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65 Jahre Telefonseelsorge - Deutschlands wichtigste Hotline unter Druck

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Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Telefonseelsorge werden aktuell mehr gebraucht denn je. Die seelischen Folgen der Corona-Krise bekommen sie tagtäglich zu spüren.

Eine Frau nimmt ein Telefonat an. Symbolbild
Während der Corona-Krise sind die Helferinnen und Helfer der Telefonseelsorge gefragt.
Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

"Einsamkeit und gefühlte Isolation sind seit Jahren die drängendsten Probleme unserer Anrufer", sagt Uta Milosevic, Geschäftsstellenleiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge Erfurt.

Es gibt sehr, sehr viele Menschen da draußen im Land, die einfach überhaupt niemanden zum Reden haben. Für diese Menschen sind wir da, hören ihnen zu und versuchen kompetent zu helfen.
Uta Milosevic, Telefonseelsorge Erfurt

Einsamkeit, depressive Stimmung, Ängste: Das sind nicht nur bei der Telefonseelsorge in Thüringen die beherrschenden Themen. Wie groß die seelische Not in der Pandemie-Zeit ist, verdeutlichen die bundesweit erhobenen Daten des Netzwerkes Telefonseelsorge.

Welle an Unterstützung während Corona-Pandemie

"Wir haben in der Corona-Zeit sehr viel mehr Anfragen von Hilfesuchenden bekommen, aber auch Unterstützungsangebote zur ehrenamtlichen Mitarbeit", berichtet Uta Milosevic über die Situation in Erfurt. "Wir mussten da sogar etwas bremsen."

Denn Mitmachen geht nicht über Nacht. Wer sich engagieren will, muss sich intensiv schulen lassen. Das dauert. Es braucht spezielles Wissen, Verantwortungsbewusstsein und psychologisches Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, Nachtschichten am Telefon zu übernehmen.

Notruf für die Seele immer besetzt

Der Dienst an Deutschlands wichtigster Hotline, die von den beiden großen christlichen Kirchen getragen wird, läuft 365 Tage im Jahr – rund um die Uhr. Das Angebot für Menschen in Not: Unter den kostenfreien Nummern 0800 1110111 und 0800 1110222 gibt es immer einen Anschluss – und zwar für jede und jeden. Alles bleibt anonym, Gespräche werden nicht aufgezeichnet, Anrufnummern nicht registriert.

Kinder haben in der Corona-Krise Sorgen, sind einsam. Der Shutdown hat Folgen für die Psyche.

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65 Helferinnen und Helfer sind in der thüringischen Landeshauptstadt für die Telefonseelsorge ehrenamtlich tätig. "Viele von ihnen haben Extra-Dienste eingelegt", sagt Milosevic. "Das hat auch ganz schön Kraft gekostet."

In der Corona-Krise melden sich jüngere Anrufer

Insgesamt arbeiten für die deutsche Telefonseelsorge 7.700 Ehrenamtliche. In vielen regionalen Stellen der Telefonseelsorge zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. In Gesprächen mit ZDFheute berichten Mitarbeiterinnen des Hilfetelefons von vielen intensiven, oft auch beklemmenden Gesprächen – und von der eigenen "Ermüdung", die sich inzwischen bemerkbar mache.

Die Menschen bei der Telefonseelsorge haben rund um die Uhr ein offenes Ohr. Seit Beginn der Corona-Pandemie wird ihre Hilfe verstärkt gesucht.

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Zu den teils enorm gestiegenen Anfragen tragen auch jüngere Hilfesuchende bei. "Vor Corona war ein Großteil der Anrufer über 60, inzwischen ist die Hälfte im Alter zwischen 30 und 40", sagt Uta Milosevic.

Telefonseelsoge mit digitalem "Notfallkoffer" für Krisen

Um angesichts des enormen Bedarfs weiter effektiv helfen zu können, hat die Telefonseelsorge Deutschland, die in diesen Tagen ihr 65-jähriges Bestehen feiert, neben zusätzlicher Mail- und Chatkommunikation auch eine "Krisenkompass"-App etabliert, die für Apple-Produkte im App Store und für Android im Google Play Store verfügbar ist.

Die App soll "das Rüstzeug für schlechte Momente" bieten. Neben Informationen zu Beruhigungstechniken beinhaltet der digitale Notfallkoffer auch direkte Kontaktmöglichkeiten zur Telefonseelsorge und anderen professionellen Anlaufstellen.

26 Minuten für die belastenden Fragen des Lebens

Fast 1,3 Millionen registrierte Anrufe im vergangenen Jahr belegen, dass der telefonische Kontakt noch immer der meistgenutzte Kanal des Hilfsangebots ist. "Gerade ältere Menschen, die sonst keinen Menschen um sich herumhaben, sind froh über den persönlichen Kontakt – eine Stimme, die etwas Tröstliches oder Ermutigendes sagt", berichtet Uta Milosevic.

26 Minuten sprechen die Erfurter Helferinnen und Helfer der Telefonseelsorge im Schnitt mit den Hilfesuchenden. Nicht viel Zeit, um existenzielle Fragen zu klären.

Und doch genug, um dem Menschen am anderen Ende der Leitung nahezubringen, dass er nicht ganz allein ist auf der Welt mit seinen Ängsten und Nöten – und dass da auch beim nächsten Anruf wieder jemand da ist, der erstmal zuhört.

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