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Transplantations-Experte - Warum das Schweineherz so gut geeignet ist

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Zwei bis drei Jahre könnten Menschen mit einem Schweineherz maximal leben, schätzt Transplantations-Koryphäe Axel Haverich. Die Operation in den USA sei dennoch bahnbrechend.

Ein US-Team um Bartley Griffith hat erstmals ein Schweineherz transplantiert. Professor Axel Haverich über seinen Freund und die Möglichkeiten zukünftiger Transplantationen.

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"Endlich! Er hat es geschafft!" - Das waren die ersten Gedanken, die Axel Haverich in den Sinn kamen, als er die Schlagzeile am Morgen las: Bartley Griffith und sein Team haben zum ersten Mal ein Schweineherz einem Menschen eingepflanzt.

Haverich und Griffith sind seit fast 30 Jahren befreundet, erzählt der Professor im Gespräch mit ZDFheute.

Professor Haverich leitet die Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Professor Griffith ist Direktor des Herz- und Lungentransplantationsprogramms des University of Maryland Medical Center.

Wir haben eine Zeit lang zwischen Europa und Nordamerika um die Wette transplantiert.
Axel Haverich

"Wir haben uns herzlich gestritten, haben aber abends auch sehr herzlich und freundschaftlich ein Glas Wein zusammen getrunken", erzählt Haverich.

Den jetzigen Erfolg seines langjährigen Freundes nennt Haverich keinen Durchbruch, aber einen Aufbruch in ein neues Feld der Transplantationsmedizin, nämlich das der Übertragung tierischer Organe in den Menschen.

Warum das Schweineherz am besten geeignet ist

Das Schweineherz sei am ehesten dafür geeignet. Größe und Funktion seien dem menschlichen Organ am ähnlichsten. Haverich glaubt, "dass langfristig die Schweineherzen die Nase vorn haben werden" in diesem Bereich der Transplantationsmedizin.

Vorteil der tierischen Organe gegenüber Kunstherzen: Sie müssen nicht permanent an eine Strom-Quelle angeschlossen sein, um zu schlagen. Auch Lungen- oder Nieren-Transplantationen vom Schwein kann sich Haverich künftig vorstellen.

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Und die Haltbarkeit eines Schweineorgans im menschlichen Körper? "Wir wissen es nicht", sagt der Professor. Man müsse abwarten und die Ergebnisse aus den USA weiter beobachten.

Man kann nur herleiten aus den tierexperimentellen Untersuchungen, die vorangegangen sind, dass mit einigem Glück zwei bis drei Jahre Überlebenszeit zu erwarten sind.
Axel Haverich

Haverich: "Menschliche Organspende bleibt unverzichtbar"

Danach könnte der jeweiligen Patientin oder dem Patienten erneut ein Schweineherz eingesetzt werden, oder auf ein Kunstorgan zurückgegriffen werden. Haverich konstatiert aber auch:

Die Ergebnisse werden über absehbare Zeiträume nicht so gut werden mit den Schweineorganen wie mit menschlichen Organen, sodass die menschliche Organspende unverzichtbar bleibt, zumindest in den kommenden zehn Jahren.
Axel Haverich

Bis überhaupt ein tierisches Herz oder eine Lunge transplantiert werden kann, vergingen Jahre. Dahinter stehe ein langwieriger, komplexer Prozess der genetischen Veränderung im Spenderschwein.

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Griffith etwa ersetzte tierische Gene durch menschliche. Dadurch soll das Schweineherz nach der Transplantation unter anderem nicht direkt vom menschlichen Körper abgestoßen werden. Die Operation sei nicht gefährlicher als die Übertragung eines menschlichen Herzens, sagt Haverich.

Haverich und Griffith zum Telefonieren verabredet

Ethisch hält er das Prozedere für vertretbar und berichtet von einer Umfrage der MHH unter Patientinnen und Patienten, die sich auf einer Warteliste für eine Organ-Transplantation befanden. "Sie haben alle gesagt, dass sie sich sofort ein Schweineherz implantieren lassen würden."

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Wie viel Hoffnung sich Patientinnen und Patienten jetzt in Deutschland machen dürfen? Er könne sich vorstellen, dass es - ähnlich wie in den USA - auch hierzulande Sondergenehmigungen der zuständigen Behörden geben könnte. Er persönlich habe sich bereits mit Griffith zu einem längeren Telefonat verabredet, "wenn sich der Dunst etwas gelegt hat", sagt Haverich augenzwinkernd.

Er könne sich gut vorstellen, dass Kooperationen mit seinem US-Kollegen künftig möglich seien. "Und dann wären wir auch durchaus bereit, einen zweiten Standort hierfür aufzumachen!"

Elisabeth Schmidt ist Reporterin und Redakteurin im ZDF-Studio Niedersachsen.

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