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Urteil im Brustimplantat-Skandal - TÜV Rheinland muss Schadenersatz zahlen

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Ein Pariser Gericht hat entschieden, dass der TÜV Rheinland mitverantwortlich ist für schadhafte Brustimplantate. Für die Implantate war industrielles Silikon verwendet worden.

Der Sitz des technischen Überwachungsvereins, Tüv Rheinland, aufgenommen am 14.11.2013
Pariser Berufungsgericht spricht TÜV Mitverantwortung zu
Quelle: dpa

Rund zehn Jahre nach dem Brustimplantate-Skandal um den französischen Hersteller PIP hat ein Gericht den TÜV Rheinland zu Schadenersatzzahlungen an hunderte Frauen verurteilt. Das Pariser Berufungsgericht entschied, die deutsche Prüfstelle trage eine Mitverantwortung für die schadhaften Prothesen. Der TÜV habe fahrlässig gehandelt, begründete das Gerichtsein Urteil.

Schadensersatzzahlungen für Tausende Betroffene

Die Höhe und der Zeitpunkt der Entschädigungen müssen nach Angaben des Opferverbandes PIPA noch festgelegt werden. Es sei Schadensersatz von mehreren zehntausend Euro je Opfer beantragt worden, teilte PIPA mit. Eine Entscheidung werde im September erwartet.

In dem Verfahren geht es um Schadenersatz für Tausende Trägerinnen der schadhaften Brustimplantate sowie für sechs Händler.

Die TÜV-Anwälte argumentieren, die Prüfstelle sei ebenso wie die Gesundheitsbehörden von dem Implantate-Hersteller getäuscht worden.

Anwalt sieht Verantwortung des TÜV Rheinland geklärt

"Wir freuen uns über dieses Ergebnis, das den Zweifeln an der Verantwortung des TÜV endgültig ein Ende setzt", sagte Opfer-Rechtsanwalt Olivier Aumaitrer.

Nach zehn Jahren des Wartens und heftigen Kampfes muss der deutsche Zertifizierer die Opfer vollständig entschädigen.
Olivier Aumaitrer, Rechtsanwalt der Opfer

Das Urteil könnte Auswirkungen auf Zehntausende weitere Opfer von Großbritannien bis Lateinamerika haben.

Der TÜV Rheinland wollte das Urteil zunächst nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies auf einen späteren Zeitpunkt, wenn das Urteil übersetzt zur Auswertung vorliege.

Verwendung von industriellem Silikon

Von 2001 bis 2010 hatten mehr als 300.000 Frauen die mangelhaften Implantate erhalten, die mit industriellem Silikon befüllt waren. So hatte der französische Hersteller PIP Ermittlern zufolge allein in einem Jahr 1,2 Millionen Euro eingespart.

Die Implantate wiesen überdurchschnittlich häufig Risse auf, Hinweise auf ein höheres Vorkommen von Brustkrebs fanden sich nicht. Etwa 15.000 Frauen hatten allein in Frankreich die Operationen wieder rückgängig machen lassen.

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