ZDFheute

TK warnt vor Verdopplung der Zusatzbeiträge

Sie sind hier:

Geldnot bei Krankenkassen - TK warnt vor Verdopplung der Zusatzbeiträge

Datum:

Der Chef der Techniker Krankenkasse warnt vor steigenden Zusatzbeiträgen bei gesetzlichen Krankenkassen. Kosten der Corona-Tests und sinkende Einnahmen reißen Löcher uns Budget.

TK-Chef Jens Baas. Archivbild
TK-Chef Jens Baas. Archivbild
Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Die Techniker Krankenkasse warnt vor einer drastischen Erhöhung des Krankenkassen-Zusatzbeitrags für 2022. "2022 wird ein hartes Jahr für Kassen und Mitglieder. Ohne Gegensteuern durch den Staat droht eine Verdoppelung des Zusatzbeitrags", sagte der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, der "Rheinischen Post".

Dann werde das Loch im Gesundheitsfonds "weit größer sein als 16 Milliarden Euro, und alle Reserven sind verbraucht". Für 2021 wird eine Finanzierungslücke von 16 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung erwartet. Vom Bund gebe es nur einen Zuschuss von fünf Milliarden Euro, so dass die Kassen die Lücke schließen müssten.

Ähnlich hatte sich vor wenigen Tagen der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, geäußert. "Ohne Gegensteuern droht dann ein Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 1,3 Prozent auf 2,5 Prozent", sagte Litsch der "Augsburger Allgemeinen". Schon 2021 werden die Kassen die Zusatzbeiträge erhöhen, auch die Techniker Kasse, sagte Baas weiter. Ob dies Anfang oder Mitte 2021 erfolge, sei offen.

Corona-Tests für Reisende am Flughafen Düsseldorf, aufgenommen am 27.07.2020

Berechnungen von ZDFheute zeigen -
Corona-Testpflicht kostet Millionen pro Woche
 

Seit heute gilt die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Jede Woche entstehen dem Staat nun Millionenkosten. Warum besteht Spahn auf die Kostenübernahme?

von Oliver Klein

Was würde die Erhöhung für den Geldbeutel bedeuten?

Das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers in Deutschland lag im Jahr 2019 bei ca. 3.994 Euro. Bei der Techniker Krankenkasse liegt der Zusatzbeitrag aktuell bei 0,7 Prozent. Pro Monat muss der Arbeinehmer also 305,54 Euro von seinem Lohn für die Krankenversicherung abgeben. Bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrags auf das Doppelte (1,4 Prozent), würden monatlich 319,52 Euro vom Lohn abgezogen.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt aktuell bei 1,1 Prozent. Seit dem 1.1.2019 zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Zusatzbeitrag je zur Hälfte. Für bestimmte Personenkreise wird der Zusatzbeitrag anstatt in Höhe des kassenindividuellen Zusatzbeitragssatzes obligatorisch in Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes erhoben.

Nach den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums soll der durchschnittliche Zusatzbeitrag für 2021 um 0,2 Punkte auf 1,3 Prozent steigen. Die konkrete Höhe des Zusatzbeitrags legen die Kassen dann aber jeweils selbst für ihre Mitglieder fest, sie können dabei vom Durchschnitt abweichen.

TK-Chef: Situation in Krankenhäusern "derzeit nicht am Limit"

Mit Blick auf die Lage in den Krankenhäusern bezeichnete der Krankenkassenchef Baas diese als angespannt aber als "derzeit nicht am Limit". "Nicht Betten oder Geräte sind das Problem, sondern fehlendes Personal", betonte er. In den vergangenen Jahrzehnten sei die Zahl der Ärztinnen und Ärzte gestiegen, während die Zahl der Pflegekräfte konstant geblieben sei. "Resultierend daraus, dass Ärzte als Umsatzbringer, Pflegekräfte jedoch oft eher als Kostenfaktor betrachtet werden", erklärte Baas. Das sei eine "Fehlentwicklung in Richtung eines profitgetriebenen Krankenhausmanagements".

Kliniken fehlt in der Pandemie Personal, Pflegekräfte werden an ihre Grenzen gebracht. Wo das Problem liegt und was sich ändern muss, erklärt Krankenschwester Franziska Böhler.

Beitragslänge:
38 min
Datum:

Bass erklärte, dass die eigentlichen Behandlungskosten von Covid-19-Patienten für die Kassen finanzierbar seien, da das auch ihre Aufgabe sei. "Anders sieht es bei den Kosten aus, die beispielsweise durch die Rettungsschirme entstehen", sagte er der "Rheinischen Post" weiter. "Breit angelegte Corona-Tests, der Aufbau von Intensivbetten und der Kauf von Schutzausrüstung - das darf nicht einseitig bei den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenkassen hängen bleiben." Zudem schwäche die Pandemie die Konjunktur, weswegen Beitragseinnahmen sänken.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.