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Terra X - die Wissens-Kolumne : War 2022 ein gutes Jahr für die Umwelt?

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Es hätte ein gutes Jahr für die Umwelt werden können: Die regierenden Grünen wollten die ökologische Modernisierung vorantreiben. Doch es kam anders.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Gregor Steinbrenner

Es fing gut an, das Jahr 2022: Die Grünen hatten im Wahlkampf ein Klimaschutz-Sofortprogramm versprochen, das "unser Land auf den 1,5 Grad-Pfad" führen soll. Doch Wladimir Putin rollt am 24. Februar große Steine auf diesen Pfad. Der Mensch mag an seinen Aufgaben wachsen, aber manchmal wachsen diese schneller als er. Die Aufgaben: ökologischer Umbau UND Energiesicherheit trotz Krise.

Gutes Jahr für die Umwelt trotz Krise

Im Altgriechischen bedeutet Krise "Moment der Entscheidung". Genau diesen sieht die Internationale Energieagentur gekommen. Sie prophezeit, dass Putins Krieg einen Schub für die Erneuerbaren Energien auslösen wird. Aus Angst um ihre Versorgungssicherheit werden Staaten weltweit in Energieträger investieren, die sie unabhängig von fossilen Importen machen.

Die Prognose der Energieexperten: Mehr als 90 Prozent aller Investitionen in Kraftwerke werden in den nächsten Jahren in Wind, Photovoltaik und andere erneuerbare Energieträger fließen. Wenn das stimmt, war 2022 ein gutes Jahr für die Umwelt.

Um Industrieländer klimafreundlich umzurüsten, nimmt die weltweite Umweltzerstörung Fahrt auf. Der Ausbau regenerativer Energien verschlingt enorme Ressourcen. Eine verhängnisvolle Entwicklung, um die Erde zu retten wird die Erde zerstört.

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LNG: Schlechtes Jahr für die Umwelt

Doch erst mal reist der grüne Energieminister Robert Habeck zu anderen fossilen Exporteuren, Gas aus Katar und aus dem Senegal, Steinkohle aus Kolumbien. (Fossile) Energiesicherheit hat Priorität. Und das nicht nur kurzfristig.

Eine teure Logistik wird eigens dafür aufgebaut. Für die Einfuhr von Flüssiggas müssen LNG-Terminals her. Und zwar schnell. Und viele. Elf Stück sollen es werden. Kosten, so hieß es im Frühjahr, 2,9 Milliarden. Inzwischen geht das Wirtschaftsministerium von etwa zehn Milliarden aus. Zehn Milliarden für einen Energieträger, von dem wir uns eigentlich verabschieden wollen - siehe "ökologischer Umbau".

Die Nachfrage des Westens führt dazu, dass immer mehr Länder ihre Gas- und Kohlereservoirs anzapfen. Es wird sogar mehr Gas erschlossen, als durch den Ausfall Russlands als Lieferant verloren geht. Klimaschutz war gestern.

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Das New Climate Institut hat ausgerechnet, dass diese Investitionen gar nicht nötig wären. Drei schwimmende Terminals würden vollauf genügen. Wenn in vier Jahren alle elf Anlagen betriebsbereit sind, hätten wir eine riesige Überkapazität geschaffen: die anderthalbfache Menge des Gases, das vor dem Krieg aus der Ukraine und aus Russland kam. Dann war 2022, das Jahr in dem diese Entscheidung getroffen wurde, ein schlechtes Jahr für die Umwelt. 

Optimistische Ziele und ökologische Bremsen

Also: kein ökologischer Umbau? Nur fossile Energiesicherheit? Es kam das Osterpaket der Bundesregierung. Laut Eigenwerbung die "größte energiepolitische Gesetzesnovelle seit Jahrzehnten". Sie soll den Ausbau der Erneuerbaren beschleunigen. Dafür bekam die Regierung viel Lob. Endlich sollen zwei Prozent der Landesfläche zum Ausbau der Erneuerbaren zur Verfügung gestellt werden.

Doch wie schnell es wirklich geht, muss sich zeigen. Um die Flächen auszuweisen, haben die Länder nämlich viel Zeit. Bis 2032 - zehn Jahre! Zum Vergleich: Das erste LNG-Terminal war nach sechs Monaten fertig. Die Expert*innen im Klimaausschuss hielten eine Ausweisung bis 2026 für möglich (und nötig). Durchgesetzt haben sich andere.

Möglichst schnell weg von Gas, Öl, Kohle: Als Lösung unserer Energiekrise drängt die Energiewende mehr denn je. Kann sie gelingen ohne Artenschutz und Biodiversität zu gefährden?

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Apropos FDP: Die hat sich auch durchgesetzt, als es um einen Fixpreis für Strom aus Erneuerbaren ging. Sie lehnte die sogenannten Differenzverträge ab. Und das Tempolimit. Maximal 120 km/h sind freien Bürger*innen nicht zuzumuten. Laut Berechnungen des Umweltbundesamtes hätten sie binnen eines Jahres unmittelbar 6,6 Prozent der CO2-Emissionen eingespart. Unmittelbar. In 2022. Eine schlechte Entscheidung gegen den Klimaschutz. Ach ja, und das Dienstwagenprivileg wurde auch nicht gekippt. Wer hat's verhindert?

Die Ampel-Koalition sieht weiterhin kein generelles Tempolimit auf der Autobahn vor. Abseits von Politik und Interessenskonflikten und rein wissenschaftlich betrachtet: Was bedeutet ein Tempolimit von 130 km/h und welche statistischen Folgen hätte es?

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Diplomatische Erfolge beim Klimagipfel und Biodiversitätsgipfel

Aber da waren ja noch die zwei COPs - der Klimagipfel und der Biodiversitätsgipfel. In Montréal wurde das 30 by 30-Ziel unterschrieben. Bis 2030 sollen 30 Prozent der Erde (und der Meere) unter Naturschutz gestellt werden. Diplomatisch ist das ein Erfolg. Ob es auch einer für den Artenschutz ist, weiß man noch nicht. Es fehlen Kontrollinstrumente, um das Erreichen der Ziele zu überprüfen. Von Sanktionen bei Zuwiderhandlung ganz zu schweigen.

Und der Klimagipfel? Nun ja, es hätte viel schlimmer kommen können. Die ägyptische Regierung, die die Präsidentschaft innehatte und damit den Entwurf der Abschlusserklärung vorlegte, wollte viel weniger. Sie wollte verhindern, dass künftig Nachbesserungen der Klimaziele nicht mehr verpflichtend sein sollen - mit anderen Worten: Sie wollte die Klimaziele von Paris über Bord werfen. So weit kam es nicht. Es bleibt beim 1,5-Grad-Pfad (zumindest auf dem Papier).

Ein Erfolg: Zum ersten Mal wird im Abschlussdokument explizit die Rolle der Erneuerbaren Energien betont und dass ihr Ausbau beschleunigt werden müsse. Mehr war wohl aber nicht drin. Das gilt auch für die Gesamtbilanz 2022. Mehr war dieses Jahr nicht drin. Hoffen wir aufs nächste.

NANO: Wissenschaft und Politik - Beziehung in der Krise. Ob Klimawandel, Pandemie oder Artensterben – Warum trotz wissenschaftlicher Fakten das politische Handeln häufig ausbleibt.

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