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Mittelamerika: Verwüstung, Armut und Corona

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Nach Stürmen Iota und Eta - Mittelamerika: Verwüstung, Armut und Corona

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Iota und Eta hinterlassen in Mittelamerika Verwüstung und eine politische Debatte. Guatemalas Präsident befürchtet neue Migrationsbewegungen. Nicaragua fordert Klima-Gerechtigkeit.

Luftbild des Schadens des Hurrikans Iota in Providencia, Kolumbien am 19.11.2020
Zerstörung durch Hurrikan Iota auf der kolumbianischen Karibikinsel San Andres y Providencia.
Quelle: epa

Die Zahlen drücken nur annähernd aus, was die Menschen in Mittelamerika derzeit durchmachen müssen: Erst wurden durch Sturm "Eta" 200 Menschen getötet und 4,9 Millionen Menschen direkt oder indirekt von den katastrophalen Auswirkungen getroffen. Dann folgte "Iota" mit Windgeschwindigkeiten von 250 Kilometern pro Stunde.

Corona-Gefahr in überfüllten Notunterkünften

Er zerstörte unter anderem über 90 Prozent der Infrastruktur auf der kolumbianischen Karibikinsel San Andres y Providencia. Dann zog der Hurrikan weiter Richtung Mittelamerika. Dort sind auch Tage danach noch längst nicht alle Schäden beziffert, weil immer noch Gemeinden in Nicaragua und Honduras von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Besonders betroffen sind in diesem Jahr Nicaragua, Honduras und die Halbinsel Yucatán. ZDF-Meteorologin Dr. Katja Horneffer erklärt, warum die Stürme so extrem sind.

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Hinzu kommt noch eine weitere Gefahr, wie Oliver Müller, Leiter von Caritas international, berichtet:

Gerade in den Notunterkünften ist die Ansteckungsgefahr für Covid-19 sehr hoch.

"Allein in der Hauptstadt Tegucigalpa sind 33 Prozent aller Menschen in Notunterkünften positiv getestet worden. Die Pandemie wird also schlimmer, die Infektionszahlen steigen", sagt Müller.

Neue Fluchtbewegungen in Mittelamerika?

Ähnlich sieht es Ismael Moreno, ein Projektpartner vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. "Die Bevölkerung hat sich von den Folgen des Sturms Eta noch nicht erholt." Iota habe anschließend die Menschen in einer extremen Notsituation getroffen: "Die allermeisten Menschen aus den überschwemmten Regionen konnten noch nicht in ihre Häuser zurückkehren", sagte der Leiter des Radiosenders "Radio Progreso" in La Ceiba, Honduras. "Es fehlt an allem, vor allem an Wasser, Essen und Hygieneprodukten."

Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt, der Strom fällt aus. "Eta" trifft auf eine eher arme Region. Solche Unwetter können fatale Folgen haben.

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Während die Hilfswerke noch mit der Schadenserfassung beschäftigt sind, hat die politische Debatte über die Folgen der Katastrophen bereits begonnen. Aus der betroffenen Region Mittelamerika gab es in den letzten Jahren immer wieder große Migrationsbewegungen in Richtung Norden.

Die durch die Corona-Krise verschärfte wirtschaftliche Lage sowie die aktuellen Zerstörungen durch die Wirbelstürme könnten nun neue Fluchtbewegungen auslösen, sagt Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei: "Wenn wir keine Horden von Mittelamerikanern wollen, die auf der Suche nach besseren Bedingungen versuchen, in andere Länder zu gehen, müssen wir in Mittelamerika Mauern der Prosperität erzeugen."

Nicaragua fordert Klima-Gerechtigkeit

Gemeint waren damit vor allem Mexiko und die USA, die zuletzt auf einen harten Abschottungskurs setzten. US-Präsident Donald Trump hatte den Bau einer Mauer zu Mexiko vorangetrieben, Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador die Südgrenze seines Land mit Armee und Polizei verstärkt.

Die physischen Mauern werden aber nicht die Nöte der Menschen stoppen.
Alejandro Giammattei, Präsident Guatemala

Mittelamerika sei die Region der Welt, die vom durch die Industrienationen herbeigeführten Klimawandel besonders betroffen sei, so Giammattei.

Die Bewohner entfernen Trümmer aus ihren Häusern, die durch den Hurrikan Iota in Puerto Cabezas, Nicaragua, am 18. November 2020 zerstört wurden.
Bewohner entfernen Trümmer nach der Zerstörung durch Hurrikan Iota in Puerto Cabezas, Nicaragua.
Quelle: Reuters

Das sieht auch Nicaraguas Vizepräsidentin Rosario Murillo so. Die kleinen Länder wie Nicaragua seien besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und forderten deshalb vor den internationalen Institutionen Klimagerechtigkeit und eine Entschädigung für jene Länder, die unverdient wegen der Wetterereignisse nun in einen Zustand der Verwundbarkeit geraten seien.

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