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Geschlechtsidentität : Netz-Anonymität als Chance für Transpersonen

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Im Internet können Menschen sein, wer sie sein wollen. Für Trans-Menschen und Non-Binäre ist diese Freiheit eine große Chance: Sie können sich ausprobieren.

Eine Frau sitzt an einem Laptop. Symbolbild
Die Anonymität, die das Internet bietet, kann Menschen auch dabei helfen, mehr über sich selbst zu lernen.
Quelle: Finn Winkler/dpa

Wer bin ich? Und wer will ich sein? Diese Frage begegnet den meisten Menschen spätestens im Teenager-Alter. Wirklich frei fühlen sie sich bei der Beantwortung noch nicht. Sozialpädagoge Jennifer Ehlert probiert seit fast 25 Jahren verschiedene Identitäten aus. Mittlerweile weiß er, wer er ist: "Eine bunte Mischung aus allen." Deshalb hat Ehlert auch noch kein Pronomen gewählt. Im Netz eine Identität wählen und gestalten zu können bedeutet für Ehlert Freiheit: "Ich fühle mich mehr wie ich selbst."

Ehlert identifiziert sich heute als nicht-binär. In den Jahren von Kindheit und Jugend wurde Ehlert als Mädchen erzogen, obwohl er sich lange Zeit als Junge fühlte. Etwa 0,6 Prozent der Deutschen geht es so, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität. Das wären rund 500.000 Menschen.

Auf der Suche nach Verständnis und Anerkennung

Etwa dreizehn Jahre alt war Ehlert, als er zum ersten Mal ins Internet durfte. "Ich war in einer Phase, in der ich bereits merkte, dass mir mein zugeordnetes Geschlecht nicht zusagte", erzählt er heute. Im Internet fand Ehlert eine Beratungsstelle für homosexuelle Jugendliche.

Ehlert nahm per E-Mail Kontakt auf - und gab sich unter einem erfundenen Namen als Junge zu erkennen. Es war seine erste alternative Identität im Netz.

Im neuen Jahresbericht 2021 stehen alarmierende Zahlen: Mehr als 5.600 Menschen haben im letzten Jahr eine Beratung aufgesucht - auch wegen Geschlechterdiskriminierung oder Homosexualität.

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Dahinter steckte nicht nur das Gefühl, vielleicht ein Junge zu sein, sondern auch die Sorge, entdeckt zu werden. Heute fühlt Ehlert sich in seiner Familie angenommen und unterstützt, aber in jüngeren Jahren war er besorgt: "Meine Familie vermittelte mir Anzeichen dafür, dass es für sie nicht in Ordnung sei, wenn ich homosexuell oder bi wäre. Dass für mich das Thema Geschlechtsidentität noch dazu kam, wäre aus meiner damaligen Sicht wohl zu viel des Guten gewesen."

Verschiedene Identitäten im Netz

Im Netz erhoffte sich Ehlert Verständnis und Anerkennung – und er wollte etwas ausleben, das sich mehr nach ihm selbst anfühlte.

Ich war neugierig darauf, wie die Welt auf mich als Jungen reagieren würde - ob ich überhaupt als solcher durchgehen könnte.
Jennifer Ehlert, non-binäre Person

Der Streit um die Klarnamenpflicht ist für Transsexuelle deshalb durchaus bedrohlich. Sie würden gezwungen werden, sich durch ihren Geburtsnamen mit einem Geschlecht identifizieren zu lassen, das nicht wirklich zu ihnen gehört. Für sie wäre es der Verlust der Freiheit, sie selbst zu sein, bevor sie offizielle Schritte gegangen sind, um ihr Geschlecht zu ändern. Ehlert sieht auch ein Sicherheitsproblem: "Ich habe früher im öffentlichen Dienst gearbeitet und wollte durch meine Aktivitäten im Netz keine Angriffsfläche bieten." Davor schützten ihn die alternativen Identitäten.

Kontakt eher oberflächlich

Seit seinen ersten Experimenten probierte Jennifer immer wieder verschiedene Identitäten im Netz aus.

Ich wollte herausfinden, welche Persönlichkeit ich sein möchte.
Jennifer Ehlert, Sozialpädagoge

Heute ist er sich sicher, wer er ist. Die Kontakte, die er im Internet fand, blieben meist oberflächlich: "Ich möchte niemandem Schaden zufügen, weil sich Bindungen aufbauen." Ihm gehe es eher darum, sich mit anderen Menschen auszutauschen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden.

Anmerkung: Jennifer Ehlert hat noch kein Pronomen gewählt. Mit der in diesem Text verwendeten männlichen Form ist er einverstanden.

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