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Neue Wege der Fleischproduktion - Mehr Tierwohl: Schlachtung mit Achtung

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Wer sieht, wie es in den Schlachthöfen zugeht, dem vergeht der Appetit. Geht das auch anders? Zur industriellen Fleischproduktion gibt es Alternativen - mit schonender Schlachtung.

Massentierhaltung und Schlachtfabriken: So manchem Steak-Gourmet vergeht da der Appetit. Zum Fleischgenuss gehört auch das Tierwohl. Doch wie lässt es sich erreichen?

Beitragslänge:
28 min
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In Deutschland wurden im letzten Jahr rund 53,2 Millionen Schweine und 3,4 Millionen Rinder geschlachtet. In vielen Fällen erweist sich der Transport zum Schlachthof als Tierquälerei: Trennung von der Herde, eine strapaziöse Fahrt, eine fremde, beängstigende Umgebung und ein häufig grausames Ende: Langzeituntersuchungen im Kreis Darmstadt haben gezeigt, dass 48,9 Prozent der Rinder bei ihrer Schlachtung nicht ausreichend betäubt waren.

Lebendtiertransporte vermeiden

Der Schweizer Bio-Landwirt Nils Müller erspart seinen Rindern den Weg zum Schlachthof, indem er eine außergewöhnliche Methode anwendet: den sogenannten Weideschuss. Er erlegt seine Rinder mit dem Gewehr auf der heimischen Weide, im Beisein der Stammherde. Mit einem Kugelschuss in den Kopf betäubt er das Tier. Innerhalb von 90 Sekunden muss er es an den Hinterläufen aufhängen und mit einem Schnitt durch die Kehle ausbluten lassen.

Was martialisch wirkt, ist aus Sicht des Landwirts die schonendste und am meisten artgerechte Form des Schlachtens: Ein schneller Tod inmitten der vertrauten Artgenossen, ohne Angst und ohne Tiertransport. Müller schlachtet rund zehn Rinder im Jahr.

Der Weideschuss hat seinen Ursprung in Deutschland - doch hier darf er nur bei Rindern angewandt werden, die ganzjährig auf der Weide leben. In der Schweiz dürfen Landwirte den Weideschuss seit Juli 2020 bei allen Nutztieren anwenden - auch bei solchen, die nicht ganzjährig draußen leben.

Schonend Schlachten bedeutet auch Papierkrieg

Die Bio-Landwirtin Mechthild Knösel kämpft seit Jahren für eine schonende Alternative in Deutschland: die teilmobile Schlachtung. Dabei wird das Tier mit einem Bolzenschuss am Gatter betäubt und anschließend in einer mobilen, geschlossenen Box entblutet.

Nach langen Verhandlungen hat sie dafür vom zuständigen Veterinäramt die Erlaubnis bekommen. Sie musste die Box aufwendig umbauen, damit sie den strengen Hygienerichtlinien entspricht. Für Mechthild Knösel bedeutete das 30.000 Euro Investition - und viel Papierkrieg. Momentan schlachtet Mechthild Knösel zwei Rinder pro Monat. In Spitzenzeiten waren es bis zu 40 Tiere pro Jahr. Aktuell ist die Herde allerdings etwas kleiner.

Experte: Weg von Massentierhaltung

Fleisch von Höfen wie denen von Knösel und Müller ist teurer als das Fleisch aus dem Discounter. Doch genau das ist für den Nutztierwissenschaftler Matthias Gauly von der Universität Bozen ein Schritt in die richtige Richtung:

Wir müssen bereit sein, einen angemessenen Preis für Fleischprodukte zu bezahlen, damit Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden können.
Matthias Gauly, Nutztierwissenschaftler an der Uni Bozen

Die Massentierhaltung sei eine geschichtliche Entwicklung. "Nach dem Zweiten Weltkrieg, einer Zeit der Unterversorgung, hatte die Landwirtschaft einen klaren Auftrag: schnelle Versorgung mit Lebensmitteln - zu günstigen Preisen. Jetzt ist es notwendig, diesem System entgegenzusteuern", erklärt Gauly. Wenn das gelingt, wird auf Dauer wohl geschehen, was aus seiner Sicht der einzig nachhaltige Weg ist: Den Fleischkonsum insgesamt zu reduzieren.

Doku | ZDFinfo Doku - Billigfleisch - Das System Tönnies 

Vom Metzgersohn auf die Liste der reichsten Deutschen - der Aufstieg des Clemens Tönnies war rasant. Kein anderer Konzern schlachtet in Deutschland so viele Schweine wie Tönnies.

Videolänge
44 min
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