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Wie ein Ingenieur aus Nebel Wasser macht

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Wasserknappheit auf Gran Canaria - Wie ein Ingenieur aus Nebel Wasser macht

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Auf den Kanarischen Inseln ist das Wasser knapp. Nebel gibt es aber im Überfluss. Ein einheimischer Ingenieur macht sich diesen Umstand zu Nutze, um die Trockenheit zu bekämpfen.

Wir spülen kostbares Trinkwasser die Toilette hinunter - und das in Zeiten, in denen Wasser knapp wird. Dürren drohen, auch in Deutschland. Doch das ist kein unabwendbares Schicksal.

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30 min
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Wasser wird knapp - Dürren immer häufiger. In Deutschland erleben wir gerade einen Vorgeschmack auf die Trockenheit, die uns der Klimawandel bringt. Doch das ist kein unabwendbares Schicksal. Visionäre tüfteln längst an Lösungen, wie man Wasser sparen oder wiederverwerten kann. Und: wie man neue Quellen erschließt.

Wasser aus Nebel - das ist Ricardo Gils Vision. So verrückt das klingt, der spanische Ingenieur ist vom Potential dieser Methode überzeugt: "Wir können nicht das ganze Grundwasser aufbrauchen oder uns immer auf die Entsalzungsanlagen verlassen, es muss eine Alternative geben."

Nebelfänger
160 Liter produziert ein Nebelfänger an guten Nebeltagen.
Quelle: ZDF

Trockenheit auf den Kanarischen Inseln verschärft Wasserknappheit

Tatsächlich hängen die Kanarischen Inseln, die Heimat des 59-jährigen Ricardo Gil, seit Jahrzehnten von den Entsalzungsanlagen ab. Sie brauchen viel Energie, zurück bleibt eine umweltschädliche Salzlauge, die oft direkt ins Meer geleitet wird.

Über die Hälfte des Trinkwassers produzieren sie auf den Kanarischen Inseln selbst. Denn hier ist der Kampf gegen die Trockenheit schon Normalität. Wüstenklima herrscht vielerorts, das heißt, es fällt unter 240 Liter Regen pro Quadratmeter im Jahr. Die Grundwasserressourcen sind rar.

Zunehmende Trockenheit ist durch den Klimawandel allgegenwärtig. Agroforstwirtschaft ist eine alternative Form der Landwirtschaft, die dafür sorgt, dass die Pflanzen mehr Wasser bekommen.

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2 min
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Bäume schaffen sich eigene Bewässerung

Aber eines gibt es besonders auf Gran Canaria im Überfluss: Nebel. Die Insel ist bekannt für sein Wolkenmeer über dem Ozean. Wenn Passatwinde diese Wolken gegen die Berghänge drücken, steigen sie in Form von Nebel hinauf. Der kondensiert zum Beispiel an Piniennadeln und tropft wenige Zentimeter vom Baumstamm entfernt hinunter. Der Baum schafft sich also seine eigene Bewässerung.

"Die Natur ist der beste Nebelfänger und Vorbild für meine", veranschaulicht Ricardo Gil stolz an den von Pinien gesäumten Hängen eines Weinbergs. Dort hat der Ingenieur ein Pilotprojekt gestartet - inspiriert von den ersten Nebelfängern, die in den 60er Jahren in Chile gebaut wurden.

Nebelfänger
Wassertropfen auf einem Nebelfänger.
Quelle: ZDF

Nebel als wertvolle Quelle

Diese zweidimensionalen Netze entwickelte er aber weiter - zu dreidimensionalen Türmen, stabiler und effektiver: vier Meter hoch und etwa sechs Quadratmeter Grundfläche, mit mehreren Schichten engmaschigem Netz bespannt. 160 Liter Wasser schafft so ein Nebelfänger an guten Nebeltagen. Davon gibt es auf Gran Canaria um die hundert, vor allem im Winterhalbjahr.

Aber Ricardo Gil ist auch Realist: "Das ist nicht die Lösung der Wasserknappheit auf der Welt, aber eine weitere, wertvolle Quelle, die wir noch nicht nutzen." Und das könnte man überall auf der Welt, wo es Nebel gibt.

Denn die Nebelfänger sind bewusst aus einfachen Materialien konstruiert, die auch in den entlegensten Orten zu finden sind. Und: Sie sind 100 Prozent nachhaltig. Man braucht keine Energie, damit sie funktionieren.
Ricardo Gil

Nebelwasser muss desinfiziert und gefiltert werden

Denn gerade dort, wo Wasser- und Stromleitungen nur schwer verlegt werden können - in abgelegenen Bergdörfern zum Beispiel -, können Menschen mit Nebelfängern sauberes Trinkwasser gewinnen. So sauber, dass es kaum Eigengeschmack hat, weil noch nicht mit der Erde, mit Mineralien oder Schmutzpartikeln in Kontakt gekommen.

Filtern und desinfizieren muss Ricardo Gil sein Nebelwasser dennoch, um es zu verkaufen. Das ist in Spanien Gesetz. In Flaschen abgefüllt liefert er es auch an Restaurants in der Umgebung und versucht so seine gemeinnützigen Projekte zu finanzieren, etwa Bewässerungssysteme für die Landwirtschaft, Tierhaltung und Aufforstungsaktionen auf den kahlgeschlagenen Kanaren.

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Wasser direkt aus den Wolken?

Sein großer Traum ist es, mit seinen Nebelfängern die Atacama-Wüste in Chile aufzuforsten. Denn auch dort gibt es Nebel im Überfluss. Mehr noch: Warum in Zukunft nicht direkt Wasser aus den Wolken ernten - mit einem gigantischen Ballon? Science Fiction unken die einen. Technisch schon längst möglich und überfällig, fordern die anderen.

Ricardo Gil ist überzeugt:

Das ist wie die Photovoltaik vor 40 Jahren. Niemand hat an sie geglaubt, bis man sie entwickelt hat. Genauso wird es mit dem Nebelwasser passieren.
Ricardo Gil
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