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Amokfahrten wie in Trier - Warum physische Gewalt so oft männlich ist

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Die Täter der Attacken in Trier oder Volkmarsen haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind Männer. Ein Psychologe erklärt, welche Gründe es dafür gibt - und was Prävention bewirken kann.

Die Amokfahrt in Trier Anfang Dezember erschütterte die ganze Nation. Es war nicht die erste ihrer Art in Deutschland. Eins haben sie gemeinsam: Die Täter waren männlich.

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Münster 2018, Bottrop, Essen und Oberhausen in der Silvesternacht 2019, Volksmarsen 2020 - und nun Trier: Die Meldungen von Amokfahrten in deutschen Städten hallen nach, weil sie wie ein Déjà-vu wirken. 

Die Taten ähneln sich. Nicht nur, weil ein Auto zur Tatwaffe wurde, sondern auch, weil die Täter eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind Männer. Bei den Fällen in Münster, im Ruhrgebiet und in Trier kommen weitere Ähnlichkeiten dazu: Alle Täter waren in einem ähnlichen Alter, Ende 40 oder Anfang 50. Und sie waren psychisch auffällig. 

Warum ist Gewalt wie in Trier männlich?

Auch Frauen leiden unter psychischen Erkrankungen - nach aktuellen Angaben häufiger als Männer. So ergab der "Report Psychotherapie 2020", dass etwa jede dritte Frau und etwa jeder vierte bis fünfte Mann innerhalb eines Jahres die Kriterien für mindestens eine Diagnose einer psychischen Erkrankung erfüllt.  

Warum aber sind es überwiegend Männer, die Gewalttaten wie in Trier verüben?

Die eine Erklärung dafür gebe es nicht, betont Andreas Matuschek, Notfallpsychologe aus Kiel. "Man muss auch die jeweiligen Personen betrachten: Was haben sie für eine Emotion gezeigt in dem Moment? Was haben sie für einen sozioökonomischen Hintergrund? In welcher Kultur sind sie aufgewachsen? Wie sind sie sozialisiert?"

Theorie der genetischen Veranlagung für Gewalt

Dennoch gebe es zwei gängige Theorien, mit denen man sich physischer männlicher Gewalt annähern kann: Die eine zieht die genetische Veranlagung heran, die zweite typische Geschlechterrollen von Mann und Frau. 

Bei der Theorie der genetischen Veranlagung gehe es vor allem um das Hormon Testosteron, erklärt Matuschek. Weil Männer mehr Testosteron produzieren, würden sie auch eher zu physischer Gewalt neigen als Frauen.  

Welche Rolle Geschlechter-Stereotypen spielen

Auch unser Männerbild und unsere Geschlechterrollen spielen eine wichtige Rolle bei männlicher Gewalt. Das Stichwort, das hier immer wieder fällt, ist die toxische Männlichkeit. "Das bedeutet nicht, wie das oft verstanden wird, dass alle männlichen stereotypischen Attribute gleich schädlich sind", sagt Matuschek.

Es bedeute eher, dass Jungen und Mädchen vom Kindesalter an eine unterschiedliche geschlechterspezifische Behandlung erfahren, die sich später negativ ausprägen kann. Nach dem Motto: Jungen müssen stark sein, müssen funktionieren, dürfen keine Gefühle zeigen. Mädchen dagegen sollen brav sein. 

Deswegen hat die Gesellschaft auf jeden Fall auch einen großen Beitrag, wie wir uns später verhalten. Und wie wir uns auch zum Thema Gewalt platzieren.
Andreas Matuschek

Männliche Gewalt nach außen, weibliche Gewalt nach innen

Gewalt sei nicht per se männlich, betont Matuschek. Dennoch gebe es bei ihrer Ausübung klare Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Gewalt. "Oft ist es so - und das ist ja jetzt in Trier und auch in anderen Situationen der Fall gewesen - dass Männer im Durchschnitt eher Gewalt nach außen gerichtet und Frauen eher nach innen gerichtete Gewalt zeigen“, erklärt der Psychologe.  

Selbstverletzendes Verhalten würde zum Beispiel zu zwei Dritteln bei Frauen auftreten. Ein anderes Bild ergibt sich beim Blick auf Straftaten: Laut Polizeilicher Kriminalstatistik von 2019 waren 75 Prozent aller Tatverdächtigen in Deutschland Männer.

Früherkennung oder Prävention von Gewalttaten?

Nach der Amokfahrt von Trier hat der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) eine bundesweite Arbeitsgruppe zur Früherkennung angeregt. Die Innenministerkonferenz will untersuchen, ob für solche Gewalttaten frühzeitig Anhaltspunkte ausgemacht werden können. Matuschek hält eine Früherkennung bei Fällen wie in Trier dagegen für nur schwer praktikabel.  

Denn man hätte, jetzt mal übertrieben oder überspitzt gesagt, jeden weggesperrt, der ein gewisses Gefährdungspotenzial hat - auch viele zu Unrecht Verdächtige.
Andreas Matuschek

Der Psychologe setzt eher auf Prävention - und zwar ab Kindesalter. Er ist überzeugt: Man muss bereits in Kindergarten und Schule gewaltfreie Kommunikation beibringen.  

Taten wie in Trier, in Münster und in Volkmarsen wird Prävention allein wohl nicht verhindern können, solche Fälle bleiben schwer vorhersehbar. Das bedeutet nicht, dass unsere Gesellschaft machtlos ist. Sie kann handeln: bei der Erziehung von Kindern und auch beim Blick auf gesellschaftliche Stereotypen.  

Nur etwa jedes fünfte Opfer von häuslicher Gewalt sucht Hilfe - 140.000 Fälle kamen 2018 trotzdem zur Anzeige. Eine Inititative will Partnergewalt jetzt durch Prävention bekämpfen.

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