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Terra X - die Wissens-Kolumne : Fußball ohne Kopfball? Folgen der Zweikämpfe

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Schlägt uns die WM aufs Gehirn? Kopfverletzungen und Kopfbälle beim Fußball werden mit späterer Demenz in Verbindung gebracht. Könnten gezielte Regeländerungen hierbei helfen?

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Mai Thi Nguyen-Kim

Die WM in Katar ist aus mehreren Gründen sehr kontrovers - und dabei haben wir uns noch gar nicht über potenzielle Hirnschäden unterhalten. Im Grunde ist Fußball ein gesunder Sport, denn da bekommt unser Körper eine gute Ladung aus Koordination und Ausdauer ab. Kein Wunder, dass Profi-Fußballer:innen im Schnitt länger gesund leben als die, die kein Fußball spielen. Wenn da nur nicht das Problem mit den Kopfverletzungen und dem erhöhten Risiko für Demenz wäre.

Fußballer halten für den Sieg den Kopf hin – und riskieren dafür ihre Gesundheit. Wieso neue Erkenntnisse über den Zusammenhang von Kopfbällen und Demenz den Fußball verändern sollten, erfahren Sie in der ganzen Folge von Maithink X.

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29 min
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Wir können uns denken, dass es nicht gut tut, wenn zwei Fußballspieler:innen zu stark mit den Köpfen zusammen knallen. Dafür muss man kein medizinisches Genie sein. Aber erst seit kurzem ist klar, welches Risiko in viel subtileren Erschütterungen liegt. Das Problem heißt chronische traumatische Enzephalopathie (CTE). Hinter dieser Bezeichnung versteckt sich ein Mechanismus, der im Gehirn dazu führt, dass selbst leichte Stöße gegen den Kopf das spätere Risiko für Demenz erhöhen können.

Auch harmlose Vorfälle mit schlimmen Folgen

Das Perfide an CTE ist, dass die einzelnen Vorfälle schon schädlich sein können, ohne jemals den Schweregrad einer Gehirnerschütterung anzunehmen. Was die Gefahr bei CTE auszumachen scheint, ist nicht nur das Ausmaß der Erschütterung, sondern dass sich das Gewebe im Gehirn zwischen den Vorfällen nicht ausreichend erholen kann. Das bedeutet, dass auch harmlos aussehende Situationen schreckliche Folgen haben können, sofern sie sich häufig genug wiederholen.

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3 min
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Seit kurzem wissen wir, dass die Demenzgefahr höher ist, je mehr Kopfbälle man als Teil der eigenen Position beim Fußball abbekommt. Sollten Kopfbälle daher komplett verboten werden?

Erhöhung oder mehr Aufmerksamkeit?

Bei solchen Fragen kann es hilfreich sein, auf die gesundheitlichen Auswirkungen ähnlicher vorheriger Regeländerungen zu schauen. Zum Beispiel wurde zur Saison 2006/2007 eine Änderung eingeführt, die für absichtliche Ellenbogen-Schläge gegen den Kopf eine Rote Karte vorsieht. Dadurch nahm diese Art von Körperkontakt im Fußball ab und siehe da: Eine Studie von 2017, die Kopfverletzungen im Fußball vor und nach dieser Regeländerung verglich, fand eine Reduktion von satten 29 Prozent. Problem gelöst!?

Aber nur wenige Jahre später dann die Enttäuschung: Eine neuere Studie bezieht noch einen längeren Zeitraum mit ein und findet keine statistisch bedeutsame Reduktion von Kopfverletzungen. Im Gegenteil: die diagnostizierten Gehirnerschütterungen gingen seit der Regeländerung sogar um sechs Prozent hoch.

Die Autor:innen der Studie, die davon selbst überrascht sind, vermuten, dass das an erhöhter Aufmerksamkeit liegt. In den letzten 20 Jahren haben alle im Sport angefangen, die Symptome von Gehirnerschütterungen ernster zu nehmen. Das kann dazu führen, dass mehr davon bemerkt werden. Wenn dem so ist, hätten die Vorfälle mit Gehirnerschütterungen nicht wirklich in dieser Zeit zugenommen, sondern hätten schon immer stattgefunden und würden jetzt nur häufiger erkannt.

Es ist also schwer, genau aufzuzeigen, wie viel die Regeländerung wirklich gebracht hat. Im Falle eines Kopfballverbots wäre das vermutlich einfacher, da die häufiger im Spiel stattfinden als Ellbogen-Checks, was die Analyse erleichtert. Aber würde der Fußball überhaupt ohne Kopfball funktionieren, und würde es noch Spaß machen? Um das herauszufinden, fand letztes Jahr in Großbritannien das erste Spiel ohne Kopfbälle statt: In der ersten Halbzeit durfte im Strafraum noch geköpft werden, dann nirgends mehr. Die Spieler hatten damit kein größeres Problem; einer meinte, man müsse dadurch schneller denken, um eine andere Lösung zu finden. Ironischerweise fiel das erste Tor des Spiels durch einen - legalen - Kopfballtreffer aus dem Strafraum.

Demenzrisiko durch Regeländerung senken?

Die Regeln auf diese Art anzupassen hat das Spiel nicht ruiniert. Und wenn sich das Demenzrisiko durch eine solche Regeländerung minimieren lässt, dann sind wir es den Spieler:innen und auch dem Sport schuldig, sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Wenn wir uns also schon nie darüber einigen können, ob die WM dieses Jahr eine gute Idee ist oder nicht, so können wir zumindest bei folgenden zwei Dingen übereinstimmen: Ellenbogen gegen den Kopf sollte Rot geben. Und: Die Gesundheit des Gehirns ist viel wichtiger als die Frage, mit welchem Körperteil der Ball ins Tor geschossen wird.

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