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EU will Tattoo-Farben verbieten - Blue 15 und Green 7: Aus für bunte Tattoos?

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Gibt es Tattoos bald nur noch in Schwarz, Gelb und Rot? Das könnte passieren - zumindest, bis neue Farbpigmente entwickelt sind. Das REACH-Komitee der EU verhandelt darüber.

Besucher mit bunten Tattoos auf einer Tattoo-Ausstellung
Laut des Tattoo-Bundesverbands sind die diskutierten Pigmente in zwei Dritteln aller Tattoo-Farben enthalten.
Quelle: imago/PA Images

Blue 15 und Green 7 sind die Bezeichnungen, die gerade die Tattoobranche in Alarmbereitschaft versetzen. Es sind die Namen für zwei Farbpigmente, die die EU-Kommission am liebsten verbieten möchte. Grund: gesundheitliche Bedenken. Zuvor hatte die Europäische Chemikalienagentur ECHA die Empfehlung zum Verbot ausgesprochen - weil eben beide Pigmente bereits für die Kosmetikindustrie verboten seien. Und was nicht auf der Haut verwendet werden darf, soll auch nicht unter die Haut. So die Argumentation der ECHA. Im Raum steht eine Übergangsfrist von zwei Jahren.

Diese Pigmente in zwei Drittel aller Tattoo-Farben

"Wenn diese beiden Pigmente verboten werden, sind künftig zwei Drittel aller Farben vom Markt verbannt", sagt Gordon Lickefett, Vorstand des Bundesverbands Tattoo. Viele Mischtöne verwenden nämlich Blue 15 und Green 7.

Für uns sind dies fundamentale Pigmente, zu denen es derzeit keine Alternative gibt.
Gordon Lickefett, Vorstand des Bundesverbands Tattoo

Am Markt, so Lickefett, gebe es weltweit nur zwei nennenswerte Pigmenthersteller, die alle Branchen beliefern. "Und für einen Konzern wie BASF ist die Tattoo-Branche viel zu klein, als dass man speziell für uns neue Farbpigmente entwickeln würde. Dazu sind die Abnahmemengen einfach zu gering. Wahrscheinlich wissen die nicht einmal, dass diese Pigmente auch für Tattoos verwendet werden."

Die deutschen Berufsverbände der Tätowierer sehen sich eingeklemmt zwischen zwei Fronten: auf der einen Seite die Farbindustrie, die wenig wirtschaftliches Potential in der Tattoobranche sieht. Und auf der anderen Seite die Politik.

Wir fordern seit Jahren klare Regeln für Tattoos, aber in Deutschland fühlt sich kein Ministerium zuständig.
Gordon Lickefett

Keine Zuständigkeit - keine Regeln.

Sind Tattoos gesundheitsschädlich?

Aber wie unbedenklich oder gefährlich sind Tattoos und die eingesetzten Farben tatsächlich für die Gesundheit? "Darüber gibt es so gut wie keine Studien", sagt die Düsseldorfer Hautärztin Dr. Katharina Schürings.

Tattoo-Künstler präsentieren ihre Arbeit auf einer Messe
Tattoo-Künstler präsentieren ihre Arbeit auf einer Messe
Quelle: imago/ ITAR-TASS

Aus ihrer Zeit an der Berliner Charité erinnert sie sich an so manche Beschwerden, die Patienten durch Tätowierungen hatten - Hautreaktionen zum Beispiel, bei denen das Immunsystem gegen die eingebrachte Farbe reagiert. Oder nässende, juckende und brennende Haut. "Keine massenhaften Beschwerden, eher Einzelfälle", so die Dermatologin.

Bis heute wissen wir nicht, was genau mit der Farbe im Körper geschieht. Fakt ist allerdings, dass sich nach einiger Zeit ein Teil der Farbe in den Lymphknoten sammelt.
Katharina Schürings, Hautärztin

Ebenso bekannt ist, dass im Schwarzpigment, welches nicht verboten werden soll, ein geringer Anteil so genannter PAK enthalten ist - also Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, die Krebs verursachen können. Und sonst? Stochern im Nebel …

Aufgrund der dünnen Erkenntnislage ist jede Tätowierung für den Bundesverband der Deutschen Dermatologen bislang eine fahrlässige Angelegenheit.

Es ist schon erstaunlich, dass es keine Standards für die Stoffe gibt, die wir in die Haut einbringen.
Katharina Schürings, Hautärztin

Wünschenswert sei natürlich eine Positivliste, sagte Schürings. "Dafür sind allerdings entsprechende Studien nötig."

Genau dies steht auch auf der Wunschliste der Tattoobranche. "Unser Ziel ist es, durch Studien- und Laborarbeit erwiesenermaßen unproblematische Tattoofarben entwickeln zu können. Dazu arbeiten die Berufsverbände bereits mit Experten zusammen, zum Beispiel mit Professor Jørgen Serup von der Tattoo-Klinik in Kopenhagen", erklärt Gordon Lickefett. Aber dazu brauche es auch die nötige Unterstützung durch die Politik - inklusive einer Regulierung.

Teil der Branche könnte in Hinterhöfe abwandern

Und wenn Blue 15 und Green 7 durch die EU verboten werden? "Dann besteht die große Gefahr, dass zumindest ein Teil unserer Branche in die Hinterhöfe abwandert und sich schließlich aus dubiosen Quellen Farben organisiert, von denen wir gar nicht wissen, woraus sie bestehen. Das würde das ursprüngliche Ziel der EU ad absurdum führen, nämlich den Verbraucherschutz zu verbessern."

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