Sie sind hier:

Kraftwerk ohne Strom : Entwarnung für Atomkraftwerk Tschernobyl

Datum:

Das ukrainische Atomkraftwerk Tschernobyl ist ohne Strom. Die Internationale Atomenergie-Organisation gibt jetzt Entwarnung: Der Stromausfall habe keine Folgen für die Sicherheit.

AKW Tschernobyl am 26.02.2022
Das Kraftwerk Tschernobyl ist seit der Katastrophe 1986 stillgelegt, ein riesiger Schutzmantel soll den Austritt von Radioaktivität verhindern.
Quelle: picture alliance/dpa/Russian Defence Ministry

Die Atomruine von Tschernobyl ist im Zuge der Kämpfe in der Ukraine vom Stromnetz abgeschnitten worden. Darum könnten verbrauchte Brennelemente nicht mehr gekühlt werden, hatte zunächst die staatliche ukrainische Atomenergiefirma Energoatom mitgeteilt und vor dem Austritt radioaktiver Substanzen gewarnt.  

IAEA: keine kritischen Folgen für Sicherheit

Die Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA gibt am Mittwoch allerdings Entwarnung: Der Stromausfall hätte keine kritischen Folgen für die Sicherheit.

Die Wärmelast des Lagerbeckens für abgebrannte Brennelemente und das Volumen des Kühlwassers im Kernkraftwerk Tschernobyl reichen aus, um die Wärme effektiv abzuführen, ohne dass eine Stromversorgung erforderlich ist.
Internationale Atomenergie-Organisation

Dass die abgebrannten Brennelemente weniger Kühlung brauchen, liegt daran, dass das Atomkraftwerk schon so lange stillgelegt ist.

Im Kernkraftwerk Tschernobyl war es 1986 zu einem verheerenden Unfall gekommen, bei dem hunderte Menschen starben und sich radioaktives Material über ganz Europa ausbreitete. Im Jahr 2000 wurde dann der letzte Reaktorblock abgeschaltet und ein Schutzmantel soll verhindern, dass Radioaktivität austritt.

"Die Elemente klingen dort also seit mindestens 22 Jahren ab und werden deswegen nun keine problematische Hitzeentwicklung mehr zeigen", heißt es etwa in einem Statement von Georg Steinhauser, Professor für Umweltradioaktivität an der Universität Hannover.

Ich denke deshalb, diese Lager könnten eine gewisse Zeit lang auch ohne Strom standhalten.
Georg Steinhauser, Professor für Umweltradioaktivität

Die Anlage verfügt zudem über Notfall-Generationen. Laut dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba haben diese Dieselgeneratoren in Tschernobyl Kraftstoff für eine Laufzeit von 48 Stunden.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Twitter nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Twitter übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von Twitter informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutz-Einstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Experte: Gefahr für Arbeiter, nicht für Allgemeinheit

In der Atomanlage lagern nach Angaben des Betreibers rund 20.000 Brennelemente. Diese werden in speziellen Abklingbecken gelagert.

"Sie erzeugen durch radioaktiven Zerfall Wärme und müssen ständig gekühlt werden, was durch das Pumpen von frischem, kühlem Wasser in die Becken erreicht wird", heißt es in einer Erklärung von Clarie Corkhill, Professorin für Kernmaterialabbau an der Universität von Scheffield.

"Ohne Stromversorgung könnte dieses Wasser langsam verdampfen, was zu einer Kontamination des Gebäudes durch geringe Mengen radioaktiver Isotope führen könnte", heißt es weiter.

Der Nuklearchemiker Mark Foremann von der Technischen Universität Schweden sieht deshalb eher die Arbeiter in Gefahr, als die Allgemeinheit. "Wenn die Wasserschicht über dem Brennstoff zu dünn wird, steigen die Strahlungswerte im Brennstofflager und in der Umgebung."

Behörde: Lage des Personals verschlechtert sich

Die russische Armee hatte das Gelände im Norden der Ukraine am ersten Tag ihres Einmarschs erobert. Mehr als 200 technische Mitarbeiter und Wachleute sind seitdem auf dem Gelände eingeschlossen. Der Behörde zufolge sind sie seit fast zwei Wochen ununterbrochen im Dienst, weil es unter russischer Kontrolle keinen Schichtwechsel mehr gegeben habe. Sie hätten zwar Wasser und Nahrung, aber ihre Lage verschlechtere sich immer mehr.

Ich bin zutiefst besorgt über die schwierige und stressige Situation, in der sich das Personal des Kernkraftwerks Tschernobyl befindet, und über die potenziellen Risiken, die dies für die nukleare Sicherheit mit sich bringt.
IAEA-Chef Rafael Grossi

Normalerweise arbeiten mehr als 2.000 Menschen in rotierenden Schichten in dem Sperrgebiet. Die IAEA forderte Russland auf, die Mitarbeiter austauschen zu lassen, da Ruhezeiten für die Sicherheit der Anlage entscheidend seien.

FAQ

Russische Angriffe auf Reaktor - Welche Gefahr geht von ukrainischen AKW aus? 

Der Angriff auf ein ukrainisches AKW weckt Sorgen vor einer Kernschmelze und einem atomaren Gau wie in Tschernobyl oder in Fukushima. Welche Gefahr besteht aktuell?

von Jan Schneider

Der Chef der IAEA, Rafael Grossi, bekräftigte erneut sein Angebot, persönlich nach Tschernobyl oder an einen anderen Atom-Standort in der Ukraine zu reisen, um über die Sicherung der Nuklearanlagen in dem Krieg zu verhandeln.

Bereits am Dienstabend hatte Grossi mitgeteilt, dass "die Datenfernübertragung der im Kernkraftwerk Tschernobyl installierten Überwachungssysteme ausgefallen ist". Die Überwachungssysteme der IAEA sollen feststellen, ob radioaktives Material entweicht.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde aktualisiert, indem wir die Einschätzung der IAEA und der anderen Experten nachträglich hinzugefügt haben.

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

zerstörte Häuser in Folge des Krieges in der Ukraine.

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

"Putin - Der gefährliche Despot": Wladimir Putin in sakraler Umgebung.

Preise, Waren, Wirtschaftskraft - Was Sanktionen gegen Russland bewirken 

Die westlichen Sanktionen treffen vor allem die russische Bevölkerung, weniger die Oligarchen. Experten sind skeptisch, dass Putin seinen Kurs ändert - auch wenn das Land leidet.

von Marcel Burkhardt
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.