in Deutschland weiß. In Australien brennt es im Innern des "Burning Mountain" bereits seit über 6.000 Jahren. Es sind Flammen, die ewig vor sich hin brennen, einfach nicht erlöschen wollen und kaum zu löschen sind. Doch was Goethe beschrieb, ist längst nicht mehr so beschaulich.

Die kaum bekannte Umweltkatastrophe

Es brennt heute gewaltig in nahezu allen Kohlerevieren der Welt, ob in Indien, Indonesien oder China, in den USA oder Süd-Afrika. Allein in China werden nach Schätzungen von Geologen der DMT-Group jährlich 200 Millionen Tonnen Steinkohle durch brennende Flöze sinnlos verfeuert.

Dabei geht nicht nur wertvolle Energie verloren. Auch die Umwelt wird nachhaltig geschädigt. Das dabei freigesetzte Kohlendioxyd ist etwa vier Mal so hoch wie der Ausstoß des gesamten Straßenverkehrs in Deutschland.

Die brennenden Gebiete verwandeln sich zudem in Landschaften wie auf dem Mond, die Oberflächen brechen ein, der Dampf, der durch die Kohlefeuer entfacht wird, tötet die Vegetation ab.

Bergbauunternehmen bekämpfen Brände nicht

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Die Regionen, in denen es mal gebrannt hat, sind für jegliche Nutzung für lange Zeit verloren.
Hartwig Gielisch, DMT-Group

Gielisch gehört zu den wenigen Flözbrand-Experten weltweit und hat besonders Bergbaubetriebe in China und Indien bei deren Löschversuchen beraten. Was ihn besorgt ist, dass die staatlichen Bergbauunternehmen mehr an der Ausbeutung der Kohleminen interessiert sind, als an der Brandbekämpfung - Umsatz vor Umwelt.

Flözbrände – natürlich und menschgemacht

Im klassischen Bergbau unter Tage, also tief unter der Oberfläche, haben in den Anfangsjahren Bergleute stets Kanarienvögel in kleinen Käfigen mit in die Tiefe genommen. Wenn die Vögelchen von der Stange kippten, war das für die Kumpel ein Alarmsignal: Achtung da entwickeln sich Gase. Es musste also irgendwo brennen.

Dann konnte meistens schnell gelöscht werden. Später, im industriellen Bergbau, haben sensible Gasmessgeräte die Funktion der Vögel übernommen. Denn Kohle hat die Eigenschaft sich unter bestimmten Bedingungen selbst zu entzünden, wenn sie mit Luft in Berührung kommt.

Brennendes Flöz
Ein beginnender Flözbrand in einer Mine. Die Kohle entzündet sich bei der Zufuhr von Sauerstoff.
Quelle: ZDF/Hartmut Idzko

Tagebau begünstigt Kohlebrände

An vielen Orten, besonders in den Schwellenländern, wird Kohle im Tagebau abgebaut. Das heißt, die Kohle liegt frei an der Luft und kann sich dort auch besonders leicht entzünden. Ein natürlicher Vorgang. Die meisten Kohlefeuer sind aber tatsächlich von Menschen gemacht. Durch Unachtsamkeit oder illegalen Raubbau.

Werden die Brände entdeckt, ist es meistens zu spät. Die Flöze glühen dann schon so tief und stark, das Löschen nur mit extremem Aufwand möglich ist. Für viele Minengesellschaften eine unbezahlbare Aufgabe. Brennen lassen ist dann meisten die einzige Alternative. Und das schon länger als zu Goethes Zeiten.

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