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Gesetzentwürfe in den USA - Kulturkampf um Trans*jugendliche im Sport

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Die republikanische Partei und ultrareligiöse Gruppen wollen Trans*-Mädchen und -Frauen aus US-Schulmannschaften verbannen. Es ist ein Kulturkampf zulasten von Jugendlichen.

Florida verbietet Transgender-Mädchen die Teilnahme am Mädchen-Schulsport und schließt sich damit weiteren Staaten an. Ein Kulturkampf zu Lasten von Kindern und Jugendlichen?

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2 min
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Als Erica Meacham sich als trans* outete, wandte ihr Vater sich von ihr ab, verleugnete sie. Aus religiösen Gründen, erzählt die Anfang-40-Jährige.

Man hört immer wieder rechte Leute, die sagen: Gott hat Adam und Eva gemacht. Oder: Gott macht keine Fehler. Das ist besonders schön.
Erica Meacham, Football-Spielerin Oregon Hawks

Ihre Mutter, andere Familienmitglieder und Freund*innen reagierten weniger kompromisslos. Aber verstanden fühlte sich Erica anfangs auch von ihnen nicht. Umso wichtiger war es für sie, einer Sportmannschaft anzugehören, in der sie ganz sie selbst sein darf.

Man will ja in so einem Moment von Liebe und Unterstützung umgeben sein. Sport gibt einem die Möglichkeit, sich als Teil einer Familie zu fühlen. Die Oregon Hawks sind meine Familie, meine Schwestern. Die stehen hinter mir.
Erica Meacham, Football-Spielerin Oregon Hawks
Erica Meacham bei den Oregon Hawks, ein Frauen-Footballteam.
Erica Meacham bei den Oregon Hawks
Quelle: Privat

Seit zwei Jahren spielt Erica jetzt für die Oregon Hawks, ein Frauen-Footballteam. Ginge es nach einigen sehr konservativen, religiösen US-Amerikaner*innen, hätte sie das schon als Kind nicht gedurft.

Fast 100 Gesetzentwürfe der Republikaner

Denn in immer mehr US-Bundesstaaten werden Gesetze diskutiert, die die Rechte von Trans*personen einschränken würden. Die republikanische Partei brachte allein in diesem Jahr fast 100 entsprechende Gesetzentwürfe in die Parlamente ein.

Die Mehrzahl soll Trans*Mädchen und -Frauen von Schul- und Universitäts-Mannschaften ausschließen. In elf Bundesstaaten ist das bereits Realität. Unterstützt werden die Republikaner*innen dabei von Gruppen wie der religiös-konservativen Alliance Defending Freedom (ADF).

Im Sport zählt die Biologie, nicht die Identität einer Person. Du kannst dich als was auch immer identifizieren. Aber es kommt auf die Biologie an und darauf, dass Männer einen großen sportlichen Vorteil gegenüber Frauen haben.
Christiana Holcomb, Alliance Defending Freedom

Klage gegen Trans*frauen

Die ADF unterstützt auch eine Klage gegen zwei Trans*frauen in Connecticut, die an der Highschool mehrere 100-Meter-Läufe gewannen, Andraya Yearwood und Terry Miller. Fragt man Republikaner*innen in Florida, Tennessee, Arizona, West Virginia - dann ziehen sie immer wieder diesen einen Fall zur Begründung heran, um die Gesetze gegen Trans*athletinnen zu verschärfen. Denn: Ein anderer Fall, in dem Trans*frauen wichtige Wettbewerbe gewonnen haben, ist schlicht nicht bekannt.

Was sind wir? Sind wir keine Menschen, wie alle anderen? Zählt mein Leben nicht? Wie denkt ihr, fühlen wir uns? Wir müssen da jeden Tag durch. Und wir sind mutig genug, um weiter zu laufen.
Terry Miller, ehemalige High School Athletin Connecticut
Chelsea Mitchell, links, läuft Terry Miller zu schlagen, Mitte, von Bloomfield, in der CIAC Klasse S Leichtathletik-Meisterschaften im Floyd Little Athletic Center in New Haven
Zwischen 2017 und 2019 gewannen die Transgender-Sprinterinnen Terry Miller und Andraya Yearwood 15 Meisterschaftsrennen, was zu einer Klage im Namen von vier cisgeschlechtlichen Mädchen führte.
Quelle: ap

Es geht um Fairness im Sport, sagen die Unterstützer*innen dieser Gesetze - und um den Schutz von Frauen. Die gleichen konservativen, ultra-religiösen Gruppen, die sich hier vermeintlich für Frauenrechte einsetzen, sind sonst allerdings nicht gerade bekannt dafür.

Immer wieder kam es in den USA zu Protesten für mehr Frauenrechte, die sich gegen den ehemaligen Präsidenten Donald trump richteten.

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Es gibt körperliche Unterschiede

Dass es biologische Vorteile im Sport gibt, ist unter den wenigen Wissenschaftler*innen, die sich bislang mit dem Thema beschäftigt haben, unbestritten:

Die meisten Sportarten hängen sehr stark von körperlichen Voraussetzungen ab, wie Kraft, Muskelmasse, usw.
Tommy Lundberg, Sportwissenschaftler Karolinska Institutet Stockholm

Beim Sport stünde aber nun mal Inklusion häufig gegen Fairness. Jede Sportart müsse für sich entscheiden, wie sie priorisiere, sagt Lundberg.

Kulturkampf für Wählerstimmen

Zur Wahrheit gehört aber auch: In den USA identifizieren sich gerade einmal 0,6 Prozent als trans*. Es ist davon auszugehen, dass der Anteil im Schulsport ähnlich ist. Beobachter*innen sagen daher: Seit in den USA die Ehe für alle gilt, stürzen sich einige Republikaner*innen auf die Rechte von Transpersonen. Ihr Ziel: Wählerstimmen von konservativen, religiösen US-Amerikaner*innen - und ihr Geld, um Wahlkämpfe zu bestreiten.

Es scheint wirklich ein Problem zu sein, das Politiker*innen selbst hergestellt haben und womit sie einen Kulturkampf heraufbeschworen haben.
Jack Turban, Kinderpsychologe

Turban betrachtet das Thema außerdem noch von einer anderen Seite: Fairness, sagt er, hänge mit sehr vielen Faktoren zusammen. Der finanziellen Situation von Kindern, ihrem Elternhaus und auch ihrer psychischen Verfassung. "Das sind sowieso schon Kinder, die oft Opfer von Mobbing werden oder stigmatisiert werden."

Depressionen und Selbstmordgedanken bei Trans*jugendlichen

Tatsächlich zeigen Studien: Mehr als 50 Prozent aller Trans*jugendlichen in den USA haben Selbstmordgedanken, viele sind depressiv.

Es würde mir absolut das Herz brechen zu sehen, wie diese Kinder abgewiesen werden. Die Chancen stehen sowieso schon gegen sie, einfach weil die Welt Trans*personen sieht wie sie sie nun mal sieht. Wenn man ihnen jetzt auch noch die Möglichkeit nimmt, mit Kindern in ihrem Alter zusammen zu sein und Sport zu treiben, verletzt man sie einfach nur.
Erica Meacham, Footballerin Oregon Hawks

Das ist es, was Erica antreibt, heute offen mit ihrer Transsexualität umzugehen. Seit einigen Jahren engagiert sie sich deshalb in der Organisation "Athlete Ally" aktiv für Trans*-Mädchen und Frauen. Damit sie alle erleben können, dass Sport nicht nur ausschließen, sondern auch verbinden kann.

Drei Männer zerren an einer Regenbogenfahne. Archivbild

Gesundheitswesen in den USA - Weniger Schutz für Trans-Personen 

Ex-Präsident Obama hatte 2016 die Definition von Geschlecht über das biologische Geschlecht hinaus ausgeweitet. Die Trump-Regierung hat die Regelung nun wieder zurückgenommen.

Der Autorin auf Twitter folgen: @ninaniebergall

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